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Bildungsteilzeit - Marion Wörner

Bildungsteilzeit - das ist wie ein "Sechser im Lotto"

20.02.2015 Ι Schon während ihrer Berufsausbildung interessierte sich Marion Wörner sehr für die Werkstoffe, mit denen sie täglich im Betrieb umging. Was sie da lernen konnte, genügte ihr noch nicht, Marion möchte diesen Stoffen und ihren Geheimnissen ganz genau auf den Grund gehen. So entschloss sie sich, weiter auf die Schule zu gehen, die Hochschulreife zu erlangen und zu studieren.

Nach dem Realschulabschluss absolvierte Marion beim Spannmittelspezialisten Röhm im ostwürttembergischen Sontheim an der Brenz eine Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin, Fachrichtung Frästechnik. Nach dem erfolgreichen Ausbildungsabschluss wurde sie unbefristet übernommen. Dennoch entschied sich Marion für den Weg der Weiterbildung. Da war nicht nur ihr Wissensdurst. Auch die Situation im Betrieb in den letzten Jahren mit Kurzarbeit und Stellenabbau bestärkten sie darin, zumal davon besonders junge Facharbeiter betroffen waren. So ließ sich Marion auf Grundlage des baden-württembergischen Tarifvertrags Qualifizierung direkt nach der Ausbildung für fünf Jahre freistellen - mit Rückkehrrecht zu ihrem bisherigen Arbeitgeber.


Seit September 2014 besucht sie nun die Berufsoberschule im bayrischen Augsburg, vergleichbar einem Technischen Gymnasium. Das bayrische Schulsystem lässt die Wahl offen: In einem Jahr kann die 21-Jährige die Fachhochschulreife erreichen; hängt sie ein weiteres Jahr dran, ist auch das Abitur drin. Die Schule ist anstrengend, auch wenn Marion gerne lernt und es ihr nicht schwer fällt, wie sie sagt. Täglich acht Stunden Unterricht, abends die Hausaufgaben und die Vorbereitung für den kommenden Tag, "da bleibt wenig Freizeit". Zudem pendelt sie täglich zweieinhalb Stunden ins fast 70 Kilometer entfernte Augsburg, auch aus finanziellen Gründen.

Marion muss mit dem Bafög auskommen, eine zusätzliche Zimmermiete ist da nicht drin. "Es reicht halt gerade so." Später, zum Studium, stellt sich die Frage der Finanzierung noch einmal neu, wenn sie vielleicht weggehen muss in eine entfernte Stadt. Deshalb sucht Marion nach einer Möglichkeit für ein Duales Studium, aber bisher konnte sie keinen Betrieb finden. In ihren Wunschfächern - Metallografie, Material- oder Werkstoffwissenschaften - "wäre das wie ein Sechser im Lotto".

Familie und Freunde, Spielmannszug und Schützenverein sind Marions Rückhalt in ihrer Heimatgemeinde. Sie engagiert sich in der Feuerwehr, war Jugendvertreterin bei Röhm und bleibt Mitglied im Ortsjugendausschuss der IG Metall Heidenheim.

So war es für sie auch klar, dass sie am Jugendaktionstag in Köln teilnahm und dort gemeinsam mit tausenden von jungen Leuten für mehr Zeit und Geld für die Bildung demonstrierte. "Auch wenn es für uns im Moment noch nichts bringt, die Bildungsteilzeit ist eine wichtige Forderung für die folgenden Generationen", sagt Marion. Sie empfiehlt: "Wer weiterlernen möchte, macht das am besten gleich nach der beruflichen Ausbildung oder spätestens nach einem Jahr im Betrieb. Dann fällt das Lernen leichter, weil man noch drin ist. Wer erst einige Jahre arbeitet, wird es viel schwerer haben."

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Meist fehlen Zeit, Geld oder Möglichkeit

45 Prozent
aller Beschäftigten würden sich gern beruflich entwickeln. Aber um eine Auszeit von der Arbeit dafür zu nehmen, fehlt ihnen das Geld.

57 Prozent
aller Berufstätigen beklagen, dass ihr Betrieb ihnen nicht genug Möglichkeiten bietet, sich weiterzubilden. Am häufigsten bemängeln das junge Leute unter 35 Jahren, Angelernte, Schichtarbeiter und Facharbeiter.

47 Prozent
aller Männer und Frauen in den Betrieben sagen, der Arbeitsdruck lasse ihnen keine Zeit, sich weiterzubilden.

70 Prozent
aller Arbeitnehmerinnen und Arbeit- nehmer unter 35 Jahren sagen, sie müssen sich für ihre Arbeit in Zukunft weiterbilden.

93 Prozent
halten es für wichtig, sich im Betrieb weiterbilden zu können, um bis zur Rente gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Quelle: Beschäftigtenbefragung 2013
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