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Solarbranche unter wirtschaftlichem Druck

Solarbranche unter wirtschaftlichem Druck

Solar - Wachstumsmarkt mit Potential

02.04.2013 Ι Einst Hoffnungsträgerin bei der Energiewende, nun Sorgenkind - die Solarbranche leidet unter wirtschaftlichen Problemen. Mit Bosch Solar gibt einer der letzten Hersteller in Deutschland auf. Weltweit werden zu viele Module produziert. Die IG Metall fordert eine strategische Neuausrichtung der Branche, um Forschung und Entwicklung zu bündeln.

Die Energiewende ist eines der wichtigsten Zukunftsprojekte in Deutschland. Sie bedeutet eine Abkehr von der gefährlichen Atomenergie und den Energiequellen Kohle und Öl, die massiv die Umwelt belasten. Sonne und Wind tragen mit dazu bei, dass diese Abkehr gelingt und Deutschland unabhängiger von konventioneller Energie wird. Doch einfach umschalten, das geht nicht. Damit der Umstellungsprozess auch gut funktioniert, müssen die Energiebetreiber nach und nach mehr Strom durch Sonne, Wind und Wasser erzeugen.


Die Energiewende wird gerne mit einem Marathonlauf verglichen. Von den insgesamt 42 Kilometern sind jedoch erst die ersten Meter geschafft und schon jetzt macht mit der Photovoltaik ein erster wichtiger Energielieferant schlapp.


Hürden für Solar

Die Solarindustrie steckt in einer massiven Absatzkrise. Nach einer stürmischen Aufwärtsentwicklung ist das Pendel seit 2011 in die andere Richtung ausgeschlagen. Riesige Überkapazitäten, Preisverfall der Solarzellen und -module und eine verschärfte internationale Konkurrenz sowie eine unklare Förderpolitik sind die Barrieren für den Fortbestand der Solarbranche in Deutschland.


Wachstumsmarkt mit enormem Potential

Gewinne bringt das Geschäftsfeld Solar den Firmen zur Zeit nicht. Trotzdem fordert die IG Metall, mehr Ausdauer bei der Produktion von Solarmodulen. Sie kritisiert daher den Ausstieg der Robert Bosch GmbH aus der Solartechnik: "Wer jetzt aufgibt, verabschiedet sich auf Dauer von einer Zukunftstechnologie und schadet damit dem Industrie- und Hochtechnologiestandort Deutschland", sagt Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall. Die Unternehmen sollten sich nicht ausschließlich an der Gewinnmarge orientieren, sondern im Blick behalten, dass die Energiewende auch zu mehr Beschäftigung in Europa und Deutschland führen kann.


Notwendig sind faire Wettbewerbsbedingungen und eine ausreichende strategisch und nachhaltig ausgerichtete industriepolitische Flankierung, beispielsweise die Schaffung eines deutschen Industrieclusters Photovoltaik. So könnte Forschung und Entwicklung gebündelt werden. Zudem könnten Local-Content-Regelungen für einen fairen Wettbewerb sorgen. Diese Regelungen schreiben vor, dass ein bestimmter Anteil der Zuliefererteile im eigenen Land gefertigt werden muss.


Doch in der Solarindustrie haben es die chinesischen Billiganbieter in kürzester Zeit geschafft, die deutschen Hersteller massiv unter Druck zu setzen. Um international Marktanteile zu gewinnen, bietet die Konkurrenz aus China ihre Module sogar noch unter den Herstellungskosten an.


Produktion in Europa halten

Damit Deutschland keine Anteile an dem Zukunftsmarkt Solar verschenkt, ist die Erhaltung der Produktion von Photovoltaikanlagen hierzulande und in Europa notwendig. Ein Produktionsausstieg der Europäer hilft dagegen der Konkurrenz in China. Sie würden dann das ernten, was deutsche Ingenieure entwickelt haben.  

Die deutsche Photovoltaik-Industrie hat lange Zeit international einen technologischen Spitzenplatz eingenommen. Diesen Vorteil sollte die Branche nicht vorschnell aufgeben. Doch damit sie zum Modell für fortschrittliches Wirtschaften wird, müssen die Interessen der Beschäftigten in die langfristigen Strategien der Unternehmen und der Branchenentwicklung einbezogen werden. Dazu gehören Tarifverträge, Mitbestimmung und eine permanente Qualifizierung der Arbeitnehmer. So kann die Solarbranche ihre Innovations- und Zukunftsfähigkeit auf einer stabilen Grundlage ausbauen.

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