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Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist die größte Herausforderung für die EU

Europa darf die junge Generation nicht verloren geben

27.02.2014 Ι Die Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 29 Jahre ist am stärksten und am nachhaltigsten von der Wirtschaftskrise betroffen. Europa darf nicht eine ganze Generation verloren geben. Die IG Metall fordert daher, dass die europäische Jugendgarantie konsequent umgesetzt, ausgeweitet und mit mehr finanziellen Mitteln ausgestattet wird.

Diesen Menschen den Einstieg in den Arbeitsmarkt und damit in die Gesellschaft zu ermöglichen, ist die größte politische Herausforderung, vor der die Europäische Union steht. NEETs werden im Europäischen Politjargon die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 29 Jahren genannt, die ohne Arbeit und weder in schulischer noch in beruflicher Ausbildung sind. (NEET = not in employment, education oder training"). Sie gehören zu den Hauptverlierern der Wirtschaftskrise. Ihr Ausschluss vom Arbeitsmarkt, so hat das europäische Statistikamt errechnet, hat im Jahr 2011 zu wirtschaftlichen Verlusten von 153 Milliarden Euro geführt, das ist 1,2 Prozent des Euro-BIP.

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten hat die IG Metall selbst auch die Initiative ergriffen. So zum Beispiel die IG Metall-Verwaltungsstelle Hamm-Lippstadt. Unter dem Titel "Spanischen Jugendlichen eine berufliche Perspektive bieten" haben die IG Metall Hamm-Lippstadt und der Unternehmensverband Westfalen-Mitte ein Ausbildungsprojekt gestartet. Es ermöglicht 18 jungen Spaniern, einen klassischen Ausbildungsberuf der Metall- und Elektroindustrie zu erlernen.

Der IG Metall-Bevollmächtigte, Alfons Eilers, sagte: "Andalusien, unsere spanische Partnerregion, leidet unter hoher Jugendarbeitslosigkeit, 66 Prozent der jungen Leute haben keinen Job. Und kaum Perspektiven. Mit unserem Projekt setzen wir ein dringend erforderliches Zeichen der Solidarität." Für die Teilnehmer am Projekt werde "die europäische Idee gelebte Realität".

Sozialer Schaden hat enorme Sprengkraft
Finanziell nicht beziffert aber von einer enormen Sprengkraft ist der soziale Schaden, der entsteht, wenn eine ganze Generation auf Dauer vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen bleibt. So ist das Risiko der politischen und sozialen Entfremdung der arbeitslosen Jugendlichen enorm. Die soziale Spaltung nimmt zu, weil Arbeitslosigkeit zu Armut und Ausgrenzung führt. Und in einem Klima der Unzufriedenheit und Hoffnungslosigkeit haben rechte Populisten leichtes Spiel: Sie nutzen den Protest gegen die Ungerechtigkeiten für ihre Zwecke, schüren Hass gegen Minderheiten, sozial Schwache und gegen andere Länder. Wachsender Zulauf bei Wahlen kann Regierungsbildungen erschweren, Regierungen im Amt schwächen oder unter Druck setzen. Und schließlich kommt auch keine wirtschaftliche Erholung in Gang, wenn das Wissen, das  Engagement und die Leistungsbereitschaft einer ganzen Generation nicht abgerufen werden.

Wolfgang Lemb, für Europa und Industriepolitik zuständiges Vorstandsmitglied der IG Metall, ruft daher dazu auf, die Jugendarbeitslosigkeit in Europa entschlossener zu bekämpfen statt eine ganze Generation verloren zu geben. "Es müssen Maßnahmen gefunden werden, die kurzfristig Beschäftigung oder Qualifizierungsangebote bereitstellen und mittelfristig zu einem leistungsfähigen System der beruflichen Bildung führen". Deshalb sei die europäische Jugendgarantie konsequent umzusetzen, auszuweiten und mit mehr finanziellen Mitteln auszustatten.

 



Jugendgarantie muss noch ausgebaut werden
Die europäische Jugendgarantie geht auf eine Einigung aller 28 EU-Länder im April 2013 zurück. Das Konzept sieht vor, dass junge Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten nach Abschluss ihrer Ausbildung oder nachdem sie arbeitslos geworden sind, ein konkretes und hochwertiges Angebot erhalten. Es ist derzeit in der Umsetzungsphase, die einzelnen EU-Länder müssen nationale Aktionspläne zur Umsetzung der Jugendgarantie entwickeln. Die IG Metall fordert eine bessere finanzielle Ausstattung dieses Programms. Mindestens acht statt sechs Milliarden Euro pro Jahr müssten über fünf Jahre dafür bereitgestellt werden. Auch die Altersgrenze soll auf mindestens 29 Jahre angehoben werden. Denn auch Hochschulabsolventen haben enorme Probleme, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Ohne konjunkturellen Rückenwind wird es schwer sein, die Jugendgarantie zu einem Erfolg zu führen. Daher muss die Europäische Union durch gezielte Impulse für Wachstum und Investitionen sorgen und für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen, damit Europas junge Menschen und Europa insgesamt die Wirtschaftskrise überwinden.

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