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Internationaler Frauentag 2010. Foto: picasaweb.google.com

8. März 2011: Internationaler Frauentag

Heute für morgen Zeichen setzen

08.03.2011 Ι Entgeltgleichheit, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine Frauenquote für Führungsposten - diese Themen stehen seit Jahren ganz oben auf der frauenpolitischen Agenda. Denn auch nach 100 Jahren Kampf um politische Beteiligung und ökonomische Unabhängigkeit ist das Ziel der Gleichberechtigung bis heute nicht erreicht. Gerade deshalb ist das Motto des diesjährigen Frauentages so zutreffend: "Heute für morgen Zeichen setzen".

Dass heute viele junge Frauen glauben, es gäbe keine Diskriminierung mehr, kann als Erfolg gewertet werden. Heute sind für die Frauen Ausbildung, Studium, Job und ein eigenes Einkommen selbstverständlich. Trotzdem sind wir von tatsächlicher Gleichstellung noch weit entfernt. Auf dem Papier werden Frauen nicht schlechter behandelt als Männer. Doch Papier ist geduldig. Immer noch gibt es keine Entgeltgleichheit, keine gleichen Karrierechancen oder gute Vereinbarungen zu Familie und Beruf. Deshalb lautet das Motto des diesjährigen Internationalen Frauentag: "Heute für morgen Zeichen setzen".

Immer mehr prekäre Jobs
Nach der Krise startete Deutschland durch. Die Wirtschaft boomt und immer mehr Menschen finden Arbeit. Manche Politiker sprechen sogar vom deutschen Jobwunder. Doch vor allem boomt der Niedriglohnsektor: Minijobs, Leiharbeit, Teilzeit und befristete Jobs. Auf den ersten Blick gibt es immer mehr Arbeitsplätze. Gleichzeitig sinkt jedoch das Arbeitsvolumen. Rechnet man die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden in Vollzeitstellen um, so hat die Beschäftigung abgenommen. In Wirklichkeit wurden die vorhandenen Arbeitsplätze aufgesplittet und die Einkommen gesenkt. Rund die Hälfte aller Teilzeitbeschäftigten erhält eine Bruttoeinkommen von weniger als 800 Euro. Nur knapp ein Fünftel verdient mehr als 1 500 Euro. Diese Einkommen ermöglichen kein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben. Von einer Existenz sichernden Rente ganz zu schweigen. Und betroffen davon sind vor allem Frauen.

Gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit
Aber auch wenn sie Vollzeit arbeiten, erhalten Frauen weniger als Männer. Die Ursachen sind: Meist arbeiten Frauen in schlechter bezahlten Berufen und Branchen und in niedrigeren Gehaltsgruppen. Sie unterbrechen oder verkürzen ihre Berufstätigkeit häufiger und länger als Männer. Hinzu kommt, dass so genannte typische Frauenberufe schlechter bewertet werden als typische Männerberufe. Selbst wenn Frauen genauso gut ausgebildet und im gleichen Alter sind, im gleichen Beruf und im gleichen Betrieb arbeiten, erhalten sie rund zwölf Prozent weniger Geld. Und im Bundesdurchschnitt verdienen Frauen sogar 23 Prozent weniger als Männer. In kaum einem EU-Land ist das Lohngefälle so groß wie hier. In Betrieben mit Betriebsrat fällt der Unterschied geringer aus.

 

Frauen werden von der Politik allein gelassen
Scheinheilig ist es, den Frauen zu unterstellen, sie seien selbst schuld. Denn bei dem tagtäglichen Konflikt zwischen Beruf und Familie werden die Frauen von der Politik allein gelassen. Noch immer sind es die Frauen, die wegen Kinderbetreuung oder der Pflege von Familienangehörigen aus dem Job aussteigen oder kürzer arbeiten. Deshalb sind  gute familienpolitische Rahmenbedingungen notwendig. Es ist keine Hilfe, wenn Merkels Regierungskabinett an die Wirtschaft appelliert, freiwillig die Arbeitszeiten familienfreundlicher zu gestalten oder mehr Frauen in Führungspositionen einzustellen. Notwendig wären stattdessen Kinderkrippen, Tagesstätten und Ganztagsschulen sowie eine gesetzliche Frauenquote.

 

Gleichwertige Lebens- und Arbeitsverhältnisse
Die Regierung hat sich international dazu verpflichtet, den Entgeltunterschied bis spätestens 2010 auf 15 Prozent und bis 2020 auf zehn Prozent zu senken. Für 2010 hat sie das Ziel bereits verfehlt. Für 2020 sehen die Chancen kaum besser aus. Tatsache ist: Die aktuelle Politik benachteiligt die Frauen. Der Europäische Gerichtshof verlangt zwar, dass Frauen und Männer in unterschiedlichen Berufen und Branchen ein Recht auf gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit haben. Doch um diesen Anspruch umsetzen zu können, sind vor allem Kriterien nötig, um die Gleichwertigkeit von Tätigkeiten zu prüfen.  Deshalb fordern die Gewerkschaftsfrauen zum diesjährigen Internationalen Frauentag vor allem gleichwertige Lebens- und Arbeitsverhältnisse für Männer und Frauen.

  • Die Gleichbehandlung aller Arbeitsverhältnisse und deren Einbezug in die Sozialversicherung
  • Existenzsichernde gesetzliche Mindestlöhne
  • Eine gesetzliche Frauenquote für Vorstände und Aufsichtsräte
  • Das Recht auf einen Kindergartenplatz ab dem ersten Lebensjahr sowie
  • Gesetzliche Regelungen für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft
  • Eindämmung prekärer Jobs und des Niedriglohnsektors 
  • Die Abschaffung des Ehegattensplittings

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Links und Zusatzinformationen
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Geschichte
8. März: Internationaler Frauentag

Der Internationale Frauentag geht auf die Arbeiterinnenbewegung Mitte des 19. bis 20. Jahrhunderts zurück. Damals demonstrierten und streikten in den USA die Textilarbeiterinnen. Der erste Internationale Frauentag fand am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Für das Wahlrecht für Frauen gingen über eine Million Frauen  auf die Straße - eine bis dahin beispielslose Massenbewegung.

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