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Zitzelsberger: „Unser Ziel für den Herbst: Beschäftigung sichern“

Bericht aus Bezirk Baden-WürttembergDie Coronakrise hat den wirtschaftlichen Strukturwandel in Baden-Württemberg beschleunigt. Was auf die Menschen zukommt, erklärt Bezirksleiter Roman Zitzelsberger im Interview.


Roman, wie bewertest Du die Coronakrise aus Sicht der IG Metall?

Roman Zitzelsberger: Die Coronakrise hat uns alle sehr geprägt. Sie hat unsere Arbeit verändert und sie wird sie in den nächsten Monaten weiter verändern.

Was meinst Du damit?

Zitzelsberger: Corona hat beispielsweise die Digitalisierung beschleunigt. Auch in unserer Organisation, und das ist gut so. Aber die Coronakrise hat sich leider wie ein Brennglas auf die Schwächen der Wirtschaft gelegt. Bereits vor der Coronakrise hatten viele Unternehmen rund um die Automobilindustrie Probleme. Der Absatz von Fahrzeugen war zwischen 2017 und 2019 um fast 10 Prozent eingebrochen. Die Märkte dümpelten vor sich hin. Zum Teil war dies hausgemacht, weil zu wenig in die Transformation investiert wurde. Zum Teil war die Industrie von der Dieselkrise und den verunsicherten Weltmärkten getrieben. Zulieferer, Maschinenbauer und die Automobilhersteller hatten bereits im Herbst 2019 Sparprogramme angekündigt. Aber im vergangenen Jahr glaubte die Wirtschaft noch daran, dass es sich nur um eine vorübergehende Nachfragedelle handelt. Mit der Coronakrise ist für die Wirtschaft ein hoher, vermutlich lang anhaltender Unsicherheitsfaktor dazugekommen. Und Unsicherheit ist Gift für die Konjunktur.

Wo stehen wir in diesem Herbst?

Zitzelsberger: Aufgrund der schlechten Nachfrage nach Fahrzeugen haben rund 80 Prozent der Betriebe in Baden-Württemberg Probleme. Es gibt zu viele Kapazitäten. Derzeit gibt es fast keinen Tag ohne Schreckensmeldungen. Viele Unternehmen kündigen Sparprogramme an. Standortschließungen, Verlagerung von Produkten ins Ausland, Personalabbau. Und es gibt keine Anzeichen, dass sich der Absatz von Fahrzeugen kurzfristig verbessern wird.

Welche Antwort hat die IG Metall Baden-Württemberg auf diese Krise?

Zitzelsberger: Wir werden ganz sicher nicht wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen. Wir haben vor einigen Monaten die Kampagne „Solidarität gewinnt!“ ins Leben gerufen. Die Beschäftigten wollen sichere Einkommen und Arbeitsplätze. Und dafür sind sie bereit zu kämpfen, das zeigt unsere Kampagne jetzt schon.

Warum sagst Du „jetzt schon“?

Zitzelsberger: Na ja, wir bereiten uns auf einen heißen Herbst vor. Zum einen werden wir die Sparprogramme vieler Unternehmen nicht einfach so hinnehmen. Und zum anderen stehen ab Herbst und Frühjahr 2021 etliche Tarifrunden an. Darunter auch die Metall- und Elektroindustrie, unsere größte Branche.

Was haben die Beschäftigten gemeinsam mit der IG Metall denn bereits erreicht?

Zitzelsberger: Wir haben in einigen kleinen und großen Unternehmen bereits gute Vereinbarungen getroffen, die Beschäftigung sichern und die Transformation vorantreiben – im Sinne der Beschäftigten. Beispielsweise bei Schaeffler in Bühl, wo mit unserer Unterstützung der Bau von Elektromotoren vereinbart wurde. Und auch auf der politischen Bühne haben wir einiges erreicht: Beispielsweise wird das Kurzarbeitergeld verlängert. Wir haben den erleichterten Zugang gesichert und die Steuererleichterung gilt weiter. Außerdem haben wir Anreize für Qualifizierung gesetzt. Das sind gute Schritte und an dieser Stelle werden wir die Politik nicht aus der Pflicht lassen.

Was hältst Du von der Vier-Tage-Woche?

Zitzelsberger: Diese Idee von unserem Vorsitzenden Jörg Hofmann liegt mir sehr am Herzen. Ich bin auch der Meinung, dass die Vier-Tage-Woche eine Antwort wäre, um Industriejobs zu halten. Aber es geht dabei um mehr als um Arbeitsplatzsicherheit.

Wie geht‘s denn mit dieser Idee in diesem Herbst weiter?

Zitzelsberger: Wir haben Gremien, die solche Vorschläge diskutieren und dem Vorstand der IG Metall Empfehlungen geben. Unsere Betriebsratsgremien, Ortsvorstände, aber vor allem unsere Große Tarifkommission.

Was ist für Dich gerade die große Herausforderung?

Zitzelsberger: Drei Dinge: Beschäftigung sichern, Beschäftigung sichern, Beschäftigung sichern. Und das können wir nur, wenn auch wir als IG Metall uns weiterentwickeln und verändern. Dafür stehe ich. Und dazu leistet auch die Kampagne „Solidarität gewinnt!“ ihren Beitrag, denn mit unseren Aktionen zeigen wir, wie stark wir sind. Nur eine starke, große Gemeinschaft ist handlungsfähig. Dabei zählt jede und jeder einzelne von uns. Gerade diesen Herbst kommt es darauf an, dass möglichst viele Beschäftigte bei unseren Aktionen mitmachen, sich engagieren und falls noch nicht geschehen, Mitglied werden. Wir werden nicht nur symbolisch ein Band der Solidarität um unsere Betriebe legen.
Bleibe auf dem Laufenden

Der Redaktionsschluss dieser Ausgabe war bereits Mitte September. Aktuelle Infos zur Funktionsärskonferenz und den anstehenden Tarifrunden findest Du hier: bw.igm.de
facebook.com/igmetallbawue

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Foto: IGM
Vor Ort im Betrieb: Bezirksleiter Roman Zitzelsberger diesen Sommer im Gespräch mit Betriebsräten und Vertrauensleuten beim Zulieferer ZF in Friedrichshafen
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