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Beteiligungskampagne bei Daimler. Fotos: Gustavo Alàbiso

Beteiligungskampagne beim Autobauer Daimler

Notwendig ist eine neue Vertrauenskultur

30.11.2015 Ι Seit Anfang des Jahres läuft die Beteiligungskampagne beim Autobauer Daimler. Unterstützt wird sie von Gesamtbetriebsrat, IG Metall und dem Unternehmen. Thema ist mobiles Arbeiten. In Workshops diskutieren die Beschäftigten engagiert über ihre Erwartungen, Befürchtungen, Sorgen und Hoffnungen.

Tür zu, Visier hoch, los geht's und bitte keine Hemmungen, wir sind hier unter uns: "Was wir brauchen, das ist eine neue Vertrauenskultur ", sagt also ein Kollege aus der Logistik. "Solange mir tendenziell unterstellt wird, wenn ich von daheim arbeite, arbeite ich nicht richtig, so lange haben wir ein Problem." "Ja ", pflichtet eine Kollegin aus der Verwaltung bei, "ich arbeite einen Tag in der Woche von daheim, da schicke ich immer viele Mails raus, um zu zeigen, dass ich auch zu Hause fleißig bin. Grundsätzlich aber ist mobiles Arbeiten eine tolle Sache. Es hilft mir, Leben und Arbeit gut miteinander zu vereinbaren. "

"Alles richtig ", sagt da ein Kollege aus der Produktion, "aber wie sorgen wir dafür, dass aus den neuen Freiheiten keine neuen Belastungen wachsen? Muss ich, wenn ich mobil erreichbar bin, auch immer erreichbar sein? Diese Fragen müssen wir diskutieren."


Mobil arbeiten

Genau deshalb sind sie heute Morgen hierhergekommen, in das Gebäude der betrieblichen Bildung von Daimler in Gaggenau: Teamleiter, Meister, Sachbearbeiter, insgesamt 40 Kolleginnen und Kollegen aus dem Presswerk, aus der Logistik, aus der Verwaltung, aus allen Bereichen des Standorts. Gemeinsam wollen sie einen Vormittag lang darüber diskutieren, welche Erwartungen und Befürchtungen, Sorgen und Hoffnungen sie mit mobilem Arbeiten verbinden. "Mobiles Arbeiten geht jeden was an ", sagt Petra Funke, Betriebsrätin am Standort, die mit ihrem Kollegen Frank Fellmoser, Teamleiter im Personalbereich Gaggenau, den Workshop organisiert hat. "Deshalb haben wir einen Beteiligungsprozess organisiert."

Seit Anfang des Jahres läuft nun die Beteiligungskampagne bei Daimler, die von Gesamtbetriebsrat, IG Metall und dem Unternehmen gemeinsam getragen und vom Fraunhofer-Institut IAO, wissenschaftlich begleitet wird. In einem ersten Schritt wurden 82 500 Beschäftigte aus Verwaltung und produktionsnahen Bereichen eingeladen, sich an einer Befragung zu beteiligen.

Über 33 400 Kolleginnen und Kollegen haben die 34 Fragen zum mobilen Arbeiten beantwortet. Damit ist es gelungen, die gesamte Bandbreite an Meinungen und Erfahrungen der Beschäftigten zum mobilen Arbeiten zu erfassen und ein scharfes Bild zu erhalten. In einem zweiten Schritt werden nun die Ergebnisse in insgesamt 38 Workshops, die an allen Standorten des Unternehmens stattfinden, vertieft analysiert. Schließlich sollen die Ergebnisse zu einer Empfehlung gebündelt werden, die als Grundlage für Verhandlungen im ersten Quartal 2016 über eine Gesamtbetriebsvereinbarung dienen soll.

Bessere Vereinbarkeit

So weit ist es aber noch nicht. Jetzt, kurz nach neun, stellen Valerie Wienken und Alexander Piele vom Fraunhofer Institut die Ergebnisse der Befragung vor - und die weisen auf ein Spannungsfeld, das auch in den Gruppendiskussionen spürbar wird. Einerseits hat mobiles Arbeiten für mehr als 90 Prozent der Befragten eine positive Bedeutung. Die Beschäftigten versprechen sich davon konzentrierteres Arbeiten, weniger unnötigeWege und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Andererseits gibt es Bedenken: Viele haben etwa Sorgen, dass mobiles Arbeiten zur Entgrenzung der Arbeit führt und damit zu mehr Stress. Und die Präsenzkultur wird häufig als dominant beschrieben und als einschränkend erlebt. Im Mittelpunkt der Gruppenarbeitsphase des Workshops stand deshalb diese Frage: "Was muss in einer Gesamtbetriebsvereinbarung geregelt sein, damit ich mich sicher fühle?"  Darüber haben die Beschäftigten an diesem Vormittag diskutiert. Leidenschaftlich, offen, kontrovers, engagiert. Am Ende haben sie nicht alle Fragen beantwortet, aber Gemeinsamkeiten gefunden, Unterschiede benannt, Ziele, Wünsche, Ängste formuliert. "Das freut mich", sagt Petra Funke. "Jetzt geben wir die Ergebnisse weiter."

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