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Studie der Otto-Brenner-Stiftung

Studie der Otto Brenner Stiftung

Die Solarbranche - besser als ihr Ruf

05.04.2013 Ι Steht die deutsche Solarindustrie vor dem Untergang? Eine neue Studie der Otto Brenner Stiftung unterstreicht die Potentiale der heimischen Photovoltaik-Hersteller. Um die Krise zu überstehen und auf zukünftigen Märkten präsent zu sein, braucht es aber auch staatliche Unterstützung - und bessere Arbeitsbedingungen.

In kaum einer Branche lagen Licht und Schatten so dicht beieinander wie in der deutschen Solarindustrie. Keine fünf Jahre ist es her, da galten Unternehmen wie First Solar, Conergy oder Q-Cells als Hoffnungsträger, besonders im strukturschwachen Osten. 2013 ist diese Euphorie in Katerstimmung umgeschlagen: Viele der ehemaligen Börsenstars sind insolvent, schließen ihre Werke oder schicken ihre Beschäftigten in Kurzarbeit. War der Solarboom für Ostdeutschland am Ende nicht mehr als ein kurzes industrielles Intermezzo?


Nicht unbedingt, meinen die Autoren einer gerade erschienenen Studie der Otto Brenner Stiftung. Die Wissenschaftler Ulrich Bochum und Heinz-Rudolf Meißner haben anhand von sechs in Ostdeutschland angesiedelten Photovoltaik-Produzenten die Zukunftspotentiale der Industrie untersucht: Und die sind alles andere als schlecht: Hersteller wie Conergy (Frankfurt/Oder), Solibro (Bitterfeld-Wolfen) oder Aleo Solar (Prenzlau) verfügen über die Voraussetzungen, die Krise zu überleben. Sie haben internationale Absatzmärkte erschlossen, verfügen über beachtliche technologische Kompetenzen und haben Qualität und Wirkungsgrad ihrer Produkte permanent erhöht. Den Vorwurf, die Unternehmen hätten während der Boomjahre nicht in Forschung und Entwicklung investiert, können die Forscher nicht bestätigen.


Wachsende Nachfrage in den USA, Asien und Lateinamerika

Vor allem aber prognostizieren die Autoren eine wachsende Nachfrage nach Solaranlagen in den USA, Asien und Lateinamerika. Doch um diese Chancen nutzen zu können, müssen die Unternehmen die aktuelle Krise überstehen. Und das geht nur mit staatlicher Unterstützung. Die jüngsten Kürzungen der Einspeisevergütung, vor allem aber der enorme Preisverfall für Module durch das Erstarken der Konkurrenz in Fernost haben die Branche schwer getroffen. Allein zwischen März 2010 und März 2012 fielen die Preise für kristalline Module - neben der sogenannten Dünnschichttechnologie eine der beiden Hauptbauweisen von Solarzellen - um die Hälfte. Der Anteil deutscher Produzenten am heimischen Markt fiel zwischen 2009 und 2011 von gut 60 Prozent auf 15 Prozent.


Eine solche Absatzkrise kann auch durch Verbesserungen im Produktionsprozess nicht abgefangen werden, so die Autoren der Studie. Es braucht staatliche Rahmenbedingungen, die Planung, Investitionen und Innovationen kalkulierbar machen. Neben Sonderprogrammen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fordern die Autoren Local-Content-Lösungen im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG): Von einer gezielten Förderung in der EU produzierter Module würden nicht nur heimische Hersteller profitieren. Höhere Einspeisevergütungen könnten auch einen Anreiz für ausländische Unternehmen sein, ihre Produktion nach Deutschland zu verlegen. Ähnliche Vorschläge kommen auch vom Thüringer Wirtschaftsminister Matthias Machnig.

Ein Appell für unverbindliche Subventionen soll das aber nicht sein. Bochum und Meißner verlangen Kontrolle. Besonders beim Thema Arbeits- und Entlohnungsbedingungen sehen die Autoren noch erhebliche Probleme. Denn Löhne weit unter Tarif sind in der Branche genauso die Regel wie dauerhafte Überstunden, 12-Stunden-Schichten und hohe Leiharbeitsquoten.


Eine starke Gewerkschaft - notwendiger denn je

Immerhin ist hier etwas in Bewegung gekommen. Vor allem durch Organisationsbemühungen der IG Metall in den vergangenen Jahren konnten in vielen Unternehmen Betriebsräte gewählt werden - häufig auch gegen den Widerstand der Geschäftsleitungen. Bei Bosch Solar Energy und der Freiburger Solar-Fabrik konnte eine Tarifbindung hergestellt werden. Mittlerweile verzeichnet die IG Metall circa 2 000 Mitglieder in der Branche, der Organisationsgrad der Belegschaften steigt. Das ist ein Anfang. Denn in der aktuellen Krise brauchen die Beschäftigten eine starke Gewerkschaft mehr denn je.

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