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Unter Strom

Der Umstieg vom Verbrenner auf E-Antriebe geht mit der Angst um Arbeitsplätze einher.


Eine neue Studie für Baden-Württemberg sieht auch Chancen ― und Verantwortung für hiesige Standorte

Zehntausende, Hunderttausend oder vielleicht sogar doppelt so viele? Bei der Frage, wie viele Arbeitsplätze der Umstieg vom Verbrennungsmotor auf Elektroantriebe die deutsche Automobilindustrie kosten wird, herrscht keine Einigkeit. Jetzt hat die Landesagentur e-mobil BW eine weitere Studie mit neuen Zahlen für Baden-Württemberg veröffentlicht. Allerdings auch mit einer neuen Erkenntnis: „Nicht die Transformation zur Elektromobilität selbst, sondern verpasste Gestaltungschancen bei deren aktiver Weiterentwicklung können die wirtschaftliche Stärke Baden- Württembergs gefährden“, heißt es dort. Eine gelungene Transformation kann die Stärken also weiter ausbauen und „hierfür sind gemeinsame Anstrengungen aller Branchenakteure und eine aktive industriepolitische Unterstützung notwendig“, so die Studienautoren.

 

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(Foto: Grafik: e-mobil BW)

 

Weniger Jobs, aber neue Chancen

Dass am Wandel der Autoindustrie kein Weg vorbeiführt und dass dieser auch in Baden- Württemberg Arbeitsplätze kosten wird, daran lassen auch sie keinen Zweifel. Das Besondere: Die Folgen werden auf die bestehenden Standorte heruntergebrochen; zudem werden auch Beschäftigtengruppen außerhalb der Produktion berücksichtigt, etwa in Forschung und Entwicklung. Ergebnis: Je nachdem, wie schnell sich Elektromobile verbreiten, werden 2030 in den auf den Antriebsstrang spezialisierten Werken zwischen 25 und 46 Prozent weniger Jobs benötigt ― in Summe sind das bis zu 31 000 Stellen. Dabei wurden zwei Szenarien der Elektrifizierung zugrunde gelegt, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Im zweiten fährt 2030 jedes zweite Neufahrzeug in der EU elektrisch, im ersten sind es 15 Prozent. Heute arbeiten 70 000 Beschäftigte in Baden- Württemberg am Antriebsstrang, im ganzen Automobilcluster des Südwestens sind es knapp 470 000 (siehe Grafik). Auf den ersten Blick klingen die Zahlen verglichen mit anderen Schreckensszenarien verkraftbar. Allerdings stehen diese unter dem Vorbehalt, dass die hiesige Industrie auch bei den künftigen Antriebstechnologien ihre weltweit führende Innovationsrolle behält und bei neuen Komponenten Marktanteile in ähnlicher Höhe wie heute gewinnt, heißt es in der Studie. Dabei sei etwa wichtig, „dass die Unternehmensstrategien um Konzepte zur nachhaltigen Entwicklung der betroffenen Standorte ergänzt werden, damit möglichst viele neue Komponenten in den Produktionswerken angesiedelt werden können.“


Bestehende Standorte im Fokus

IG Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger unterstützt das: „Beschäftigte brauchen gerade in Zeiten des Wandels Sicherheit. Die Studie unterstreicht diese Herausforderung und ruft zur Zukunftsausrichtung der hiesigen Autostandorte auf.“ Die Transformation von den bestehenden Standorten heraus zu denken, sei richtig. Jetzt werde es höchste Zeit, dass die Verantwortlichen in zukunftsfähige Produkte investierten und die Politik mehr zur Sicherung von Beschäftigung beitrage. Die IG Metall erstellt dafür gerade mit ihren Betriebsräten einen sogenannten Transformationsatlas entlang der bestehenden Standorte. Mit Sorge reagiert Zitzelsberger auf angekündigte Sparprogramme in einigen Unternehmen. Statt schwere Zeiten anzukündigen, müssten jetzt belastbare Personal- und Zukunftskonzepte auf den Tisch, betont er. Dies werde die IG Metall notfalls mit Protesten im ganzen Land einfordern. Zudem sei eine eigene Zellfertigung unerlässlich, um als Automobilland weiterhin führend zu sein. „Nur wer die Industrialisierung von Zellen und Batterien beherrscht, spielt ganz vorne mit.“

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