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Vereinbarkeitsregelung bei Qioptiq in Regen. Foto: Privat

Vereinbarkeitsregelung bei Qioptiq in Regen

"Viel Geduld und ein gutes Konzept"

20.07.2012 Ι Familie und Beruf sind nicht immer einfach unter einen Hut zu bringen. Doch es hilft, wenn die Rahmenbedingungen verbessert werden. So wie das bei Qioptiq Photonics eingefädelt und in einer Betriebsvereinbarung festgeschrieben wurde.

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Das konnte der Betriebsrat der Firma Qioptiq im niederbayerischen Regen feststellen. Dort waren sich der Betriebsrat und die Werksleitung einig, dass mehr für junge Mütter und Väter getan werden muss. Trotzdem braucht man "viel Geduld und ein gutes Konzept", sagt Konrad Kölbl, Vorsitzender des Betriebsrats. Seit Oktober 2009 gibt es bei dem Hersteller von optischen Komponenten für die Industrie eine Betriebsvereinbarung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dafür wurde der Betriebsrat der Firma Qioptiq auch im letzten Jahr für den Deutschen Betriebsräte-Preis nominiert. Mit diesem Preis werden einmal jährlich besondere betriebliche Projekte und der Einsatz von Betriebsräten im Interesse der Beschäftigten gewürdigt.

Zeitversetzter Arbeitsbeginn
Familienfreundlichkeit wird bei Qioptiq groß geschrieben. Deshalb wurden bei dem niederbayerischen Unternehmen mehrere Arbeitsplätze für junge Mütter eingerichtet. An diesen Stellen kann der Arbeitsbeginn so gelegt werden, dass es möglich ist, zuvor das Kind zum Kindergarten oder Kinderkrippe zu bringen oder anderweitig zu versorgen. Diese Möglichkeit nutzen tatsächlich inzwischen neun junge Frauen. Zwar wurden in der Betriebsvereinbarung nur drei Arbeitsplätze festgelegt, doch es spricht für den Erfolg der Regelung und die Ernsthaftigkeit der Absicht, dass inzwischen neun Mütter die Möglichkeiten dieser familienfreundlichen Vereinbarung nutzen. Die jungen Frauen müssen aufgrund der Betriebsvereinbarung nicht wie alle anderen Beschäftigten morgens um sechs Uhr mit ihrer Schicht beginnen. Unmöglich zu schaffen für Mütter mit kleinen Kindern. Ihre Arbeitszeit ist flexibel und richtet sich nach den vereinbarten Stunden und Tagen des Arbeitsvertrages. Nutzen können diese Vereinbarung Mütter mit Kindern nach der Elternzeit für drei Jahre.

Passgenaue Lösungen
Normalerweise wird bei dem Hersteller von optischen Produkten in drei Schichten gearbeitet. Um eine Regelung zu realisieren, die einen flexiblen Arbeitsbeginn ermöglichen, werden Arbeitsplätze aus dem Schichtplan herausgelöst. Sie sind damit nicht mehr dem starren Zeitrhythmus unterworfen. Nach genauer Prüfung der Arbeitsabläufe hat die Werksleitung und der Betriebsrat bei Qioptiq einige solcher Tätigkeiten gefunden: Beispielsweise in der Eingangskontrolle. Dort werden die optischen Linsen, die die Firma von Zulieferern bezieht, vor der Montage kontrolliert. Und darüber war man sich einig: Das ist keine Tätigkeit, die unbedingt morgens bei Schichtbeginn schon erledigt werden muss. Das trifft auch auf einige Arbeitsplätze in der Endmontage zu, ebenso dort, wo die Linsen beschichtet werden.



Hoher Facharbeiteranteil

Dass junge Frauen nicht in einen Konflikt zwischen ihrem Job und ihrer Verantwortung als Mütter geraten, das war für den Betriebsrat Konrad Kölbl ein wichtiges Anliegen. Das hat er sich schon zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Jahr 2006 als Betriebsratsvorsitzender vorgenommen. Er wurde darin vom gesamten Betriebsrat unterstützt. Wie wichtig Fachkräfte für ein Unternehmen werden können, dass präzise optische Komponenten für den medizinischen Einsatz herstellt, weiß Konrad Kölbl durch 40-jährige Berufserfahrung. Deshalb muss die Firma auf die Probleme junger Familien eingehen", stellt er fest. Bei dem Unternehmen in Regen arbeiten über 240 Beschäftigte. In der Produktion sind zu 95 Prozent Facharbeiter eingesetzt. Unter ihnen sind viele Frauen. Ihr Anteil liegt bei 47 Prozent. Das schlägt sich auf allen Ebenen des Unternehmens nieder. Dem neunköpfigen Betriebsrat gehören vier Frauen an. Auch von den jedes Jahr neu eingestellten jungen Menschen, die eine Ausbildung zum Feinoptiker beginnen, sind die Hälfte Mädchen.

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