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Umgang mit Corona bei Outokumpu
Kreative betriebliche Lösungen

Flexible Arbeitszeiten schaffen, tarifliche Möglichkeiten nutzen, mobiles Arbeiten ermöglichen und jede Menge Solidarität zeigen – das sind Maßnahmen, die Beschäftigten und Betrieben Sicherheit in Corona-Zeiten geben. Der Betriebsrat von Outokumpu macht’s vor.


Auf einmal musste Ralf Heppenstiel und seine Kolleginnen und Kollegen kreativ werden. Während draußen das öffentliche Leben aufgrund der Corona Bedrohung immer weiter eingeschränkt wurde, mussten sich im mittelhessischen Dillenburg die Betriebsräte des Flachstahlerzeugers Outokumpu Nirosta überlegen, wie nun der Betrieb so weiterlaufen kann, dass Beschäftigte und ihre Arbeitsplätze geschützt sind.

Keine ganz leichte Aufgabe. Doch der Konzernbetriebsratsvorsitzende Heppenstiel ist ein echter Metaller und weiß wie man anpackt. Er und sein Gremium wurden kreativ und fanden schnell praktische Lösungen, die sie gemeinsam mit der Geschäftsleitung nun umsetzen.


Flexible Arbeitszeit

Mindestabstand wahren. Das ist der Ratschlag, den Virologen nun allen Bürgerinnen und Bürgern nahebringen. Klingt logisch, ist nur im normalen Arbeitsalltag oft nicht so leicht einzuhalten. Doch der Outokumpu-Betriebsrat hat dafür eine Lösung gefunden. Die Gleitzeit wurde ausgeweitet, so dass weniger Beschäftigte gleichzeitig vor Ort anzutreffen sind.

Von 6 bis 22 Uhr sind nun die Tore geöffnet. Das gilt nicht nur für die Kolleginnen und Kollegen, die in der Verwaltung tätig sind oder die Projektarbeit verfolgen. Die neue Gleitzeitregelung wurde auch für die etwa 100 Beschäftigten im Erhaltungsbetrieb eingeführt.

Besonders genial: Mit der Ausweitung der Gleitzeit ist auch den Kolleginnen und Kollegen geholfen, die kleine Kinder haben. Viele Beschäftigte sind durch die Kita- und Schulschließung vor erheblich Probleme gestellt worden, insbesondere wenn der Partner auch berufstätig ist. Doch durch die nun äußerst flexiblen Arbeitszeiten können sich Outokumpu-Beschäftigte die Kinderbetreuung mit ihrem berufstätigen Partner gut aufteilen.


Mobiles Arbeiten ermöglichen

Wer am Computer arbeitet, kann das meist ortsungebunden tun. Die Technik macht’s möglich, doch sie muss genutzt und organisiert werden. So arbeitete Konzernbetriebsratschef Heppenstiel die letzten Tage stark daran, VPN-Zugänge für die Kolleginnen und Kollegen, beispielsweise aus der Verwaltung, zu organisieren. „VPN“ steht für „Virtual Private Network“ und bedeutet nichts anderes, als dass die Beschäftigten sich dann von zuhause ins Firmennetzwerk einloggen können.


Tarifliche Möglichkeiten nutzen

Beschäftigte in der Eisen- und Stahlindustrie können die zusätzliche tarifliche Vergütung in freie Tage wandeln. Diese Möglichkeit nutzen Stahlwerker bei Outokumpu zur Überbrückung der Krisenzeit. Das hilft den Beschäftigten, aktuell aber auch dem Betrieb.

Die Möglichkeit eröffnet der Tarifabschluss in der Eisen- und Stahlindustrie von 2019. Denn dieser besagt, dass alle Beschäftigten ab diesem Jahr eine zusätzliche tarifliche Vergütung erhalten, die im Juli ausgezahlt wird. Sie ist tarifdynamisch, das heißt, sie wird regelmäßig erhöht. Die Beschäftigten können diese Vergütung in freie Tage umwandeln. Es sind bis zu fünf freie Tage möglich. Ihre Anzahl bestimmt sich nach der Gesamtmenge der Anträge in einem Betrieb.
 

Risikogruppen definieren

Heppenstiel und seine Betriebsräte sind gerade dabei, eine „Risikogruppenliste“ zu erstellen. Darauf stehen alle, für die das Coronavirus besonders gefährlich werden könnten: Sprich – die älteren Kolleginnen und Kollegen und die, die eine Vorerkrankung haben. „Wer zum Beispiel gerade eine Chemotherapie hinter sich hat, kommt auf die Liste“, erklärt Heppenstiel. Ziel ist dann, diese Beschäftigten für die nächste Zeit bezahlt freizustellen.


Solidarität leben und Humor behalten

Metallerinnen und Metaller halten zusammen. Besonders wenn’s eng wird, ist darauf Verlass. Eng wird’s gerade bei der Kinderbetreuung. Seit Montag sind die Kitas und Schulen zu. Der Betriebsrat bei Outokumpu hat zwar schon mit der Ausweitung ihrer Gleitzeit für Unterstützung für die Beschäftigten gesorgt, doch Heppenstiel hat noch eine weitere Idee. Er versucht die Eltern aus den verschiedenen Schichten so zu organisieren, dass sie gegenseitig auf ihre Kinder aufpassen können. Und wenn das nicht funktionieren sollte? „Ich hab ein großes Büro. Also: Ihr Kinderlein kommet“, scherzt Heppenstiel. Auch in der Krise hat er seinen Humor nicht verloren. Zum Glück!

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