Wie ist die aktuelle Lage in Bielefeld und im Altkreis Halle?
In den Betrieben der Branchen unserer Geschäftsstelle hat aufgrund der Corona-Krise die Kurzarbeit zugenommen. Zum Teil haben die Firmen Schwierigkeiten bei der Teilzulieferung, zum Teil bei der Auslieferung, insbesondere im Ausland. Stark hat es die Automobil-Zulieferbetriebe getroffen, nachdem die Automobilhersteller die Bänder stillgesetzt haben. Die im Maschinenbau angesiedelten Betriebe sind noch nicht so stark betroffen, haben aber Probleme, ihre Maschinen auszuliefern. Insgesamt stellen wir fest, dass – Stand heute – deutlich mehr Betriebe Kurzarbeit fahren als vor zehn Jahren in der Wirtschaftskrise 2008/2009. Wir haben aber auch Betriebe, in denen es gut läuft. Mit Sorge nehme ich zur Kenntnis, dass die Ausbildungszahlen 2020 um circa zehn Prozent rückläufig sind. Das ist mir unverständlich, wenn wir in die Zukunft schauen und wissen, dass massive Veränderungen in der Arbeitswelt anstehen. Gerade in der Autoindustrie und den Zulieferunternehmen stehen wir vor der Abkehr vom Verbrennungsmotor. Dafür brauchen wir gut ausgebildete junge Menschen. Ausbildungsplätze zu reduzieren, ist der falsche Weg.
Welche Auswirkungen hat das für die Beschäftigten?
Das ist sehr unterschiedlich. In Bereichen, in denen es möglich ist, lassen Unternehmen Beschäftigte im Homeoffice arbeiten. In der Produktion reicht die Spanne des Arbeitsausfalls von wenigen Tagen bis hin zu Kurzarbeit Null. Wir nehmen wahr, dass in Betrieben mit starken Betriebsräten gute Lösungen gefunden werden, sowohl bei der finanziellen Absicherung als auch beim Gesundheitsschutz. Wir nehmen aber auch wahr, dass in Betrieben ohne Betriebsrat oder mit schwachen Betriebsräten die Arbeitgeber sehr fragwürdig mit der aktuellen Situation umgehen. Die Beschäftigten sind in solchen Betrieben gleich mehrfach benachteiligt. Finanziell steht man schlechter da und mangelnder Gesundheitsschutz erhöht das Risiko, an Corona zu erkranken.
Was sind derzeit die wichtigsten Fragen und Probleme der Beschäftigten?
Wir haben die erste Phase der Unsicherheit überwunden und zusammen mit unseren Betriebsräten, Vertrauensleuten und Jugendvertretungen Regelungen im Sinne der Beschäftigten umgesetzt. Jetzt kommen von unseren Kolleginnen und Kollegen Fragen zur Abrechnung von Kurzarbeit und wie der Gesundheitsschutz beim Hochfahren der Industrie gewährleistet wird. Trotz vieler guter Lösungen gibt es genug Beschäftigte, die durch die Einschnitte stark beeinträchtigt sind – auch bei Kurzarbeit muss die Miete gezahlt werden. Andere Kosten laufen auch weiter. Deshalb haben wir hier vor Ort auch die Bundestagsabgeordneten angeschrieben und mit ihnen gesprochen. Die Folgen der Krise dürfen nicht die Beschäftigten allein ausbaden, sie brauchen eine Perspektive. Die Entscheidungen von der Bundesebene bis hin zu den kommunalen Verantwortlichen zeigen in die richtige Richtung. Wir müssen aber für die Interessen der Beschäftigten weiter am Ball bleiben.
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