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Kein Grund zur Bescheidenheit

 Die „Tarifpolitische Konferenz“ am 28. November bot den Auftakt für die betrieblichen Forderungsdebatten, die noch bis Anfang Februar laufen. Daraus ergeben sich die Forderungsempfehlungen der Tarifkommissionen aus allen Bezirken an den IG Metall-Vorstand.


„Der ökologische und digitale Wandel muss fair verlaufen“, forderte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, in Hannover. „Auf die Leimspur einer Lohnzurückhaltung lassen wir uns nicht locken.“ Die Arbeitgeber sollten also nicht jammern, sondern seien in die Pflicht zu nehmen, die Zukunft der Beschäftigten und der Standorte zu sichern.

Auch gäbe es keinen Grund zur Bescheidenheit. Schließlich hätten wir keine Rezession, erläuterte Wilfried Kurtzke vom IG Metall-Vorstand in seinem Referat über die wirtschaftliche Entwicklung. Gerade die Binnennachfrage sei einer der stabilisierenden Faktoren der deutschen Wirtschaft.

Die Diskutierenden stellten die bisherigen betrieblichen Debatten vor: Eine gute Entgelterhöhung, eine faire Transformation sowie der Einstieg in die betriebliche Altersvorsorge wären ein interessantes Forderungspaket. Die gesetzliche Rente soll gestärkt und ausgebaut werden. Die be- triebliche Altersvorsorge könnte als arbeitgeberfinanzierte zweite Säule tariflich geregelt werden.

Für eine gute betriebliche Altersvorsorge bräuchte es zukünftig deutlich höhere Beiträge. So sollten die eingesparten Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 15 Prozent an die Beschäftigten weitergegeben werden. Bei VW zum Beispiel wurden bereits 2018 tarifliche Regelungen für die betriebliche Altersvorsorge getroffen. Der Rentenbaustein I beträgt ab diesem Jahr 98 Euro pro Monat.

Weiter wurden die Arbeitgeber aufgefordert – wie schon bei der Großdemo #FairWandel im Sommer in Berlin –, die Gewinne der Digitalisierung in die Sicherung der Arbeitsplätze zu investieren. Die Transformation müsse durch vorausschauende Planung, berufliche Qualifizierung, Beteiligung der Betroffenen und qualifizierte Mitbestimmung begleitet werden, um für berufliche Perspektiven für alle zu sorgen.

Bezirksleiter Thorsten Gröger kündigte an, der IG Metall-Vorstand werde im Januar die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung genauer einschätzen können. Und dann werde auch konkret entschieden, welche Bestandteile in ein Forderungspaket aufgenommen werden sollen. Gröger: „Wir brauchen eine in die Zukunft gerichtete Tarifpolitik, die den Beschäftigten Sicherheit gibt und sie fair beteiligt. Das ist uns in den letzten Jahren gut gelungen. Und daran wollen wir auch 2020 anknüpfen.“

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Fotos: Jelca Kollatsch
Tarifpolitische Konferenz am 28. November 2019 in Hannover: 220 Metallerinnen und Metaller aus Betrieben in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt haben ihre Vorstellungen für mögliche Forderungen für die Tarifrunde 2020 diskutiert.
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Thorsten Gröger, IG Metall Bezirksleiter Niedersachsen und Sachsen-Anhalt: „Eine gerechte Entgeltpolitik beteiligt die Beschäftigten an der gesamtwirtschaftlichen Wohlstandsentwicklung.“
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Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall: „Die Arbeitgeber sind in der Pflicht, die Zukunft der Beschäftigten und der Standorte in der Transformation zu sichern und fair zu gestalten.“


Ausschnitt aus der Debatte bei der „Tarifpolitischen Konferenz“

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Jens Schäfer, Wabco Hannover: „Unsere Tarifforderung entscheidet sich nicht dadurch, wie die Konzerne sich aufstellen, sondern welche Konzepte wir umsetzen wollen.“
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Michael Dohrmann, Sartorius Göttingen: „Wir brauchen einen angemessenen Beitrag der Unternehmen für eine vernünftige betriebliche Altersvorsorge.“
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Heidi Reupke, Funktel Salzgitter: „Ich fände eine Mischung aus einer guten prozentualen Forderung und einer arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Altersvorsorge sinnvoll.“
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Auke Tiekstra, VW Salzgitter: „Die Unternehmen haben in den letzten Jahren dicke Gewinne eingefahren. Ich erwarte Fairness, Beschäftigungssicherung in der Transformation und mehr Kohle.“
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