Bericht aus Bezirk MitteSeit Monaten hat uns die Pandemie im Griff. Homeoffice und Kinderbetreuung, Kurzarbeit und Entgelteinbußen betreffen eine Vielzahl der Beschäftigten.
Während die Politik um Schadensbegrenzung bemüht ist und die IG Metall mit der 4-Tage-Woche oder einem Beteiligungsfonds für die Zuliefererindustrie Vorschläge zur Krisenbewältigung und Beschäftigungssicherung macht, kommt von den Arbeitgebern nichts. Im Gegenteil, eine zunehmende Zahl von Unternehmen surft auf der Corona-Welle und nutzt die Gunst der Stunde, um Arbeitsplätze abzubauen. Darüber und über geeignete Antworten diskutierten Metallerinnen und Metaller auf der Funktionärskonferenz in Offenbach am 16. September.
Unter der Überschrift „Solidarisch in die Offensive – wenn wir zusammenhalten, ist alles möglich“ hatte die IG Metall zur Funktionärskonferenz nach Offenbach eingeladen. Um möglichst viele Betriebsräte, Vertrauensleute, Metallerinnen und Metaller zu erreichen, war die Konferenz frühzeitig als Hybridveranstaltung geplant: Ein Teil nahm über Zoom an der Veranstaltung teil, und 250 Metallerinnen und Metaller debattierten vor Ort in Offenbach in der Halle des ehemaligen Metallbetriebs Fredenhagen über die Herausforderungen der nächsten Monate.
Jörg Köhlinger, Leiter des IG Metall-Bezirks Mitte, kritisierte die Arbeitgeber aufs Schärfste. Auch wenn sich die IG Metall gegenüber der Politik nicht mit allen Vorschlägen zur Bewältigung der Krise durchsetzen konnte, ließe sich nicht bestreiten, dass die Regierungskoalition in Berlin derzeit eine Menge tue, um Beschäftigung abzusichern und drohende Insolvenzen zu vermeiden. Nur den Arbeitgebern falle so gar nichts Neues ein.
„Die Arbeitgeber, wie beispielsweise Continental, Norma, Kamax, Scheffler oder Adient, stehen am Spielfeldrand, haben keine Ideen, maulen und lamentieren über Steuersenkungen und den teuren Sozialstaat. Dabei ignorieren sie, dass der industrielle Sektor die Basis unseres Gesundheitssystems ist.“ Noch schlimmer sei es, dass sie die Transformation verpennt hätten und jetzt reflexartig jeden Vorschlag der IG Metall zurückwiesen.
Schlägt die IG Metall die 4-Tage-Woche mit einem Teillohnausgleich zur Beschäftigungssicherung vor, heißt es nein. Schlägt die IG Metall vor, einen Fonds für die Zulieferindustrie zu schaffen, heißt es nein. Offensichtlich wollen die Arbeitgeber die Konfrontation. Eine Konfrontation, die sich zuspitzt, Conti und Norma sind nur zwei Beispiele dafür. Die Metallerinnen und Metaller werden sich zu wehren wissen und in der anstehenden Tarifrunde für gute Arbeits- und Leistungsbedingungen streiten. „Wer am Spielfeldrand steht und nichts tut, will nicht solidarisch aus der Krise kommen, sondern Streit“, kritisiert Köhlinger.
Im Rahmen einer Aktionswoche hatten mehr als 2000 Conti- und Vitesco-Beschäftigte im Bezirk gegen den geplanten Arbeitsplatzabbau in Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz protestiert.
Fotos: Martin Sehmisch 250 Metallerinnen und Metaller aus allen Geschäftsstellen des Bezirks debattieren gemeinsam über die Herausforderungen der kommenden Monate.
Foto: Martin Sehmisch Beschäftigte von Norma aus Maintal und Gerbershausen hatten unmittelbar vor der Konferenz ein weiteres Mal gegen den Kahlschlag an den Standorten des Automobilzulieferers demonstriert. An dem Warnstreik vor der Veranstaltungshalle nahmen mehr als 300 Kolleginnen und Kollegen teil. Ein Delegation von Conti in Karben unterstützte die Norma-Beschäftigten.
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