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Lohnentwicklung in tarifgebundenen Branchen und Unternehmen positiv. Foto: Thomas Aumann/Fotolia.de

Lohnentwicklung in tarifgebundenen Branchen und Unternehmen

Tariflöhne sind nicht das Problem

25.10.2010 Ι Der Aufschwung ist da und die Löhne müssen steigen. Darüber sind sich alle einig - außer den Arbeitgebern. Aber das ist ja auch so üblich. Unüblich ist, dass der FDP-Wirtschaftsminister in den Chor derer einstimmt, die höhere Löhne fordern. Denn eigentlich kriegen die Tarifparteien das in Deutschland auch sehr gut alleine hin. Das eigentliche Problem ist der Niedriglohnsektor - darum sollte sich die Bundesregierung kümmern.

Der Tarifabschluss in der Stahlbranche zeigt es: die Arbeitnehmer werden am Aufschwung beteiligt und Leiharbeit kann reguliert werden. Mit erfolgreicher Tarifpolitik. Die Bundesregierung und ihr zuletzt so agiler Wirtschaftsminister sollten sich deshalb vor allem darum kümmern, dass gute Tarofpolitik auch weiterhin möglich ist und dass der Niedriglohnsektor reguliert wird.

Höhrere Löhne in tarifgebundenen Unternehmen
Von 2000 bis 2008 ist die gesamte Wirtschaftsleistung in Deutschland um 21 Prozent gewachsen. Bei gleichbleibender Einkommensverteilung hätten Arbeitnehmerentgelte sowie Gewinn- und Vermögenseinkommen in ähnlichem Maße wachsen müssen. Das war insgesamt nicht der Fall: Während die Summe der Arbeitnehmerentgelte um 11,4 Prozent zulegte, stiegen die Gewinne und Vermögenseinkommen fast fünf mal so schnell (+54,7%). In tarifgebundenen Branchen sieht das jedoch anders aus: Die Pro-Kopf-Effektivverdienste in der Metall- und Elektroindustrie sind mit 20,6 Prozent deutlich stärker gestiegen, als in der Gesamtwirtschaft (+10,5 Prozent) und etwas schneller als im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt (+18,1 Prozent).

Der erfolgreiche Krisenabschluss
In der Krise hat die IG Metall die passende tarifpolitische Antwort gefunden und vor allem die Arbeitsplätze gesichert. Und trotzdem konnte im Tarifabschluss von 2008 für das Krisenjahr 2009 eine Entgelterhöhung von 4,2 Prozent durchgesetzt werden. Damit konnten auch die Einbußen, die durch Kurzarbeit entstanden sind, gemildert werden. In den meisten Unternehmen wird die Kurzarbeit nun wieder wieder reduziert oder ist bereits eingestellt worden. Damit wirkt die Entgelterhöhung nun voll. Ab April 2011 gibt es dann nochmal 2,7 Prozent mehr Geld. Und diese Erhöhung kann bei Bedarf auch noch um zwei Monate vorgezogen werden. Bei Daimler beispielweise wird dies  aktuell diskutiert. Mit dem Tarifabschluss von 2008 hat die IG Metall gezeigt, wie wichtig tarifpolitische Instrumente in der Krisenbewältigung und Konjunkturstabilisierung sind.

Der Durchbruch in der Leiharbeit
Mit dem aktuellen Tarifabschluss für die Stahlindustrie ist es der IG Metall mit ihren Mitgliedern erstmals gelungen, den Equal-Pay-Grundsatz in einem Flächentarifvertrag zu verankern. Leiharbeitern steht nun für gleiche Arbeit auch das gleiche Geld zu. Arbeitsmarktpolitisch ist das eine der größten Baustellen - aber gleichzeitig auch eine der größten Chancen - für die Regierung: Wenn es Schwarz-Gelb und Wirtschaftsminister Brüderle mit dem fairen Anteil am Aufschwung für die Arbeitnehmer ernst ist, haben sie hier die Möglichkeit, das unter Beweis zu stellen. Der Niedriglohnsektor muss gestzlich reguliert werden.

Sinkende Tarifbindung drückt Löhne
Damit erfolgreiche Tarifpolitik greifen kann, müssen die Unternehmen auch tarifgebunden sein. Viele Branchen sehen sich allerdings mit einer sinkenden Tarifbindung der Unternehmen konfrontiert. So ist in der Metall- und Elektroindustrie zum Beispiel eine deutliche Lücke zwischen der ausgehandelten Tariflohnerhöhungen und den effektiv gezahlten Stundenverdiensten zu erkennen. Ein immer größerer Teil der Unternehmen in vielen volkswirtschaftlichen Sektoren unterlag noch nie der Tarifbindung.

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