Bericht aus Bezirk Baden-WürttembergDer Gewerkschaftstag hat das Projekt „Die IG Metall vom Betrieb aus denken“ beschlossen. Bei der Auftaktveranstaltung im Bezirk haben haupt- und ehrenamtliche Kollegen diskutiert, was das für die tägliche Arbeit bedeutet.
IG Metall vom Betrieb aus denken? Machen wir das nicht jeden Tag? „Zumindest nicht in der nötigen Konsequenz“, stellt der Erste Vorsitzende Jörg Hofmann beim Auftakt in Baden-Württemberg klar. Gerade in der jetzigen Phase des Umbruchs, in der Entwicklungen wie Digitalisierung und Elektromobiltät Zehntausende Beschäftigte bundesweit um ihre Arbeitsplätze bangen lassen, sei eine handlungsfähige IG Metall wichtiger denn je. „Die Kraft liegt dort, wo die Themen aufschlagen. Die IG Metall muss die Handlungsmacht haben, um die Transformation zu gestalten und damit im Betrieb sichtbar werden.“ Entsprechend müssen auch mehr Beschäftigte aus den Betrieben die Arbeit der IG Metall prägen.
1000 Treiber der Veränderung
Treiber der neuen Herangehensweise sollen bundesweit 1000 haupt- und ehrenamtliche Kollegen sein, die sich während einer 20-wöchigen Projektphase als sogenannte Veränderungspromotorinnen und -promotoren engagieren. Dabei wird gemeinsam mit Betriebsräten und Vertrauensleuten an konkreten Projekten in den Betrieben gearbeitet, die Veränderungspromotoren erhalten überdies unterstützende Fortbildungen. „Wir legen das Projekt als breiten Beteiligungsprozess an. Die Veränderungspromotoren erarbeiten und erproben Vorschläge für eine erfolgreiche IG Metall“, erklärt Projekt-Koordinator Klaus Abel. Starten soll ein solcher Prozess jeweils im Ortsvorstand, dort werden wichtige Themen in den Betrieben benannt, gesammelt, ausgewählt und dann unter Anleitung bearbeitet.
Einige Geschäftsstellen in Baden-Württemberg haben bereits mit dem Projekt begonnen, darunter Stuttgart, Gaggenau und Pforzheim. Die zu bearbeitenden Themen unterscheiden sich je nach Geschäftsstelle und reichen von einer verbesserten Öffentlichkeitsarbeit bis zur Positionierung gegen rechtsgerichtete Gruppierungen. Einig sind sich die zuständigen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer aber über eines: „Das Projekt ergänzt sich sehr gut mit dem, was wir ohnehin planen, um handlungsstark im Betrieb zu sein. Nun können wir daran noch mehr Menschen beteiligen“, bringt es die Stuttgarter Geschäftsführerin Nadine Boguslawski auf den Punkt. Und: „Es geht nicht darum, noch mehr Arbeit oben drauf zu setzen, sondern die Themen, die ohnehin bearbeitet werden müssen, zu bündeln und dafür das Projekt zu nutzen“, ergänzt Bezirksleiter Roman Zitzelsberger.
Der IG Metall ein Gesicht geben
Und was sagen die anwesenden Ehrenamtlichen dazu? Einige sind noch skeptisch, insbesondere was die Ressourcen angeht. Aber es gibt auch eine große Lust darauf, neue Wege zu gehen und der IG Metall im Betrieb wieder ein Gesicht zu geben. Arbeitgeber und Beschäftigte müssen stärker spüren, dass wir die Gestaltenden sind! Das hilft nicht zuletzt auch bei der Mitgliedergewinnung, der Ausgangspunkt könnte nicht besser sein: 2019 hat der Bezirk unter dem Strich 4734 zusätzliche Mitglieder gewonnen und zählt nun fast 446 000.
Foto: Joe Röttgers/Graffiti So denkt der Bezirk vom Betrieb aus: Bei der Auftaktveranstaltung in Böblingen haben haupt- und ehrenamtliche Metallerinnen und Metaller die Erfolge des vergangenen Jahres ausgewertet und Aktivitäten für die Zukunft geplant – zum Beispiel für die Geschäftsstelle Ulm.
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