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Familienfreundlich in Schicht

Beschäftigte von VW Emden arbeiten in der Produktion agil in Teilzeit. Sie organisieren sich eigenständig in der Gruppe und können so Schicht und Privatleben gut vereinbaren.


Besser kann es sich Silke Potinius kaum vorstellen, Produktionsarbeit und Privatleben in Einklang zu bringen. 20 Stunden in der Woche montiert die 36-jährige zweifache Mutter bei Volkswagen Emden die Front des Passats. Beim Start des Projekts „Agiles Arbeiten in Teilzeit“ im Mai 2018 wollte sie unbedingt dabei sein. „Das läuft seitdem einfach traumhaft“, sagt Potinius.

Jeweils vier Beschäftigte mit unterschiedlichen Teilzeitmodellen übernehmen dabei gemeinsam einen Arbeitsplatz im Zweischichtbetrieb der Produktion. Das Besondere: Ihre Arbeitszeiten besprechen die Frauen und Männer im Vier- oder Achtwochenrhythmus eigenständig in der Gruppe. Anschließend legen die Beschäftigten die Planung dem Meister vor, damit dieser die jeweiligen Einsatzzeiten für den Produktionsablauf eintragen kann.


Gegenseitiges Verständnis

Auf kurzfris­tige Termine wie Elternabende oder Arzttermine reagieren? Das ist mit dem Modell kein Problem mehr, sagt Potinius. „Wir sprechen uns über Messenger-Gruppen untereinander ab, ob jemand spontan einspringen kann. Das funktioniert prima, gerade weil auch meine Kolleginnen die gleichen Probleme kennen, wenn es darum geht, die Arbeit in der Produktion mit dem Privaten gut zu vereinbaren.“

Potinius ist Schulelternsprecherin, ihre zehnjährige Tochter will regelmäßig zum Sport, oft stehen Arztbesuche oder Kindergeburtstage an. „Die Kinder bestimmen die freie Zeit neben der Arbeit“, sagt die 36-Jährige. Ihre vierjährige Tochter hat noch keinen Platz in einer Kindertagesstätte. Abwechselnd mit ihrem selbstständigen Mann kümmert sich Potinius um die Betreuung. „Als Mama fühlt man sich ständig belastet“, sagt sie. Die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit flexibel einteilen zu können, kommt Potinius da sehr entgegen.

Momentan läuft das Projekt bei Volkswagen Emden mit zwei Teams, in denen sich jeweils vier Beschäftigte organisieren. Für den jeweiligen Arbeitsplatz wurden alle vorab entsprechend qualifiziert. „Wir machen mit dem Modell so gute Erfahrungen, dass wir es weiter ausbauen wollen“, sagt Betriebsrätin Christa Neemann.

Wegen der Kita-Öffnungszeiten können einige Beschäftigte erst um 8.30 Uhr im Betrieb sein, die Morgenschicht aber beginnt bereits um 6 Uhr. Im Teilzeitprojekt federn die Kolleginnen und Kollegen das selbstorganisiert ab. „Im Produktionsablauf entstehen dem Arbeitgeber keine Lücken, weil die Beschäftigten den Arbeitsplatz gemeinsam ausfüllen und Sorge dafür tragen, dass die Schichtzeiten abgedeckt sind“, sagt Betriebsrätin Christa Neemann. Während der Schichten wechseln sich die Beschäftigten fließend ab ― sei es direkt am Arbeitsplatz oder während der Pausen, das entscheiden sie eigenständig.


Flexible Arbeitszeiten

Ob Mann oder Frau, ob mit Kind oder ohne ― Vereinbarkeit ist für alle wichtig. Das Privatleben darf nicht in die Nebenrolle gedrängt werden. Die Beschäftigtenbefragung der IG Metall 2017 hat ergeben, dass die Beschäftigten Arbeitszeiten wollen, die zum Leben passen. Diesen Wunsch haben die Betriebsräte bei VW Emden aufgegriffen und das Projekt „Agiles Arbeiten in Teilzeit“ angestoßen. „Das Konzept orientiert sich an unseren Bedürfnissen, den Bedürfnissen der Beschäftigten“, sagt Silke Potinius. „Und so soll das auch sein.“

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