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Leiharbeiter rein

Der Flugzeugbauer Premium Aerotec übernimmt 514 Leiharbeiter. Das haben die Betriebsräte durchgesetzt. Allein am Standort Nordenham sind 279 Leiharbeiter übernommen worden. Sie profitieren auch davon, dass 800 Stammbeschäftigte den neuen Tarifvertrag nutzen und zusätzlich acht Tage frei nehmen.


Das Tor geht auf. Thorben Müller und Philip von Loeper sind nicht länger Leiharbeiter. Sie haben jetzt ihren festen Arbeitsplatz in ihrem Betrieb ― der Airbus-Tochter Premium Aerotec in Nordenham. Insgesamt hat Premium Aerotec 514 Leiharbeiter übernommen.

Fluggerätemechaniker Müller ist erleichtert. Seit 1. März ist er fest drin bei Premium Aerotec. Jetzt kann er darüber nachdenken, eine Wohnung zu kaufen. Obwohl sich beim Geld eigentlich kaum etwas für ihn ändert. Die Leihbeschäftigten bei Premium Aerotec verdienen genauso viel wie vergleichbare Stammbeschäftigte. Das schreibt der Tarifvertrag zur Leiharbeit vor, den die IG Metall für den gesamten Konzern durchgesetzt hat. Doch die Übernahme jetzt hat noch einmal eine neue Qualität. „Es ist einfach ein Gefühl von Sicherheit“, meint Müller. „Als Leiharbeiter hast Du immer das Gefühl, dass Du jederzeit raus sein kannst.“

Mehr Sicherheit ― das ist auch für Philip von Loeper das Wesentliche. „Obwohl ich mir beim derzeitigen Arbeitsmarkt eigentlich keine Sorgen machen müsste“, betont der Wirtschaftsingenieur. Als Planer für die Fertigung arbeitet er nun schon seit drei Jahren hier. Er hat sich sowieso gewundert, warum das Unternehmen solche Schlüsselpositionen nach draußen vergibt. Seit 1. Januar ist Philip von Loeper fest in seinem Betrieb.


Übernahme dank Tarifverträgen

Die Übernahme der Leihbeschäftigten setzten die Betriebsräte bei Premium Aerotec durch, indem sie zwei Tarifverträge der IG Metall kombinierten: Der Konzerntarifvertrag zur Leiharbeit schreibt vor, dass bei länger beschäftigten Leiharbeitern eine Übernahme geprüft werden muss. Und der Metall-Tarifabschluss vom letzten Jahr gibt Beschäftigten mit Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen oder in Schichtarbeit die Option, acht zusätzliche Tage im Jahr frei zu nehmen. Rund 800 Stammbeschäftigte in Nordenham haben die acht Tage gewählt. Um ihnen das zu ermöglichen, wurden 35 neue Leiharbeiter rein­geholt ― und zugleich 279 langjährige Leiharbeiter übernommen. „Durch das Zusammenspiel der beiden Tarifregelungen haben deutlich mehr Menschen eine sichere und gute Arbeit als zuvor“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Michael Eilers. „Sowohl für die Stammbeschäftigten als auch für die Leiharbeiter wird der Nutzen von Tarifverträgen hier sehr deutlich.“


80 Prozent IG Metall-Mitglieder

Der Weg bis zur Übernahme war steinig. Über ein Dreivierteljahr haben sich die Verhandlungen hingezogen. „Die Übernahmen kamen noch zum richtigen Zeitpunkt“, meint Eilers. „Denn durch das jetzt verkündete Produktionsende des A380 wird die weitere Diskussion schwieriger.“ „Viele Leiharbeiter haben nicht daran geglaubt, dass es wirklich klappt“, erinnert sich Thorben Müller, der sich ehrenamtlich bei der IG Metall Wesermarsch engagiert. Sie befürchteten, der Betriebsrat werde sich nicht durchsetzen können ― und sie würden doch auf der Straße landen. „Als das Ergebnis dann da war, war das natürlich super. Das hat auch nur geklappt, weil wir einen guten Organisationsgrad von rund 80 Prozent Mitgliedern im Betrieb haben.“

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