Bericht aus Geschäftsstelle BerlinFür den Berliner MAN-Standort ist die im August zwischen Geschäftsführung, VW, Betriebsräten und IG Metall verhandelte Restrukturierung des Konzerns wohl die letzte Chance.
Für den Berliner MAN-Standort ist die im August zwischen Geschäftsführung, VW, Betriebsräten und IG Metall verhandelte Restrukturierung des Konzerns wohl die letzte Chance. Deshalb müssen die Eckpunkte konsequent umgesetzt werden, muss MAN Energy Solutions in die Geschäftsfelder mit Zukunft investieren. Das hatte das Management bei der Restrukturierung 2016/2017 versäumt. Dafür bezahlt Berlin einen hohen Preis. Zwar ist der Standort vorerst gerettet, aber 151 von 429 Arbeitsplätzen gehen verloren.
„Betriebsrätinnen und Betriebsräte an allen Standorten haben 2016/17 regelmäßig vor Fehlentscheidungen gewarnt. Unsere Warnungen versandeten jedoch auf dem Weg zur Vorstandsebene“, kritisiert der Betriebsratsvorsitzende René Marx. Um dieses institutionalisierte Aussieben unbequemer Wahrheiten entlang der Managementebenen zu verhindern, haben Betriebsräte und IG Metall in den Verhandlungen erreicht, dass ihnen nun Gehör geschenkt wird. „Wenn etwas schiefläuft, können Betriebsräte die Überholspur nehmen und das Transformationsbüro oder den Vorstand direkt informieren“, sagt Birgit Dietze, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin.
Das ist ein großer Schritt, zwingt den Betriebsrat aber dazu, Zahlen, Daten und Fakten einzufordern und zu überprüfen. Das ist nicht allein ihre Kernaufgabe, doch die Transformation muss schnell positive Ergebnisse einspielen. „Das Management sollte Betriebsrätinnen und Betriebsräten mehr zuhören“, fordert Birgit Dietze. Die Arbeitnehmerseite hat einen großen Vorteil: „Wir erfahren es ungefiltert und brühwarm, wenn Ideen der Manager nicht funktionieren oder zu teuer sind“, weiß René Marx. Jetzt können und müssen sie diese manchmal unbequemen Wahrheiten dem Vorstand direkt und heiß servieren, um die Zukunft aller MAN-Standorte zu sichern.
Die Restrukturierung beginnt im November. Bis dahin verhandeln Betriebsräte und IG Metall mit der Geschäftsführung einen Sozialplan und Interessenausgleich. Darin wird es vor allem darum gehen, wie die Beschäftigten die vereinbarten finanziellen Zugeständnisse leisten und wie die Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut werden können. Zusätzlich muss festgeschrieben werden, wie zukünftig die Produkte reibungslos das Unternehmen durchlaufen. „Wir dürfen auf keinen Fall unser Spezialwissen und die vielen Leistungsträgerinnen und -träger verlieren und wollen gleichzeitig einen sozial verträglichen Personalabbau. Das wird gerade in Berlin ein komplizierter Spagat“, sagt René Marx.
Gelingt dieser, hat das künftige Kompetenzzentrum für Getriebe und Getriebe-Kompressoren mit seinen innovativen und für die Klimaziele wichtigen Technologien ein Fenster in die Zukunft.
Fotos: Christian von Polentz/transitfoto.de Schon 2016/17 haben Beschäftigte Managementfehler kritisiert.
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