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Stark im Handwerk

Das Kfz-Handwerk steht vor großen Herausforderungen. Um die Zukunft zu meistern, sind Mitbestimmung und eine Stärkung der Tarifbindung unerlässlich.


In der laufenden Tarifrunde macht sich die IG Metall auch dafür stark. Rund 55 000 Beschäftigte arbeiten in den Autohäusern und Kfz-Handwerksbetrieben in Baden-Württemberg. Viele von ihnen gehen dieser Tage auf die Straße. Fünf Prozent mehr Geld, überproportionale Erhöhungen für Auszubildende und Veränderungen am Vergütungssystem ― das sind die Kernforderungen in der laufenden Kfz-Tarifrunde. Eine Runde, die aus Sicht der Beteiligten alles andere als einfach ist: „Die Geschäfte in der Branche laufen nach wie vor gut“, sagt Christian Tiedemann, Betriebsratsvorsitzender beim Autohaus Held & Ströhle in Ulm. „Aber die Aussichten für die Zukunft werden immer ungewisser.“

Laut dem jüngsten Branchenreport des Stuttgarter IMU-Instituts steht die Branche vor einschneidenden Veränderungen: Digitalisierung und Elektrifizierung bringen einen technologischen Wandel mit sich, zugleich verschärft sich der Wettbewerb und die Anforderungen an Ausbildung, Fachkräftesicherung und gute Arbeit im Allgemeinen steigen.


Tarifbindung im Fokus

Insbesondere beim Thema Tarifbindung sehen die Studien- Autoren Handlungsdruck: „Um die Zukunftsperspektiven des Kfz-Gewerbes im sich verschärfenden Kampf um die Köpfe zu verbessern, sollte der Tarifflucht der vergangenen Jahre eine Stärkung der Tarifbindung in den kommenden Jahren entgegengesetzt werden“, heißt es in dem Report von 2017. Jeder zweite Beschäftigte im bundesweiten Kfz-Handwerk ist der Meinung, dass er zu wenig Mitspracheund Gestaltungsmöglichkeiten hat. Betriebe ohne Tarifbindung weisen zudem eine erhöhte Fluktuation auf ― die Abwandernden gehen verstärkt zu tarifgebundenen Betrieben mit besseren Arbeitsbedingungen, geregelten Arbeitszeiten und höheren Entgelten.

Die Ausweitung der Tarifbindung ist deshalb ebenfalls Thema in der laufenden Tarifrunde, in mehreren bisher nicht-tarifgebundenen Betrieben ruft die IG Metall im Rahmen ihrer bezirksweiten Kampagne „Tarif Jetzt!“ zu Aktionen auf. Tiedemann ermuntert jeden, daran teilzunehmen: „Ein Tarifvertrag garantiert klare Spielregeln und faire Arbeitsbedingungen ― das sollte für alle Beschäftigten gelten.“


Geschäfte laufen gut

In der ersten Verhandlung am 8. Mai sind die Arbeitgeber ein Angebot schuldig geblieben. Das erwartet Martin Sambeth, Verhandlungsführer für die IG Metall Baden-Württemberg, beim zweiten Treffen Anfang Juni: „Das Kfz-Handwerk sollte Interesse daran haben, mit einem guten Tarifabschluss für Beschäftigte attraktiver zu werden.“ Nur so finde die Branche auch künftig genügend Fachkräfte. Die wirtschaftliche Situation lässt ordentliche Entgeltsteigerungen durchaus zu: Zwar hat sich die Wachstumsdynamik zuletzt leicht verlangsamt. Doch 9 von 10 Handwerksbetrieben gehen aktuell von einer steigenden oder stabilen Umsatzentwicklung aus. Insbesondere die Jugend braucht attraktivere Bedingungen: Wer beim Ausbildungsplatz zwischen Handwerk und Industrie wählen kann, wählt die Industrie, so Tiedemann ― es werde höchste Zeit, „die Lücke bei den Entgelten zu schließen.“ Zudem fordert die IG Metall, dass Jugendliche, die das erste Ausbildungsjahr in der Berufsfachschule verbringen, angemessen vergütet werden. Heute herrscht an dieser Stelle Wildwuchs. Zur zweiten Verhandlung werden die Argumente weiter verstärkt ― Anfang Juni plant der Bezirk eine Aktionswoche mit Warnstreiks.

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