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Die Menge hupt

Bericht aus Bezirk Nordrhein-WestfalenDie IG Metall bedankt sich bei ihren Aktiven für deren Engagement während der Pandemie – sie lädt sie bei drei Veranstaltungen zu Konferenz und Konzert ins Autokino ein.


„Wir fahren zu einem Konzert“, sagt Andrea Quade, schnappt sich einen alten Freund und Arbeitskollegen, der gerade bei ihr zu Besuch weilt, setzt sich in ihr Cabrio und kurvt es auf einen Parkplatz in Mönchengladbach. Jetzt sitzen sie dort, mit offenem Verdeck, stoßen miteinander an und warten aufs Programm. „Ich habe mich tierisch gefreut über die Einladung“, sagt Andrea, engagierte Metallerin und Betriebsrätin in der Mercedes-Benz-Niederlassung in Düsseldorf „Sieht man doch, oder?“, lacht sie und strahlt.

Nach den Corona-Monaten endlich mal wieder eine Veranstaltung – mit ein wenig Kultur, das tut gut. Joris würde spielen, später. Erst haben die Metallerinnen und Metaller noch etwas zu besprechen, die Lage in den Betrieben zum Beispiel. Es waren harte Monate für sie und ihre Kolleginnen und Kollegen, sagt auch Andrea, die Betriebsrätin. Kurzarbeit, der Verkauf in der Niederlassung war zeitweise geschlossen. Mittlerweile geht es aufwärts. „Die Leute sind froh, dass es wieder läuft.“

Ein Dankeschön sollte diese Misch-Veranstaltung – halb Konferenz, halb Konzert – sein. Diese in Mönchengladbach und noch zwei weitere in Bielefeld und in Dortmund, jeweils im Autokino-Format. Die IG Metall NRW hatte diese Dankeschön-Tour auf die Beine gestellt und all jene eingeladen, die in den vergangenen Monaten so viel geleistet haben. Die sich für ihre Kolleginnen und Kollegen eingesetzt haben. Es ist ein Dankeschön an Betriebsräte, Vertrauensleute, andere Aktive der IG Metall. Und eine Möglichkeit, sich endlich mal wieder zu treffen. Schließlich ist es das, was uns allen so fehlt: der Austausch.

Auf der Bühne steht Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall, im Interview mit Moderatorin Katja Leistenschneider. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hören ihn aus ihren Autoradios. „Ich bin stolz, dass es Corona nicht schafft, dass wir uns nicht treffen“, sagt er und erntet lautes Hupen.

Es nervt aber auch, dieses Virus. Man kann sich nicht treffen oder jedenfalls nur eingeschränkt. Für alle ist das ein Problem, aber für eine Gewerkschaft erst recht. Schließlich lebt Gewerkschaft von Gemeinschaft. Auch wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wegen der Hygiene-Regeln im Auto bleiben müssen: Wenigstens mal wieder unter seinesgleichen sein, ein paar Dinge bereden, darum geht es. Auch wenn es keine riesigen Massenveranstaltungen werden können: Immerhin kommen rund 300 Autos pro Autokino-Veranstaltung, jeweils rund 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, viele haben ihre Kinder mitgebracht. Macht in der Summe rund 3000. Gewerkschaft lebt, auch in Zeiten der Pandemie, auch unter erschwerten Bedingungen. Und am Eingang gibt es Popcorn für alle.

Auf der Bühne laufen Videos von Betriebsräten, sie berichten über ihre Erfahrungen, über Corona-Probleme, darüber, was jetzt zu tun ist. „Wir lassen nicht zu, dass Corona zu billigen Mitnahmeeffekten führt “, sagt Knut Giesler. Manche Arbeitgeber wollen die Pandemie nutzen, um Tarife anzugreifen oder Personal abzubauen. „Nicht mit uns“, sagt Giesler, „nicht mit der IG Metall.“ Lautes Hupkonzert.


Corona bietet auch Chancen

„Die Pandemie hat bewiesen, wie verletzlich unsere Wertschöpfungsketten sind“, sagt Knut Giesler. „Wir haben die Chance, Wertschöpfung nach Deutschland zurückzuholen.“ Wenn die Arbeitgeber die Chance nicht verschlafen. Denn das ist dann der nächste Skandal: Wegen der Pandemie fahren sie ihre Ausbildung zurück. „Wer so etwas tut, macht sich den Facharbeitermangel von morgen selber“, sagt Knut Giesler. Besonders lautes Hupen.

Corona, das wird auf den Veranstaltungen klar, wirft Fragen auf. Fragen der Steuergerechtigkeit. Oder nach gerechter Verteilung von Arbeit, etwa über eine Vier-Tage-Woche. Es liegt einiges vor uns, betont Giesler. Deshalb: „Gewerkschaft muss stark bleiben.“

Jetzt kommt die Kultur. Joris, der sympathische Sänger leiser Töne, tritt auf. Die Autoradios werden lauter gestellt. Auch er hat eine Botschaft: „Es ist eine schwierige Zeit für uns alle“, sagt er. „Wir müssen da gemeinsam durch.“ Joris singt „Glück auf“, sein Kopfhoch-Song mit dem Titel des alten Liedes der Arbeiterbewegung. Das passt. Die Menge hupt.

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„Ich habe mich tierisch gefreut über die Einladung“, sagt Betriebsrätin Andrea Quade in ihrem Cabrio in Mönchengladbach (links). Applaudiert wurde per Klopfen aufs Dach (Bielefeld, Bild unten). Rund 300 Autos kamen je Veranstaltung (Luftbild in Dortmund, ganz rechts). „Gewerkschaft muss stark bleiben“, sagt Bezirksleiter Knut Giesler auf der Bühne (oben). Dann rockt Joris.
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