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Endlos Arbeiten?

Warum die Flexi-Rente ein trojanisches Pferd ist

12.05.2016 Ι Selbst entscheiden, wann die Rentenzeit beginnt - das ist der Wunsch der meisten Beschäftigten. Doch die sogenannte Flexi-Rente zielt genau in die andere Richtung: Die Menschen sollen zum Weiterarbeiten gedrängt werden. Was die IG Metall stattdessen vorschlägt.

Er ist gerade 68 Jahre alt geworden, arbeitet aber jeden Tag Vollzeit. Er hat zum wiederholten Mal einen befristeten Arbeitsvertrag. Und sein Arbeitgeber zahlt keinen Cent in die Sozialversicherung. So sieht nach dem Willen der Regierungskoalition der Beschäftigte der Zukunft aus.

 

Union und SPD haben sich auf die sogenannte Flexi-Rente geeinigt. Demnach müssen Unternehmen in Zukunft keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung mehr zahlen, wenn sie Menschen im Rentenalter beschäftigen. Das entspricht den Vorstellungen vieler Arbeitgebervertreter. Aus Rentnern könnten nun vielerorts rentenberechtigte Arbeitnehmer werden.

 

Einen ersten Erfolg hatte die Arbeitgeber-Lobby bereits 2014 verbucht. Im damals verabschiedeten Rentenpaket findet sich folgende Regelung: Per Arbeitsvertrag können Arbeitgeber und Beschäftigte das Ausscheiden aus dem Job durch Kettenbefristungen mehrfach hinausschieben.

 

Junge unter Druck

Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, kritisiert den Koalitionsbeschluss scharf: "Durch die Streichung der Arbeitgeberbeiträge zur Arbeitslosenversicherung wird die Arbeit der Älteren billiger - das setzt die Jüngeren unter Druck und schadet den Sozialkassen."


Gleichzeit ignoriere die Flexi-Rente eine wichtige Frage: "Im Plan von Union und SPD fehlen echte Übergangsoptionen für diejenigen, die nicht bis zum Rentenalter von künftig 67 Jahren durchhalten können", sagt Urban.


Er bezeichnet die Flexi-Rente als "trojanisches Pferd": Außen hübsch, innen gefährlich. "Mit der Flexi-Rente droht nicht nur eine Verschiebung, sondern eine Aufhebung der Grenze zwischen Arbeitsleben und Ruhestand. Das Ziel: eine generelle Verlängerung der Lebensarbeitszeit."

 

Falsche Ziele

Damit ist die Flexi-Rente das Gegenteil von dem, was die meisten Menschen in Deutschland wollen. Das zeigt eine Beschäftigtenbefragung der IG Metall, an der sich mehr als einen halbe Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beteiligt haben. Demnach rechnet nur ein Drittel der Beschäftigten damit, bis zum regulären Rentenalter arbeiten zu können.

 

Gleichzeitig erwarten nur noch acht Prozent der Bevölkerung, dass sie von der gesetzlichen Rente später einmal gut leben können. Das zeigt eine Umfrage von Infratest im Auftrag der IG Metall.

 

Die IG Metall fordert deshalb eine grundsätzlich andere Rentenpolitik. "Wir brauchen ein flexibles Rentenrecht, mit mehr Wahlmöglichkeiten und fairen Bedingungen für den Altersausstieg", erklärt Hans-Jürgen Urban. "Dazu gehören vor allem die Stärkung der Altersteilzeit, Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente und eine generelle Stärkung der gesetzlichen Rente."

 

Negativer Trend gestoppt

Die Erwerbsminderungsrente ist ein besonders drastisches Beispiel für die Abschaffung flexibler Altersübergänge. Seit 2001 wurden die Regeln derart verschärft, dass rund die Hälfte der Menschen mit stark eingeschränkter Erwerbsfähigkeit die geforderten Bedingungen nicht mehr erfüllen. Wem die Erwerbsminderungsrente verwehrt bleibt, der landet allzu oft in der Langzeitarbeitslosigkeit. Andere flexible Renteneintrittsarten wurden schon in den 1990er Jahren gestrichen: Die Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder die Rente nach Altersteilzeit.

 

In den vergangenen zwei Jahren wurde der negative Trend gestoppt, auch auf Druck der IG Metall. Die Rente ab 63 hat für viele Jahrgänge neue Flexibilität beim Renteneintritt geschaffen. Nun gilt es, den Sinkflug beim gesetzlichen Rentenniveau zu stoppen. Die sogenannte Flexi-Rente hilft bei all dem nicht weiter.

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