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Siemens: Protest gegen Stellenabbau

Lautstarker Protest vor Siemens-Konzernzentrale

28.04.2010 Ι Siemens plant deutschlandweit rund 6200 Stellen abzubauen. Dagegen haben am 28. April 2010 rund 3500 Siemens-Mitarbeiter vor der Münchner Konzernzentrale demonstriert. Und zwar mit einem lautstarken Pfeifkonzert.

Beim bundesweiten Aktionstag gegen den Personalabbau und statt dessen für ein Zukunftskonzept beteiligten sich Hunderte von Mitarbeitern des Konzerns.

Lautstarke Proteste in München
Hunderte Siemens-Mitarbeiter haben vor der Konzernzentrale in der Münchner Innenstadt gegen den geplanten Stellenabbau bei dem Elektrokonzern demonstriert. Begleitet von einem lautstarken Pfeifkonzert forderten sie die Konzernspitze auf, die Pläne zu überdenken und die Folgen für die betroffenen Standorte zu berücksichtigen. Siemens hatte in den vergangenen Monaten die Streichung von insgesamt rund 6200 Arbeitsplätzen verkündet, davon etwa 4000 in Deutschland. Besonders betroffen ist das unterfränkische Bad Neustadt, wo Siemens Standard- Niederspannungsmotoren kleiner Leistung fertigt. Dort war der Abbau von 840 Jobs vorgesehen.

Proteste gegen den von Siemens geplanten Stellenabbau in München.

Der bayerische IG Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer. kritisierte das Vorgehen des Siemens-Managements: "Beschäftigte sind nicht nur Produktionsfaktoren, sondern Menschen." Gegen Expansion im Ausland an sich hat Neugebauer grundsätzlich ebenso wenig einzuwenden, wie gegen die erwartete Korrektur der Gewinnprognose auf über 7,5 Milliarden Euro, aber: "Das Management bei Siemens und anderswo muss vor dem Beschluss einer Verlagerung erst einmal sagen, wo der Ersatz her kommt, welche Technologie, was für Produkte."


Über 3500 Siemens-Mitarbeiter demonstrierten gegen die Unternehmensstrategie.

IT-Dienstleister SIS zeigt Flagge in Berlin
Bundesweit sollen 7500 Beschäftigte ausgegliedert und in eigenens Unternehmen, die New SIS überführt werden. Am Standort Berlin arbeiten bisher 420 hoch qualifizierte Beschäftigte. Hier sind bis zu 130 Arbeitsplätze direkt gefährdet. Betriebsratsvorsitzender Burkhard Schaper kritisiert das Vorgehen des Managements: "Bisher konnte uns niemand aus dem Management erläutern, woher die Beschäftigten der "New SIS" das Vertrauen in eine solide Geschäftsplanung und einem verantwortungsvollen Umgang mit den Mitarbeitern nehmen sollen."
"Vorgestellt wurde bisher vor allem eine Strategie zur Anpassung der Belegschaft an den rückläufigen Umsätzen - das ist kein von uns eingefordertes Zukunftskonzept. Das Management sollte sich darauf konzentrieren, Kunden zu gewinnen, anstatt Personal abzubauen und die Mitarbeiter mit dauernden Restrukturierungen zu demotivieren", bestätigte Irene Schulz, zuständige Sekretärin der IG Metall Berlin.

Die Abbau-Strategie von Siemens
Der Siemens-Konzern hat in den vergangenen Jahren seine Beschäftigtenzahl in Deutschland von 180 000 Ende der neunziger Jahre auf heute unter 130 000 reduziert. Diese Entwicklung setzt sich durch eine Reihe strategischer Ansätze unvermindert fort. Durch die so genannte "aktive Portfoliopolitik" verkleinert Siemens zugunsten der margenstärksten Bereiche seine breite Basis, obwohl sich diese gerade in der Krise als erheblicher Vorteil erwiesen hat. Die Fokussierung auf die sogenannten BRIC*-Staaten entzieht Deutschland zunehmend vollständige Wertschöpfungsketten. Dass dort besonders technologisch weniger anspruchsvolle "SMART"-Produkte vermarktet werden sollen, gefährdet mittelfristig darüber hinaus das hohe Innovationspotenzial, das die Stärke von Siemens ausmacht.
Beschäftigungspolitisch wirkt sich diese Orientierung in Deutschland verheerend aus. Allein in den Bereichen Siemens Industry und Siemens IT Solutions and Services stellen aktuelle Pläne derzeit rund 12 000 Arbeitsplätze in der Siemens AG zur Disposition.

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