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Tankgutschein statt Tarifvertrag

Mit ein paar Litern Benzin und jeder Menge Druck will ein Autohaus seine Beschäftigten plötzlich aus der Tarifbindung drängen. Dahinter: ein schmutziges Geschäft von Anwälten.


Nur wieder einen neuen Tarifvertrag. Das ist alles, was sie wollen. Doch auf das gute Recht reagiert ihr Arbeitgeber ungewöhnlich rabiat. Drohungen bis an den Rand der Nötigung und massiver Druck auf die Beschäftigten: Bei Auto Scholz in Bamberg, Bayreuth/Pegnitz und Kulmbach hat der Arbeitgeber ein Klima der Angst geschaffen.

Die Wende kommt bei der Verhandlung um einen neuen Haustarifvertrag Ende April: „Plötzlich hat der Arbeitgeber sein Angebot zurückgezogen und erklärt, gar keinen Tarifvertrag mehr zu wollen“, sagt Gewerkschafter Benjamin Oster.

Die Überraschung kommt scheinbar aus dem Nichts: Seit über zehn Jahren sind Unternehmen und Beschäftigte einen Haustarifvertrag gewohnt. Der das Autohaus auch durch wirtschaftlich schwere Zeiten führte, wofür die Beschäftigten drei Stunden die Woche sogar mehr als ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Unternehmen arbeiteten.

Seit zwei Jahren schreibt die Firma dem Vernehmen nach sogar gute Gewinne. Doch den Beitrag der Beschäftigten für die Sanierung will das Unternehmen nicht mehr zählen lassen. Im Gegenteil: Der Auto-Scholz-Chef stellt den Tarifvertrag als „Klotz am Bein“ dar. Und deshalb sollen die Beschäftigten jetzt Individualverträge unterschreiben und damit künftig einzeln für bessere Arbeitsbedingungen betteln.

Zunächst probiert es das Unternehmen noch mit Zuckerbrot: Tankgutscheine über 44 Euro bietet es denjenigen an, die auf ihr Recht auf Warnstreik verzichten. Auch mit 1,5 Prozent mehr Lohn für dieses Jahr versucht Auto Scholz zu locken, wenn Beschäftigte Einzelverträge unterschreiben.

Doch gleich darauf peitscht Auto Scholz mit schärferen Methoden: „Plötzlich ging es an die Existenzgrundlage der Menschen“, erzählt Oster. Den Beschäftigten im Lackierzentrum droht das Unternehmen sogar mit Aussperrung. Betriebsräte berichten von Brüllattacken Vorgesetzter („Ich habe Sie nicht eingeladen!“). Und wer seine Schlechterstellung nicht unterschreiben will, muss ein dickes Fell haben: „Ich erwarte nächste Woche Ihre Eigenkündigung“, berichten Beschäftigte schockiert.

Verunsicherung, Aktionen am Rand der Legalität und auch darüber hinaus: Das ist das Geschäft von sogenannten Union-Busting-Anwälten. Nach Informationen der IG Metall hat sich auch Auto Scholz bereits vor Jahren eine solche Kanzlei ins Haus geholt. „Wege aus der Tarifabhängigkeit hin zu mehr unternehmerischer Gestaltungsfreiheit“, wirbt die Kanzlei zynisch auf ihrer Website für sich.

Bambergs Erster IG Metall-Bevollmächtigter Matthias Gebhardt ist dagegen entschlossen: „Durch Nötigung entstandene neue Arbeitsverträge sind bei Abschluss eines neuen Tarifvertrags nichtig.“ Geschädigten Mitgliedern gewährt die IG Metall umfänglichen Rechtsschutz – und kämpft weiter für das Recht auf einen Tarifvertrag.

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Protest auf der Straße Am 16. Juli zogen die Warnstreikenden durch Bamberg
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Fotos: IG Metall Bamberg
Unter keinem guten Stern standen plötzlich die Tarifverhandlungen bei Auto Scholz in Bamberg. Drohungen und Nötigung kamen auf die Tagesordnung.
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