Ausbildungsstart im Corona-Jahr
Freie Ausbildungsplätze – da geht noch was

Im September hat das neue Ausbildungsjahr begonnen. Doch nicht alle kamen zum Zug und haben einen passenden Ausbildungsplatz gefunden. Wie man im Zuge der Nachvermittlung noch einen von 60 000 unbesetzten Ausbildungsplätzen findet, erklärt Anke Muth von der IG Metall.


Vieles ist in diesem Jahr wegen Corona anders als sonst. Das gilt auch für die Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Die Betriebe bilden weniger aus. Es gibt über 40 000 Ausbildungsplätze weniger als sonst. Das ist die schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht für Ausbildungssuchende ist: Trotzdem konnten rund 60 000 Ausbildungsplätze bisher nicht besetzt werden. Wegen Corona ist es für Betriebe dieses Jahr gar nicht so einfach, Jugendliche zu finden. Also gibt es immer noch eine Chance, eine Stelle zu finden.
 

Anke, die Ausbildungszahlen sind dieses Jahr nicht berauschend.

Muth: Nicht einmal jede oder jeder zweite bei der Bundesagentur gemeldete Bewerberin oder Bewerber hat bislang einen Ausbildungsplatz gefunden. Traurig, aber wahr.


Was können junge Menschen tun, um noch eine Ausbildung zu beginnen?

Am besten, man meldet sich vor Ort bei der Agentur für Arbeit. Deren Jobbörse kann man nach offenen Ausbildungsplätzen durchforsten. Und es gibt eine von der Bundesagentur für Arbeit sowie Schülerinnen und Schülern entwickelte App „Azubiwelt“, die man im GooglePlaystore oder bei Apple kostenlos herunterladen und zur Online-Suche nutzen kann.

Außerdem gibt es Jobbörsen auch auf den Webseiten der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern.


Was hat es auf sich mit der Nachvermittlung?

Das ist Aufgabe der Agenturen für Arbeit. Sie kümmern sich, dass ausbildungssuchende Jugendliche auch mit zeitlicher Verzögerung noch eine Stelle antreten können. Das klappt öfter als man denkt. Vielleicht muss der oder die Jugendliche einen Kompromiss machen und sich für einen anderen Beruf entscheiden als ursprünglich gedacht. Oder man muss etwas weiter zum ausbildenden Betrieb fahren.
 

Baden-Württemberg ermöglicht in diesem Jahr einen zeitversetzten Ausbildungsstart am 1. Februar 2021. Damit sollen Unternehmen und Ausbildungssuchende ermuntert werden, doch noch Ausbildungsstellen anzubieten beziehungsweise auszusuchen. Wie bewertet das die IG Metall?

Eine Initiative, die dazu führt, dass junge Leute sich für einen Beruf qualifizieren, ist erst mal positiv. Da kreativ zu sein und neue Wege auszuprobieren, ist begrüßenswert. Für einige Betriebe, die aktuell bereits wieder im Lockdown sind, ist das sicher eine gute Möglichkeit. Allerdings müssen auch die Berufsschulen darauf vorbereitet sein, Auszubildende unterjährig aufzunehmen und zusätzliche Klassen zu schaffen.


Wenn man noch fündig wird und eine Ausbildung antreten kann, was bedeutet das dann?

Im Zweifel muss man den verpassten Stoff der Berufsschule nachholen. Und auch der Betrieb muss sich sputen, um die Ausbildungsinhalte, die eigentlich schon dran waren, zu vermitteln. Aber das sollte keinen ausbildungswilligen Jugendlichen abhalten. Mit Unterstützung ist das zu schaffen. Wenn es hakt, kann die Jugend- und Azuszubildendenvertretung oder der Betriebsrat helfen und schauen, wo noch Hilfe zu organisieren ist.


Wie kann man die Zeit während der Bewerbung nutzen, bis man nachvermittelt ist?

Man sollte sich auf jeden Fall arbeitssuchend melden. Jeder volle Kalendermonat wird für die Rente angerechnet. Und es ist bestimmt einen Versuch wert, Betriebe in seiner Region auch direkt anzusprechen, ob sie noch einen Ausbildungsplatz frei haben. Vielleicht findet sich so ein Praktikum im Wunschberuf zur Überbrückung bis es klappt mit der Ausbildung. Und für den einen oder die andere bietet sich die Zeit auch an, um einen höheren Schulabschluss ins Auge zu fassen und die Chancen fürs nächste Jahr zu erhöhen.


Anke Muth arbeitet im Bereich Bildung- und Qualifizierungspolitik der IG Metall und ist Expertin für den Ausbildungsmarkt.


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