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Berufsausbildung stärken: Berufsbildungsbericht offenbart Handlungsbedarf

Auszubildende von heute - Fachkräfte von morgen

26.05.2015 Ι Die duale Berufsausbildung in Deutschland wird weltweit geschätzt. Umso erschreckender sind die realen Verhältnisse: Die Zahl neu abgeschlossener Verträge geht kontinuierlich zurück. Dabei sind die Azubis von heute die Fachkräfte von morgen.

Von A wie Automobilkaufmann bis Z wie Zerspanungsmechaniker - wer in Deutschland nach einem Ausbildungsplatz sucht, hat die Qual der Wahl. Rund 350 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe stehen zur Verfügung - davon wird mehr als ein Drittel von der IG Metall und ihren ehrenamtlichen Sachverständigen betreut und mitgestaltet. Und auch in Sachen Qualität kann Deutschland punkten: Das duale Ausbildungssystem ist weltweit einzigartig. Es verbindet die Praxis im Betrieb mit der Theorie der Berufsschule. So sorgt die duale Berufsausbildung dafür, dass Auszubildende ihr Wissen direkt und zielgerichtet anwenden lernen. Und sie schafft durch die unmittelbare Nähe zum Betrieb gute Voraussetzungen für einen direkten Übergang ins Arbeitsleben.

Gut ausgebildete Fachkräfte sind das Rückgrat einer erfolgreichen Wirtschaft. Da sind sich Gewerkschafter, Politiker, Arbeitgeber und Bildungsexperten einig. Umso erschreckender sind die realen Verhältnisse.

Zahl abgeschlossener Ausbildungsverträge im Keller
Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist im Jahr 2014 auf einen historischen Tiefstand gesunken: Mit 522 231 Ausbildungsverträgen wurden 7 311 weniger abgeschlossen als im Jahr zuvor. Das offenbart der aktuelle Berufsbildungsbericht der Bundesregierung.

Über Fachkräftemangel klagen und gleichzeitig das Ausbildungsangebot zurückfahren, das passt nicht zusammen. Immer weniger Betriebe bilden aus. Auch im Bereich der Metall- und Elektroberufe ist die Lage ernst. Eine Sonderauswertung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) zeigt, dass die Ausbildung in den Metall- und Elektroberufen in den letzten 20 Jahren stark geschrumpft ist. Seit 1994 ist laut IAQ die Zahl der Jung-Facharbeiter in diesen Berufen um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Die geringe Ausbildungsleistung der Unternehmen gefährdet einen ausreichenden Fachkräftenachwuchs. "Die Metallarbeitgeber müssen mehr ausbilden", fordert deshalb Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze steigt
Damit allein ist es aber nicht getan. Denn trotz des sinkenden Ausbildungsplatzangebotes stieg die Zahl der unbesetzten Stellen auf rund 37 000. Daran zeigt sich: Angebot und Nachfrage driften auseinander. "Die Bestenauslese muss endlich aufhören", sagt Urban weiter. "Auch Jugendlichen mit Hauptschulabschluss muss eine Ausbildung ermöglicht werden. Über 280 000 von der Bundesagentur für Arbeit als geeignet eingestufte Jugendliche haben vergeblich eine Ausbildung gesucht."

Das ist dramatisch: Für die jungen Menschen, die ihrer Zukunftschancen beraubt werden, für die Unternehmen, die es versäumen ihren Fachkräftenachwuchs zu qualifizieren und für die Gesellschaft, die es sich nicht leisten kann, den Betroffenen keine angemessene berufliche Perspektive zu eröffnen.

Duale Ausbildung muss attraktiv bleiben
Die zunehmende Digitalisierung und die Entwicklung hin zur Industrie 4.0 werden die Qualifikationsanforderungen der Beschäftigten verändern. Dem muss auch in der Berufsausbildung Rechnung getragen werden. Die betriebliche Ausbildung muss für Jugendliche attraktiv bleiben. Und zwar nicht nur, indem ausreichend Ausbildungsplätze vorhanden sind. Sondern auch, indem qualitativ hochwertige Inhalte und gute Rahmenbedingungen sichergestellt werden.

Allianz für Aus- und Weiterbildung
Die IG Metall engagiert sich deshalb in der "Allianz für Aus- und Weiterbildung" und fordert dort belastbare Zusagen von Politik und Arbeitgebern ein, wie mehr und bessere Ausbildungsplätze geschaffen werden können. Zugleich nimmt sie in der Arbeitsmarkt- und in der Tarifpolitik Einfluss und verbessert die Rahmenbedingungen. Für die berufliche Bildung insgesamt - wie durch den Einstieg in die Bildungsteilzeit in der letzten Tarifrunde - und natürlich auch für die Erstausbildung. Ziel bleibt es, eine Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen zu verwirklichen.

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