Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Lagerhalle an der Dieselstrasse in Neuss. Der Einladung des Betriebsrats zur Betriebsversammlung folgten neben den 191 betroffenen Kolleginnen und Kollegen auch die übrigen knapp 200 Beschäftigten – aufgrund der Corona-Situation – per Video-Konferenz. Sie alle wollten hören, was die Geschäftsleitung zur geplanten Teilbetriebsschließung zu sagen hat.
Verlagerung
Der Honeywell-Konzern, zu dem Novar in Neuss gehört, will sowohl die Fertigung als auch den Logistikbereich zum Ende des nächsten Jahres schließen. Auch die fünf Beschäftigten des Forschungs- und Entwicklungsteams für Configuration Tools sind betroffen. Während die Fertigung zukünftig in Rumänien ihren Platz haben und die Logistik von einem Fremdunternehmen erbracht werden soll, geht ihre Arbeit nach Indien.
Großes Unverständnis
Bereits Ende Juli waren die Beschäftigten von der Geschäftsführung über die Teilschließung in Kenntnis gesetzt worden. Die Entscheidung erfolgt nicht etwa aus einer finanziellen Schieflage heraus. Der Bereich Commercial Fire, dessen Zentrale in Neuss ihren Sitz hat, ist in der Branche Weltmarktführer und eine Perle des Konzerns, der hochprofitabel arbeitet, obwohl seit langem kein Cent in die Modernisierung der Anlagen gesteckt wird und Novar seit Jahren komplett für die Verluste eines stark defizitären Tochterunternehmens aufkommt.
Die Konzernspitze erhofft sich von der Verlagerung der Fertigung nach Lugoj, wo bereits eine weitere Produktionsstätte ist, noch mehr Profit. Dabei ist bereits jetzt klar, dass in den ersten vier Jahren aufgrund der hohen Investitionskosten keinerlei Gewinn erzielt werden kann.
Keine neuen Antworten
Die Logistik soll zukünftig von einem fremden Dienstleister erbracht werden. Die Geschäftsführung, die nur mit einem von drei Verantwortlichen anwesend war, machte dabei deutlich, dass die betroffenen Kolleginnen und Kollegen beim geplanten Outsourcing nicht per Betriebsübergang zum neuen Logistikunternehmen übergehen werden. Die Frage, ob man sich beim neuen Unternehmen bewerben könne, und die Bitte, deswegen rechtzeitig den Namen des Erwerbers erfahren zu dürfen, blieb unbeantwortet. Der Geschäftsführer betonte zwar, dass er die Entscheidung des Konzerns bedauere und er sich für den Erhalt eingesetzt habe, die Nachfragen und Kommentare aus der Belegschaft machten jedoch deutlich, dass man die Vehemenz dieses Einsatzes in Zweifel zog.
Kampfgeist erwacht
Die zuständige Gewerkschaftssekretärin Ulrike Saaber forderte die gesamte Belegschaft auf, diese riskante und nicht nachvollziehbare Entscheidung nicht stillschweigend hinzunehmen, sondern sich gemeinsam für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze einzusetzen. Wenn die Geschäftsführung hier schon nicht mit Nachdruck tätig geworden sei, sei es nun an der Zeit, Honeywell über gemeinsame Aktionen an seine soziale Verantwortung zu erinnern. Die angekündigte Teilschließung der „Cash Cow“ sei riskant für Novar und unverantwortlich gegenüber den Beschäftigten, auch wenn es wahrscheinlich gute Abfindungen geben werde. Saaber erklärte den Anwesenden, dass eine Abfindung für rentennahe Jahrgänge eine gute Alternative sein mag. Für alle anderen – der Altersdurchschnitt im Betrieb liegt immerhin bei 52 Jahren – kann Geld die Nachteile aber gar nicht aufwiegen. Sie machte außerdem deutlich, dass die Konzernentscheidung mittelfristig auch zu Lasten derer gehen kann, die aktuell nicht betroffen sind. Denn: Was ist ein Standort noch wert, an dem es keine Fertigung mehr gibt?
Auch der Betriebsratsvorsitzende Stephan Strang betonte, dass sein Gremium gemeinsam mit der IG Metall alles tun werde, die Verlagerung und Ausgliederung so schwer wie möglich zu machen. Dazu gehöre auch die Entwicklung eines Alternativkonzepts, um die Teilschließung zu verhindern. Er machte aber auch klar, dass sie für dieses Vorhaben alle Beschäftigten brauchen und jetzt alle aktiv zusammenarbeiten müssen. Er rief deshalb abschließend die Anwesenden noch einmal dazu auf, zusammenzustehen, und zwar alle – nicht nur die Betroffenen. Außerdem forderte er die Kollegen auf, den Betriebsrat mit konkreten Verbesserungsvorschlägen zu unterstützen und sich für Aktionen bereitzuhalten.
Foto: IG Metall Beschäftigte und Betriebsrat geben nicht kampflos auf.
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