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Sie brauchen Druck

Der Konzern ist tief in eine wirtschaftliche Krise gerutscht und will Arbeitsplätze abbauen. Lautstark und entschieden kämpfen die Beschäftigten im Ruhrgebiet um ihre Zukunft – und konnten gemeinsam mit der IG Metall erste Erfolge erzielen.


Sie sind laut, sie sind viele, sie sind verärgert: Tausende Stahlbeschäftigte ziehen Anfang Dezember in die Kaiser-Wilhelm-Straße in Duisburg, im Hintergrund verschwindet die Silhouette des Stahlwerks im Dunst. Mit IG Metall-Fahnen, Transparenten und Trillerpfeifen machen sie vor der Zentrale des Stahlunternehmens Thyssenkrupp ihrem Unmut Luft. Sie fürchten um ihre Arbeitsplätze – und haben die Schnauze voll vom ständigen Krisenmodus, in dem sich das Unternehmen befindet.

Seit Jahren findet Thyssenkrupp keine Ruhe. „Die Manager haben uns das eingebrockt“, sagt Tekin Nasikkol, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Thyssenkrupp Steel Europe, „sie haben einen Fehler nach dem anderen gemacht“. Milliarden versenkten die Manager in Investitionsgräbern. Entsprechend erbost sind die Beschäftigten – sie wollen nicht die Fehler der Unternehmensleitung ausbaden. Denn schon wieder ist von Abbau die Rede, von Arbeitsplätzen, die gestrichen werden sollen. 6000 insgesamt, davon 4000 in Deutschland, 2000 in der krisengeschüttelten Stahlbranche. Deshalb gehen sie auf die Straße. „Wer die Beschäftigten im Dunkeln lässt“, sagte Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW, „darf sich nicht wundern, wenn diese das Tageslicht nutzen, um endlich ein klares und deutliches Signal für Sicherheiten und Zukunftskonzepte einzufordern.“

Gerade die Stahlsparte hat schwer zu kämpfen: Weltweit ist der Markt eingebrochen, Schwellenländer wie China oder die Türkei haben auch in der Qualität aufgeschlossen. Und was macht Thyssenkrupp? „Sie sparen uns kaputt“, sagt Betriebsratsvorsitzender Tekin Nassikol. IG Metall und Betriebsräte fordern deshalb Investitionen ein. „Wir brauchen anderthalb Milliarden Euro sofort“, erklärt Detlef Wetzel, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Stahlsparte von Thyssenkrupp. Nur so könne das Unternehmen im Markt mithalten.

Nicht nur Stahl ist betroffen, auch Beschäftigte in anderen Sparten des Konzerns sind beunruhigt. Einen Tag nach den Stahlkumpeln ziehen 2500 Beschäftigte der Aufzugsparte von Thyssenkrupp vor die Konzernzentrale in Essen. Bei Thyssenkrupp Elevator ist die Lage eine völlig andere: Das Unternehmen verdient gutes Geld, die Aufzugsparte ist die Perle des Konzerns – und soll deshalb zu Geld gemacht werden. „Was wird dann aus uns?“, fragen viele Beschäftigte. Wird der neue Eigentümer seiner sozialen Verantwortung gerecht werden?


Demonstrieren hilft

Nach den eindrucksvollen Demonstrationen konnte die IG Metall bereits etliche Zugeständnisse erreichen. Für die profitable Aufzugsparte vereinbarte die Gewerkschaft mit dem Konzern unter anderem: Auch nach einem Verkauf bleibt das Unternehmen tarifgebunden. Für die Stahlsparte hat Thyssenkrupp Investitionen zugesagt, und die Gewerkschaft hat erreicht, dass der jetzt abgelaufene Tarifvertrag über Beschäftigungssicherung bis zu einem halben Jahr verlängert wird. Anschließend wollen beide Seiten einen neuen Zukunftstarifvertrag abschließen.

Zu Ende ist der Kampf damit noch nicht, weiß auch IG Metall-Bezirksleiter Knut Giesler. „Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass die Standorte erhalten bleiben und die Menschen Arbeit haben“, sagt er.

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Fotos (2): Thomas Range
Hat Mama noch Arbeit? Beschäftigte aus dem Thyssenkrupp-Konzern sorgen sich um ihre Zukunft.
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