Zukunft ist heute

Bericht aus Bezirk Nordrhein-WestfalenBetriebsrat und Geschäftsleitung von Pronorm Einbauküchen in Vlotho warten nicht auf das, was die Zukunft bringt. Sie gestalten sie, heute: Pronorm ist das erste holzverarbeitende Unternehmen, das sich am IG Metall-Projekt Arbeit 2020 beteiligt.

1. September 20181. 9. 2018


Ende 2013 hörte Peter Engel zum ersten Mal von Industrie 4.0, der Digitalisierung aller Prozesse im Betrieb. Der damals 53-jährige Betriebsratsvorsitzende war sich sicher: „Das erlebe ich in meinem Berufsleben nicht mehr!“ Anfang 2017, nur knapp drei Jahre später, verhandelten er, die Geschäftsführung und die IG Metall eine „Zukunftsvereinbarung“, die Mitte 2017 von allen unterschrieben wurde.


Was war passiert?

Der Betriebsrat hat mit Unterstützung der IG Metall NRW Pronorm unter die Lupe genommen ― und mithilfe der sogenannten Betriebslandkarte festgestellt, welche Prozesse bereits miteinander vernetzt sind, und ob sich Qualifikationsanforderungen verändert haben. Die Erkenntnis der Betriebsräte: „Wir haben Industrie 4.0 zwar noch nicht, sind aber auf dem besten Weg.“ Letztlich soll der Betrieb intern und extern ― mit Lieferanten und Kunden ― vernetzt sein.

Was für eine große Aufgabe das ist, machen ein paar Zahlen klar: Auf einer Grundfläche von 60 000 Quadratmetern ― das sind mehr als acht Fußballfelder ― fertigen und verwalten bei Pronorm 280 Beschäftigte die Produktion von beispielsweise 30 000 Küchen im Jahr. 2017/2018 wurde die Produktionshalle erweitert, eine moderne Kantenbearbeitungsanlage sowie eine Hochleistungsbohr- und -fräsmaschine in Betrieb genommen.

Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von ­Geschäftsführung und Betriebsrat ermittelt den Qualifizierungsbedarf und sorgt für die bedarfsgerechte Weiterbildung. Erstmals bildet Pronorm Mitarbeiter in der Produktion aus. In Vlotho gilt heute die Formel „Motivation durch Information“. Die Belegschaft wird frühzeitig über alle Veränderungen informiert. Auf Betriebs- und Abteilungsversammlungen, per Aushang, in Gesprächen und künftig an „Infopoints“. Um eine bessere Information zu gewährleisten, haben Betriebsrat und ­Geschäftsführung gemeinsam einen Führungskräfte-Workshop veranstaltet ― früher unvorstellbar. Aber notwendig, denn „in der Belegschaft gibt es Ängste vor Industrie 4.0, keine Frage“, sagt Peter Engel. Patrick Loos von der IG Metall NRW bekräftigt: „Der Betriebsrat hat die Initiative übernommen, kooperativ, aber auch bestimmt.“

Im Projekt setzt sich der Betriebsrat auch gezielt für die Angestellten ein, denn sie sind von der Digitalisierung direkt betroffen. Zudem hat eine Befragung ergeben, dass das Großraumbüro kein idealer Arbeitsort ist. Jetzt wird auf Betreiben des Betriebsrats ein neues Gestaltungskonzept erarbeitet, das dann mit einer Musterkoje getestet werden soll.

Das Arbeitsklima zwischen der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat, sagt Peter Engel, habe sich im Laufe des Projekts „wesentlich verbessert“. Alle bemühten sich, unvoreingenommen und konstruktiv miteinander umzugehen. „Alle haben erkannt, dass wir unsere Probleme nur gemeinsam lösen können.“

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