Warnstreik mit Autokorso rund ums Werk in Leipzig

Warnstreik bei BMW in Leipzig. Es ist 12.30 Uhr. Die Fabrik steht still. Die komplette Frühschicht hat die Arbeit niedergelegt. 1000 Autos fahren im Korso einmal ums weitläufige Werksgelände, mit IG Metall-Fahnen und maximal zwei Leuten im Auto.


An der Werkseinfahrt hat die IG Metall Leipzig eine Bühne aufgebaut. Der Ton wird per Livestream in die Autos übertragen. „Wir können wegen Corona unmöglich eine Demo mit 2000 Leuten machen«“ erklärt der Betriebsratsvorsitzende Jens Köhler dem Fernsehteam vom MDR.

Ob sich die IG Metall denn keine Sorgen machte, dass Streiks schräg ankämen, bei denen, die durch Corona viel verloren hätten, will das Fernsehteam wissen. „Als IG Metall sind wir schon immer vorangegangen. Wenn wir nichts holen, kriegen die anderen erst recht nichts“, betont Köhler, der auch Mitglied der Verhandlungskommission bei den Tarifverhandlungen ist.

„Die Stärkeren müssen auch für die Schwächeren eintreten“, ergänzt Bernd Kruppa, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig. „Und die Arbeitgeber nutzen Corona aus. Bei den Verhandlungen bewegt sich nichts. Sie stellen sogar Gegenforderungen.“

Warnstreik trotz Corona? Das geht, aber anders! „Vier Prozent für Einkommen und Beschäftigung“, „Zukunft sichern“ und „Arbeitszeit verkürzen“ steht auf den Plakaten, die die IG Metall-Vertrauensleute bei BMW vor dem Autokorso an den Straßen aufgehängt haben.

Um den Arbeitsplatz und um die Zukunft macht sich hier keiner Sorgen. Das BMW-Werk in Leipzig brummt. 1700 Leiharbeiter sind schon wieder da. „Die müssen wir endlich fest einstellen“, fordert Köhler. „Sonst wird das schwierig mit der Zukunft. Der Arbeitsmarkt in der Region ist leergefegt.“


Zukunft sicher – Beschäftigte wollen mehr Zeit

Ansonsten ist die Zukunft klar. Elektroautos werden schon seit 2013 in Leipzig gebaut. Demnächst auch Batteriemodule. Das haben die IG Metall-Betriebsräte bei BMW in jahrelangen Verhandlungen durchgesetzt. Der Umbau läuft bereits. Im Februar war das Werk deshalb schon mal drei Wochen geschlossen, im Sommer noch mal.

Aber eine richtige Lohnerhöhung wäre nach drei Jahren mal wieder nötig. Und schließlich arbeiten sie in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie immer noch drei Stunden mehr in der Woche als im Westen – 38 statt 35. Das bedeutet drei Jahre mehr bis zur Rente. Obwohl gerade die Autoindustrie längst genauso produktiv ist wie im Westen.

„Warum – über 30 Jahre nach der Wende? Das fragen wir uns hier alle“, meint Nicole, die in der Montage arbeitet. „Mehr Zeit ist für die meisten hier am wichtigsten. Der Großteil hat sich ja auch für freie Tage statt tarifliches Zusatzgeld entschieden. Wenn ich könnte, würde ich auch die freien Tage wählen.“

Die 38 Stunden passen zudem in kein Schichtmodell. Schichtarbeiter im Osten müssen oft noch mal samstags ran, um auf ihre 38 Stunden zu kommen.

„Ich muss auch diesen Samstag wieder arbeiten“, ärgert sich Tom, der im Presswerk arbeitet. „Das ist schon doof. Und daheim warten dann alle auf mich, meine Familie, meine Freunde.“

Besonders liegen Tom die Auszubildenden und dual Studierenden am Herzen. „Bei uns ist das mit der Übernahme nach der Ausbildung kein Problem. Aber anderswo sparen Betriebe wegen Corona an der Ausbildung – und damit an der Zukunft der jungen Menschen. Da müssen wir bei BMW solidarisch sein.“

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