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Berendsen Wäscherei in Glückstadt: Beschäftigte bangen um ihre Jobs. Foto: igmetall-unterelbe.de

Berendsen Wäscherei in Glückstadt: Beschäftigte bangen um ihre Jobs

Beschäftigte sollen billig Wäsche waschen

27.04.2010 Ι Die Belegschaft der Großwäscherei Berendsen in Glückstadt muss um ihre Jobs fürchten, weil das Uniklinikum Schleswig-Holstein (UK S-H) einen Großauftrag an eine Rostocker Dumpinglohn-Firma vergeben will. Für die IG Metall und den Betriebsrat ist das entweder ein Fall für den Rechnungshof oder die Staatsanwaltschaft. Die 120 Beschäftigten hatten von Sonntag auf Montg spontan ihren Betrieb besetzt, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und gegen Lohndumping zu protestieren.

Die Beschäftigten der Großwäscherei Berendsen fürchten, dass der drohende Verlust eines Großauftrages des Uniklinikums Schleswig-Holstein in Kiel und Lübeck (UK S-H) ihre Arbeitsplätze bedroht. Der Auftrag umfasst ein Volumen von vier Millionen Euro. Trotz eines laufenden Ausschreibungsverfahrens hat das Klinikum den Auftrag der Firma Berendsen entzogen und ihn an einen Rostocker Konkurrenten vergeben.

Betriebsbesetzung gegen Dumpinglöhne
Die Berendsen-Belegschaft besetzte am vorigen Wochenende spontan den Betrieb. Mit ihrer öffentlichen Aktion am 24. April 2010 forderten die Beschäftigten die Politiker und die Landesregierung in Kiel auf, nicht tatenlos zuzusehen, dass ab Mai in Glückstadt 120 Arbeitsplätze vernichtet werden. Ihre Jobs hängen zu 80 Prozent von dem Kilnikum-Großauftrag ab. "Die Wut unserer Kolleginnen und Kollegen ist groß, als wir erfahren haben, dass ab 1. Mai 2010 der UK S-H Notversorgungsauftrag vor Ende der Ausschreibung an den Schmutzkonkurrenten Sitex/Wulf geht, der mit Dumpinglöhnen und 'christlichen' Tarifverträgen die Beschäftigten dort ausbeutet", empörte sich Berendsen-Betriebsratsvorsitzender Antonio Gagliardi. 2009 hatte das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass der sogenannte "Christliche Gewerkschaftsbund" (CGB) für gewerbliche Arbeitnehmer nicht tarifzuständig ist. Das betrifft auch die 120 Wäscherei-Beschäftigten bei Berendsen.

Streit über Auftragsvergabe
Die Wäscherei Berendsen hatte den Auftrag bereits im vergangenen Jahr verloren, sich aber mit juristischen Mitteln dagegen gewehrt. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig entschied, dass die Uniklinik den Großauftrag neu ausschreiben muss. Dem ist das Klinikum in der vergangenen Woche nachgekommen. Während der Übergangszeit versorgte Berendsen die UK S-H, die privatisiert werden soll, weiterhin mit einem Notversorgungsauftrag. Obwohl die Ausschreibungsfrist erst Anfang Juni abläuft, soll das Rostocker Wäscherei-Unternehmen bereits schon zum 1. Mai die Wäsche des Universitätsklinikums reinigen. Das hohe Risiko des Wechsels der Notversorgung mitten während der laufenden Ausschreibung einzugehen, sei ein Fall für den Rechnungshof und den Staatsanwalt, stellt Bevollmächtigter Uwe Zabel von der IG Metall Unterelbe klar.

IG Metall fordert Landesregierung auf, Lohndrückerei zu verhindern 
Die IG Metall fordert nun die Kieler Landesregierung auf, gegen Dumpingverträge und Lohndrückerei einzuschreiten und zu verhindern, dass durch die staatliche Vergabepolitik der Methode "Geiz ist geil" 120 Menschen und ihre Familien in Glückstadt arbeitslos werden. Diese "Geiz ist geil"-Politik vernichte in Glückstadt Arbeitsplätze, befürchtet Uwe Zabel.

Berendsen hat bereits angekündigt, die Löhne der Belegschaft zu kürzen, "um weiter bestehen zu können". Das sagte Geschäftsführer Jens Braasch gegenüber NDR 1 Welle Nord. Ansonsten drohten Entlassungen und das Aus für den Standort. Die Beschäftigten erhalten zurzeit etwa neun Euro pro Stunde. Seit Mai 2009 hatte das Unternehmen durch Einsparungen versucht, den Glückstädter Standort zu halten.

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