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© (Archv) Heiko Stumpe

Bombardier

Alle Standorte gesichert

19.04.2018 Ι Der Zugbauer Bombardier wollte rund 2500 Stellen in Deutschland streichen, Standorte waren in Gefahr. Dagegen wehrten sich Belegschaft und IG Metall- mit Erfolg: Bis Ende 2019 sind betriebsbedingte Kündigungen nun ausgeschlossen. Alle Standorte bleiben erhalten.

Es war ein langer Weg, eine steinige Strecke. Manchmal waren sie beinahe am Ende ihrer Kräfte, manchmal wussten sie nicht, wie sie noch ins Ziel kommen sollten. Aber aufgeben? "Niemals", sagt Volkmar Pohl, "das kam für uns nicht in Frage." Also haben sie weitergemacht: Gemeinsam mit den Beschäftigten haben sie Protest organisiert, Aktionstage initiiert, die Politik auf ihre Seite gezogen. Gemeinsam haben sie für die Zukunft ihrer Arbeitsplätze und den Erhalt der Werke gekämpft.



Lautstarker Protest: Am Bombardier-Standort in Görlitz demonstrieren Beschäftigte für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. (Foto: Pawel Sosnowski)


Jetzt, nach zwei Jahren, sind sie an einem wichtigen Zwischenziel angekommen: "Wir haben eine Zukunftssicherung für Standorte und Beschäftigung in Deutschland erreicht", sagt Volkmar Pohl, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Bombardier in Deutschland. "Es waren harte Verhandlungen. Aber sie haben sich gelohnt."


Alle deutschen Bombardier-Standorte bleiben erhalten

Wie sehr wird klar, wenn man einen Blick auf die Pläne des Schienenfahrzeugherstellers wirft: Ende 2016 hatte der kanadische Konzern angekündigt, weltweit 7500 Stellen zu streichen, insgesamt 5000 davon sollten in der Bahntechnik wegfallen, deren Schwerpunkt in Deutschland liegt. Elf deutsche Standorte unterhält der Konzern, rund 8500 Menschen arbeiten hier. Von den angekündigten Abbauplänen waren insbesondere die fahrzeugproduzierenden Werke in Bautzen, Görlitz und Henningsdorf betroffen. Es gab Überlegungen, das Werk in Görlitz zu schließen und in Henningsdorf 90 Prozent der Produktion abzuwickeln. Das ist abgewendet.


Nicht nur das Görlitzer Werk ist mit dem Verhandlungsergebnis gesichert. Alle elf deutschen Bombardier-Standorte bleiben erhalten. Der weitere Restrukturierungsprozess wird durch die IG Metall eng begleitet. Dabei steht die Standortsicherung über die Laufzeit der Vereinbarung hinaus im Fokus, denn die Standorte Görlitz und Hennigsdorf sind von der Neuausrichtung des Unternehmens in besonderem Maße betroffen.


Betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2019 ausgeschlossen

Vereinbart werden konnte dazu der Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen bis zum 31. Dezember 2019. Nicht zu vermeiden war dagegen ein Freiwilligenprogramm, das einen maximalen Personalabbau von bis zu 1513 Beschäftigten vorsieht. "Das war aufgrund der wirtschaftlichen Lage, in der das Unternehmen steckt, nicht wegzubekommen", sagt Volkmar Pohl. "Wichtig ist, dass alles sozialverträglich unter dem Aspekt der Freiwilligkeit umgesetzt wird."


Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen hat den Interessensausgleich und Sozialplan für die IG Metall mitverhandelt. "Die Gesamtbetriebsvereinbarung ist ein wichtiger erster Schritt für die Zukunft der Standorte", sagt Olivier Höbel. "Problematisch bleibt, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in Leiharbeit bei Bombardier nicht vom Interessenausgleich und Sozialplan geschützt werden konnten, weil sie nicht Beschäftigte des Unternehmens sind."


Umgebaut wird viel im Konzern in den kommenden Jahren - das soll, so ist es vereinbart, im engen Austausch zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat geschehen. "Wir haben einen Beteiligungsmechanismus auch in wirtschaftlichen Angelegenheiten vereinbart", sagt Volkmar Pohl, "das ist wichtig, denn unter den drei ostdeutschen Standorten werden Aufgaben völlig neu verteilt." In Bautzen wird künftig die Serienfertigung kompletter Züge, Straßenbahnen und U-Bahnen angesiedelt. Hennigsdorf konzentriert sich auf Forschung- und Entwicklungsaufgaben und behält dazu einen Teil der Fertigung. Die künftige Ausrichtung von Görlitz ist der Rohbau von Wagenkästen. Das schließt auch den Rohbau von Straßenbahnen ein. Auch an den übrigen Standorten werden Zuständigkeiten gebündelt: In Mannheim wird die Forschung und Entwicklung für Lokomotiven und Antriebe gebündelt, in Kassel werden die Loks produziert, in Siegen Drehgestelle. 


Produktion soll nach Plattformprinzip standardisiert werden

Ziel der Spezialisierung ist es, Doppelarbeit zu vermeiden und so mehr Effizienz und Qualität zu erreichen. "Die Produktion soll nach dem Plattformprinzip standardisiert werden", sagt René Straube, Betriebsratsvorsitzender im Görlitzer Bombardier-Werk. Was das bedeutet? Nun, sagt René Straube, momentan existieren in Europa mehrere verschiedene Doppelstockplattformen, davon werden allein zwei in unterschiedlicher Materialausführung in Görlitz gefertigt. "Die Idee einer einheitlichen Plattform und standardisierten Fertigung liegt auf der Hand."


Dafür werden jetzt die Voraussetzungen geschaffen: Bis Ende 2019 wird das Unternehmen über acht Millionen Euro in das Werk investieren um die Produktion zu standardisieren. "Damit ist es aber nicht getan", sagt René Straube. "Es geht auch darum, die Beschäftigten mitzunehmen und Sorgen vor der Umstrukturierung zu nehmen."

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Werner Bachmeier
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