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Kohleausstieg trifft auch Metaller

Was haben IG Metall-Mitglieder mit dem Kohleausstieg zu tun? Eine Menge, besonders in Nordrhein-Westfalen. Betroffen sind beispielsweise die Beschäftigten der Stahlgießerei Albert Hoffmann und der Kran-Firma ISM, beide mit Sitz in Eschweiler bei Aachen, am Rande des Rheinischen Braunkohlereviers.


Ein ungewöhnlicher Standort: Die Stahlgießerei Albert Hoffmann liegt mitten in der Stadt. Das Familienunternehmen, 1917 gegründet, konnte bislang alle Umweltauflagen erfüllen. Anpassungsfähigkeit ist eine seiner Stärken.

Beispielsweise lässt der RWE-Konzern, der den Braunkohleabbau im Revier betreibt, die Laufräder seiner Bagger seit 10, 15 Jahren nicht mehr gießen, sondern schmieden. Die Gießerei Hoffmann hat das überlebt, ebenso das Ende der Steinkohle im Aachener Revier. „Das war vor meiner Zeit“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Michael Gaugel (50). Er arbeitet seit 33 Jahren bei Albert Hoffmann. Der Einschnitt damals ging tief, die Firma zählte 500 Beschäftigte, heute 211 ― Tendenz leicht steigend. „Wir haben rechtzeitig begriffen: Irgendwann ist jedes Loch fertig“, sagt Gaugel. „Loch“ heißt offiziell das, was der Tagebau übrig lässt.

In den 1970er-Jahren schuf sich die Firma ein zweites Standbein: das Recycling, man produziert seitdem Schredder zum Zerkleinern von Schrottautos. „Der Kohleausstieg wird uns treffen und wehtun“, sagt Betriebsrat Gaugel, „aber nicht umbringen.“ Sorgen bereiten ihm die Strompreise, die womöglich steigen werden („wir schmelzen mit Elektroöfen“), und die Verfügbarkeit von Strom: „Richtet sich unsere Arbeitszeit künftig danach, ob Strom da ist?“

Mit turbulenten Zeiten rechnet auch Stefan Bauer, Betriebsratsvorsitzender der Kran-Firma ISM. Eine „nicht unerhebliche
Zahl“ der 106 Beschäftigten, sagt er, arbeite ständig für RWE; „betriebsbedingte Kündigungen könnten ein Thema werden“. Nicht nur bei ISM. „Ich befürchte einen Dammbruch.“ Die Kohlekommission der Bundesregierung rechnet damit, dass allein in NRW 9000 Arbeitsplätze direkt und 18 000 indirekt betroffen sein werden.


Der Kampf um die Geldtöpfe

Der Automobilzulieferer Neapco in Düren produziert Kardanwellen, Achsen und Differenziale für Audi, BMW und Daimler, Renault und VW. Welche Folgen hat die Mobilitätswende vom Sprit- zum Elektromotor für die 800 Beschäftigten? „Traditionelle Automobilzulieferer drohen auf der Strecke zu bleiben“, befürchtet der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Müller. Notwendig sei „eine konsequent auf Elektromobilität ausgerichtete Produkt- und Markenstrategie“. Erste Ansätze existieren, zum Beispiel ein elektrischer Antrieb der Lkw-Hinterachsen. Alleine könne Neapco diesen Produktwandel nicht stemmen, sagt Jürgen Müller. „Wir brauchen Fördergelder.“

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