„Am Ende sollen alle sagen: Das war eine tolle Woche“

Bericht aus Bezirk Nordrhein-WestfalenKatharina von Hebel ist stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende beim Autohersteller Ford in Köln. Im Oktober wird sie den Gewerkschaftstag der IG Metall in Nürnberg als eines von sieben Präsidiumsmitgliedern leiten. Wir sprachen mit Katharina über ihre Aufgabe.

1. Oktober 20191. 10. 2019


Katharina, Du wirst im Oktober beim Gewerkschaftstag der IG Metall in Nürnberg im Präsidium sitzen. Was machst Du da?

So ein Gewerkschaftstag ist ja eine Mammut-Veranstaltung mit hunderten Delegierten aus ganz Deutschland, aus allen Branchen der großen IG Metall, und er geht über eine ganze Woche. Diese gewählten Kolleginnen und Kollegen legen die Politik unserer Gewerkschaft für die nächsten vier Jahre fest. Der Gewerkschaftstag ist eine Art Bundestag der IG Metall. Und wir als Präsidium sitzen vorne und leiten die gesamte Sitzung, erteilen das Wort, heißen Besucher willkommen und so weiter.


Du machst also einen ähnlichen Job wie eine Bundestagspräsidentin?

Ja, durchaus ähnlich. Wir müssen auf das Zeitmanagement achten, wir müssen Wortmeldungen berücksichtigen, wir müssen aber auch eine Diskussion einfangen können, wenn sie auszuufern droht. Mir ist ganz wichtig, dass wir auf die Stimmung im Saal achten, darauf, ob Unruhe entsteht, ob sich alle Delegierten wohl fühlen und sich zugleich alle gehört fühlen, die das Wort ergreifen. Dazu braucht es auch Feingefühl.


Klingt anstrengend ...

Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Man braucht Disziplin und Durchsetzungsfähigkeit, und man muss die gesamte Zeit über aufmerksam bleiben. Am Ende des Tages ist es unsere Aufgabe, zu gelungenen Diskussionen, reibungslosen Wahlen und einem gelungenen Gewerkschaftstag beizutragen. Als Präsidium sind wir für das Wohl der Delegierten im Saal zuständig. Das fängt mit Kleinigkeiten an: Wie ist die Luft im Raum, zieht es, sind die Türen geschlossen? Zugleich müssen aber auch die Delegierten ihren Beitrag leisten und mitarbeiten.


Ihr fangt morgens um neun Uhr an und dann werden bis 18 Uhr Anträge beraten und über sie abgestimmt?

Na ja, manchmal geht es auch abends länger. Und für uns als Präsidium fängt der Tag schon eher an, weil wir die Tage vorbereiten müssen. Zugleich wollen wir natürlich auch an den Abendveranstaltungen teilnehmen. Das ist ein wichtiger Teil eines solchen Gewerkschaftstages, dass sich die Aktiven austauschen, die Meinung anderer Metallerinnen und Metaller kennenlernen, dass wir auch als Präsidium eine Rückmeldung bekommen.


Du wirst also nicht viel Schlaf bekommen ...

Da muss ich durch. Mit Schlafmangel zurechtzukommen, gehört zur Schlüsselqualifikation einer aktiven Gewerkschafterin.


Wie bist Du zu dieser Aufgabe gekommen?

Ich bin gefragt worden, ob ich mir das vorstellen kann. Vielleicht, weil ich so eine große Klappe habe. Ich bin ja schon lange in der IG Metall aktiv und bekannt dafür, dass ich für meine Themen spreche. Ich habe dann zunächst gezögert. Das ist so ein typisches Frauen-Ding: Wir Frauen sind manchmal zu kritisch mit uns. Schließlich habe ich zugesagt, und jetzt freue ich mich drauf. Aber aufgeregt bin ich natürlich auch.


Mit welchem Gefühl möchtest Du nach einer Woche Gewerkschaftstag wieder nach Hause nach Köln fahren?

Ich würde mir wünschen, dass alle Delegierten am Samstagmittag nach dem Abschlusslied sagen: Das war eine tolle Woche mit guten Diskussionen und guten Ergebnissen, und jetzt kehren wir motiviert und guter Dinge heim und gewinnen ganz viele neue Mitglieder für unsere starke IG Metall.
 

alt
Metallerin Katharina von Hebel ist Betriebsrätin bei Ford. (Foto: Benajmin Gruschka)
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