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Rauswurf trotz Rekord-Rendite

2018 hat der Werkzeughersteller Kennametal einen sagenhaften Gewinn eingefahren. Jetzt entscheidet das US-Management: Drei deutsche Standorte sollen sterben. Ein brutaler Blick auf die Beschäftigten.


„Die Maßnahmen sind schmerzhaft, aber notwendig, um den Wert für die Aktionäre weiter zu steigern.“ Als die Kennametal-Beschäftigten das von ihrem Boss Christopher Rossi lesen müssen, verstehen sie die Welt nicht mehr. Drei Standorte will das Unternehmen plötzlich dicht machen – obwohl die Zahlen prima sind.


Angst überall

Über 600 Beschäftigte stehen jetzt mit ihren Familien im fränkischen Lichtenau, in Essen und Neunkirchen im Saarland vor dem Aus. Und bei den restlichen 2200 Kennametallern an zehn weiteren Standorten regiert die Unsicherheit vor dem, was noch kommen mag. Sie alle haben mit dafür gesorgt, dass der Werkzeughersteller 2018 ein Rekordergebnis von 18 Prozent eingefahren hat. Doch das reicht dem US-Management jetzt nicht mehr.

Bizarr ist es nach der Nachricht gerade in Lichtenau: „Wir kommen mit der Arbeit nicht hinterher“, erzählt Betriebsrat Matthias Preis. Systematisch aber sorgt das Unternehmen dafür, dass immer weniger Aufträge angenommen werden. Leitlinie der US-Manager: Nur wenn sie 50 Prozent Marge erzielen. „Utopisch“, sagt Preis.


Widerstand

Ende August zogen deshalb über 400 Kennametal-Beschäftigte aus der ganzen Republik vor die Kennametal-Deutschland-Zentrale in Fürth. Ihre Forderung unter anderem: Dass die Manager in Deutschland auch etwas zu sagen haben. „Sie müssen mehr sein als überbezahlte Postboten des US-Managements“, verlangt Vize-Aufsichtsratschef Udo Fechtner.

Noch vor Verkündung der Schließung hatte sich Kennametal in Lichtenau mit der Demontage des Betriebs nach China versucht. Per einstweiliger Verfügung erwirkte die IG Metall, dass Maschinen vorerst hier blieben.

Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Johann Horn macht klar: „Wir sind entschlossen, uns einer Demontage bei Kennametal zu widersetzen.“ Die Beschäftigten verdienten Respekt und Zukunftskonzepte statt solcher Schläge ins Gesicht. Horn sagt: „Wir wollen dafür sorgen, dass sich dieser Raubtierkapitalismus die Zähne ausbeißt.“

Auch wenn dem Unternehmen die Betriebsmittel wie Maschinen gehören, darf es den Beschäftigten ihre Arbeitsmittel nicht einfach so wegnehmen und sie vor vollendete Tatsachen stellen. Der Betriebsrat hat grundsätzlich erst ein umfassendes Informationsrecht. Denn er muss feststellen können, ob der Arbeitgeber eine sogenannte Betriebsänderung plant. In diesem Fall greifen dann Mitbestimmungsrechte, um Näheres für die Kolleginnen und Kollegen regeln zu können. Kommt es zu Verhandlungen über einen Interessenausgleich, Sozialplan oder Sozialtarifvertrag, greift auch das Streikrecht.

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Fotos: IG Metall Bayern
Über 400 Beschäftigte aus der ganzen Republik demonstrierten am 28. August vor der Deutschland-Zentrale in Fürth.
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Kennametal in Lichtenau war einst Weltmarktführer in der Kurbelwellenbearbeitung. Betriebsrat Matthias Preis kämpft dort für über 130 Beschäftigte.
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