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Belastungen wirksam reduzieren

Die Beschäftigten von BSH in Giengen leisten körperlich harte Arbeit. Der Betriebsrat hat sich zum Ziel gesetzt, die körperlichen Belastungen der Kolleginnen und Kollegen in der Produktion spürbar zu senken. Das gelingt ihnen mit großem Erfolg.


Als sie die Liste in den Händen hielten, vor jetzt beinahe zwölf Jahren, da war ihnen bewusst, dass es eine lange Strecke werden würde. Aber Gundi Fetzer war auch klar, dass sie sich auf den Weg machen mussten, gemeinsam mit dem Arbeitgeber, beharrlich und kämpferisch. Nur so konnten sie ihr Ziel erreichen: die körperlichen Belastungen für die Kolleginnen und Kollegen vor allem in der Produktion spürbar zu senken. „Am Ende unseres Weges sind wir noch lange nicht“, sagt Betriebsrätin Fetzer, „aber wir haben viel erreicht.“

Damals, 2007, war es nicht sicher, dass das gelingen würde ― sicher war nach der Analyse der Arbeitsplätze nur eins: dass die körperlichen Belastungen, denen die Beschäftigten bei BSH in Giengen ausgesetzt waren, zu hoch waren. „Bei uns in Giengen arbeiten insgesamt 2900 Kolleginnen und Kollegen, 1300 von ihnen sind in der Produktion. Sie stellen dort Kühl- und Gefriergeräte her. Das ist körperlich anstrengende Arbeit.“

Belastend sind die Taktzeiten von durchschnittlich 43 Sekunden, anstrengend die monotonen Bewegungsabläufe. Dazu kommt, dass die Beschäftigten bei der Fertigung viele Steck- und Einrastvorgänge durchführen müssen: Teile müssen angehoben, eingesetzt, eingedrückt, gehalten fest montiert werden – manche Teile sind schwer. „Ein Kühlschrankverdichter wiegt zwischen sieben und neun Kilo, eine große Tür bis zu 14 Kilo“, sagt Gundi Fetzer. „Das mussten Kollegen heben.“ Heute müssen sie das nicht mehr. Heute gibt es am Standort passende Hebehilfen, die den Beschäftigten das Heben, Tragen und Auflegen der schweren Türen abnehmen. „Als wir uns die Liste, in der alle Belastungen, die auf die Beschäftigten
in der Produktion wirken, angesehen haben, war uns klar, dass wir uns um die körperlich harte Arbeit verstärkt kümmern müssen.“


Klare Regelungen

Kümmern ― das hört sich einfach und unkompliziert an, so, als würde es reichen, mit dem Finger auf ein Problem zu zeigen, und im Nu wird es abgestellt. „So einfach ist es nicht“, sagt Gundi Fetzer. Zwar gebe es bei der Geschäftsführung ein prinzipielles Einverständnis darüber, dass Belastungen am Arbeitsplatz gesenkt werden müssten, und das sei sehr schön. „Nötig sind aber konkrete Maßnahmen.“

So wie bei BSH in Giengen ist es in vielen Betrieben quer durch die Republik: Körperlich harte Arbeit gehört noch immer zum Arbeitsalltag vieler Beschäftigter. Um Belastungen spürbar zu senken, muss man diese im Betrieb zum Thema machen, sich einmischen, konkrete Maßnahmen zum Abbau durchsetzen. Das ist viel Arbeit für den Betriebsrat – genau hier will die IG Metall mit ihrer Initiative „Runter mit der Last“ unterstützen und Orientierung geben. „Es braucht verbindliche Regelungen und klare Prozesse der Zusammenarbeit“, sagt Gundi Fetzer.

Das haben sie am Standort. 2007 haben sie eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, in der das Ziel des kontinuierlichen Belastungsabbaus festgeschrieben wurde. Später wurde vereinbart, dass Betriebsrat und Geschäftsführung sich dazu alle sechs Wochen treffen, um gemeinsam über geeignete Maßnahmen zu sprechen. Gerade sind sie dabei, die Lärmbelastung in der Fertigung weiter zu senken. Manchmal genügt es da, wenn an einer Maschine der Riemen nachgespannt wird, manchmal ist es nötig, einen neuen Motor einzusetzen, dann wieder muss eine Anlage umbaut werden, um Lärm wirksam zu reduzieren. „Es gibt für fast alle Probleme mehrere Lösungen“, sagt Gundi Fetzer, „wichtig ist, dass man die umgesetzten Maßnahmen zeitnah auf ihre Wirksamkeit überprüft.“ Das tun sie in Giengen ― etwa mit Gefährdungsbeurteilungen für jeden Arbeitsplatz.


Belastungen vermeiden

Wichtig ist aber auch, schwere körperliche Belastungen möglichst zu vermeiden oder, falls das nicht möglich ist, technische Lösungen zur Reduktion voranzutreiben. So machen sie es, wenn sie im Werk eine neue Linie konzipieren. „Da schauen wir bereits bei der Planung auf Ergonomie.“ Erst, wenn Belastungen sich nicht vermeiden oder mithilfe technischer Lösungen abbauen lassen, dringt der Betriebsrat auf arbeitsorganisatorische- oder persönliche Maßnahmen. „Die Seitenwände der Kühlschränke etwa, die sind unhandlich, bis zu zwei Meter hoch. An diesen Arbeitsplätzen haben wir für eine Mitarbeiter-Rotation gesorgt.“ Nein, damit sei nicht alles gut – aber eine spürbare Entlastung erreicht. „Wie gesagt, wir sind nicht am Ziel, der Weg führt weiter“, sagt Gundi Fetzer. „Man braucht einen langen Atem. Den haben wir.“

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