Bericht aus Bezirk MitteWir brauchen ein sozial-ökologisches Reformprogramm, das die Zukunft gestaltet. Die Beschäftigten werden nicht durch niedrige Lohnabschlüsse, Eingriffe in bestehende Tarifverträge und Aushebelung des Arbeitszeitgesetzes für die Kosten der Krise aufkommen. Dafür brauchen wir eine starke IG Metall.
hinter uns liegt ein denkwürdiges erstes Halbjahr 2020. Seit März ist die Welt im Ausnahmezustand, Ursache ist Covid-19 – eine Krankheit, für die es bisher weder wirksame Medikamente noch Impfstoffe gibt. Steckt in der Corona-Krise dennoch eine Chance? Manch öffentliche Debatte ist optimistisch. „Jetzt oder nie: Der Corona-Schock birgt die Chance auf eine bessere Welt“, titelte der Spiegel im April. Bei aller Sehnsucht nach positiven Botschaften müssen wir realistisch bleiben: Eine bessere Welt ist nur möglich, wenn wir sie durchsetzen. Die Herausforderung, die Transformationsprozesse so zu gestalten, dass die Wertschöpfungsketten und die Industriearbeitsplätze erhalten bleiben, ist durch die Pandemie noch größer geworden.
Während in den Nachrichten laufend über die neuesten Corona-Entwicklungen berichtet wurde, sind in Saarbrücken bei den Gusswerken die Beschäftigten gekündigt worden, gibt es bei Opel in Rüsselsheim immer noch keine Sicherheit für Getriebewerk und Schmiede und die Zukunft der fast 500 Arbeitsplätze bei JD Norman in Eisenach steht weiter auf der Kippe.
Dennoch zeigen Erfolge in den letzten Wochen, dass die IG Metall auch unter Corona-Bedingungen handlungsfähig ist, so die Zukunftssicherung bei Bosch in Homburg vom Mai. Dass der Vorstand der ZF AG zeitgleich einen Arbeitsplatzabbau für 15 000 Menschen, davon 7500 in Deutschland, ankündigte, zeigt die zerrissene Lage. Und es wird unweigerlich die Frage kommen, wer die Rechnung für all die corona-bedingten Maßnahmen, Hilfsprogramme und Verluste übernehmen soll.
Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten für die Umsatz-, Produktivitäts- und Gewinnverluste zahlen: mit niedrigen Lohnabschlüssen, Eingriffen in bestehende Tarifverträge und Aushebelung des Arbeitszeitgesetzes. Meine feste Überzeugung ist: Zur Überwindung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise benötigen wir ein durchgreifendes sozial-ökologische Reformprogramm, das die Weichen in Richtung Sozialschutz und ökologische Wirtschaftsdemokratie stellt. Wir können die Zukunft nur gemeinsam gestalten. Dafür brauchen wir eine starke IG Metall. Lasst uns zusammenstehen und für eine bessere Arbeitswelt, für eine bessere Welt streiten.
Jörg Köhlinger, Bezirksleiter IG Metall Mitte
Fotos: Frank Rumpenhorst Carsten Bätzold (Betriebsratsvorsitzender Volkswagen Kassel), Ulrike Jakob (stellvertretende Betriebsratsvorsitzende), Jörg Köhlinger, Oliver Dietzel (Erster Bevollmächtigter IG Metall Nordhessen, von links)
„Krisenbewältigung und eine sozial-ökologische Transformation der Wirtschaft sind zwei Seiten einer Medaille“, betont Jörg Köhlinger im Rahmen eines Betriebsrundgangs im Volkswagen Werk Kassel in Baunatal.
„Am 30. September laufen 280 Verträge von Zeitarbeitern aus. 37 weitere stehen bis Mitte 2021 zur Verlängerung an. Über die Zukunft von 340 Frauen und Männern, die in befristete Verträge übernommen wurden, muss ebenfalls verhandelt werden. Ich hoffe darauf, dass durch eine steigende Nachfrage nach Hybridgetrieben und Elektroantrieben Chancen für eine Weiterbeschäftigung entstehen.“ Carsten Bätzold, Vorsitzender des Betriebsrats, Volkswagen Kassel
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