Ich bin verheiratet, habe drei Kinder. Ich habe den Beruf des Feinmechanikers gelernt und bin studierter Politologe. Seit Juli 2019 bin ich Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Freudenstadt.
Georg, Du bist vor über 25 Jahren in die Gewerkschaft eingetreten. Was hat Dich bewogen? Wie war das damals?
Die Erkenntnis zu wissen, auf welcher Seite man als Arbeitnehmer zu stehen hat. Zu damaliger Zeit war der Maschinenbau in der Krise. Es gab Befürchtungen, dass insbesondere der Maschinenbau nicht mit der japanischen Konkurrenz mithalten kann. Im Gedächtnis geblieben ist mir auch meine Teilnahme an einer Demonstration in Bonn. Es demonstrierten damals mehr als 350 000 Menschen gegen die unsoziale Sparpolitik der Bundesregierung.
Was war Dein persönliches gewerkschaftliches Highlight?
Mein persönliches Highlight war, gemeinsam mit Betriebsräten und Beschäftigten einen Betrieb in die Tarifbindung zu führen. Dabei war es besonders überwältigend, wie mit gemeinsamer Kraftanstrengung ein gerechtes Entgeltsystem geschaffen wird. Weg vom Nasenfaktor hin zu ERA.
Welche Themen möchtest Du als Zweiter Bevollmächtigter in Freudenstadt künftig angehen?
Wichtig ist für mich die Bildungsarbeit. Hier muss es gelingen, Betriebsräte, Vertrauensleute und Aktive für unsere gewerkschaftspolitischen Seminare zu begeistern. Unsere Gesellschaft lebt vom Mitgestalten und Mitgestalten kann nur, wer sich auskennt. Daher bieten wir gerade in diesem Bereich viele spannende Seminare an.
Wie sieht für Dich eine gute Zusammenarbeit zwischen IG Metall, Betriebsrat und Aktiven aus?
Gemeinsam mit unseren Aktiven und Vertrauensleuten müssen wir die Themen in den Betrieben aufgreifen und in Zusammenarbeit mit den Betriebsräten betrieblich umsetzen. Hierbei ist eine enge und offene Zusammenarbeit wichtig. Nur gemeinsam können wir Arbeitsbedingungen verbessern.
Welches Buch hast Du als letztes gelesen?
Das letzte Buch war „Die Letzte Blüte Roms. Das Zeitalter Justinians“. Neben Geschichte interessiere ich mich auch für Science Fiction. Mein Lieblingsautor ist in diesem Genre Isaac Asimov. Er schrieb seit den 40- er Jahren des letzten Jahrhunderts Science Fiction- Geschichten. Er spinnt in seinen Romanen die Möglichkeiten der technischen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung weiter. Er hat zum Beispiel die Robotergesetze entwickelt und das Wort Robotik erfunden. Er hat sich also schon recht früh mit wesentlichen Fragen der künstlichen Intelligenz und der Automatisierung beschäftigt.
Am liebsten hörst Du …
SWR 1
Was ist für Dich die größte Versuchung, gibt es etwas wozu Du nicht Nein sagen kannst?
Schokolade, Walnusseis …
Wie sieht Dein persönliches Entspannungsprogramm aus?
Wenn ich mit meiner Frau zusammen am Sonntag in unsere Sauna gehe.
Hast Du ein Lebensmotto?
Ja, es ist eher eine Einstellung. Um gewisse Ziele zu erreichen oder Probleme zu lösen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Deshalb höre ich gerne zu. Aber nicht jede Idee ist auch eine gute. Ich nenne es die 80-Prozent- Grenze. Wenn Vorschläge diese Grenze überschreiten, kann es nur ein klares Nein geben. Diese Grenze ist da, wo wir als Gewerkschaften keine Kompromisse eingehen können. Denn dann würden wir unsere Grundüberzeugung aufgeben. Ohne eine Grundüberzeugung kann man sich nicht für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensverhältnisse einsetzen.
Wenn Du im Lotto gewinnen würdest, was würdest Du tun?
Ich würde meinen Hauskredit begleichen und bei der IG Metall weiterarbeiten. Denn mir fällt nichts Erfüllenderes ein, als bei einer Gewerkschaft arbeiten zu können.
Und als letztes: Zwei Dinge, die wir noch nicht über Dich wissen …
Ich wandere gerne und liebe meine Familie.
Foto: IG Metall Georg Faigle zwischen Dorothee Diehm (Erste Bevollmächtigte) und Alexander Plaz, bisheriger Zweiter Bevollmächtigter
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