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Aesculap in Tuttlingen: Betriebsrat Ekkehard Rist erläutert Zukunftssicherungsvertrag

Zukunftssicherungsvertrag bei Aesculap in Tuttlingen

"Belastung der Beschäftigten reduziert"

23.12.2010 Ι IG Metall und Betriebsrat haben sich mit dem Vorstand von Aesculap Tuttlingen auf einen Zukunftssicherungsvertrag geeinigt. Dieser sichert nicht nur für die nächsten fünf Jahre krisenfest den Standort des baden-württembergischen Herstellers von chirurgischen Instrumenten. Er bietet auch Chancen für ein neues und verbessertes Wachstum. Im Gespräch erläutert der Betriebsratsvorsitzende Ekkehard Rist die Vereinbarung.
Was hat Aesculap am Standort Tuttlingen in den nächsten Jahren vor?
Das Unternehmen will ein neues Werk für die Fertigung von Motorensystemen und Sterilcontainern bauen. Dafür sollen rund 50 Millionen Euro investiert werden. Die Folgeinvestitionen belaufen sich in etwa auf denselben Betrag, und zwar für den technischen Service, die Lehrwerkstatt und für eine verbesserte Parkplatzsituation der Beschäftigten. Das ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte von Aesculap. Die heutigen Kernbereiche der Fertigung - zum Beispiel chirurgische Instrumente und Container, Orthopädie, Motorensysteme und Neurochirurgie - bleiben in Tuttlingen erhalten.

Warum ist dafür ein Tarifvertrag erforderlich?
Weil die Standortentwicklung bereits in den letzten zehn Jahre positiv verlaufen ist, war die IG Metall bereit, in einem Paket auch wieder über Beiträge der Beschäftigten zu verhandeln. Nach vielen Vorgesprächen in der Tarifkommission war dabei der Maßstab allerdings auch klar: Die Belastung der Beschäftigten muss insgesamt reduziert werden.

Ist das gelungen?
Ja, das konnten wir durchsetzen. Die Anzahl der Stunden, die die Mitarbeiter zusätzlich leisten, reduziert sich von 150 auf 120. Diese 120 Stunden werden bei der Regelung der Erfolgsbeteiligung jetzt auch komplett berücksichtigt.

Kommen die Beschäftigten dem Unternehmen damit nicht ein ganz gewaltiges Stück entgegen?
Natürlich sind die Beiträge der Beschäftigten erheblich. Der Vorstand hat dies ausdrücklich gewürdigt. Aber wir haben die Gesamtbelastung für die Belegschaft reduziert. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis zum Ende der Laufzeit des Vertrags 2015 ausgeschlossen. Und es werden in den nächsten Jahren Arbeitsplätze geschaffen. Es geht uns um die Zukunftssicherung für die nächsten Generationen. Das ist also ein fairer Kompromiss für die Zukunft am Standort Tuttlingen.

War das ein einfacher Kompromiss?
Nein, das zeigen die langwierigen Verhandlungen. Der Vorstand hatte weitergehende Wünsche. Sie wurden verhindert, weil sich die Verhandlungskommission zu jeder Zeit auf die Unterstützung der Tarifkommission und der IG Metall-Vertrauensleute verlassen konnte. Wir haben immer aufgezeigt, wo die Grenzen der Belegschaft erreicht waren. Unsere Kommunikationsstrategie ist somit voll aufgegangen.

Was habt Ihr noch durchsetzen können?
Vereinbart wurde, dass die Auszubildenden unbefristet übernommen werden. Außerdem steigt die Zahl der Ausbildungsplätze auf 75 pro Jahr, wobei zehn Bewerber berücksichtigt werden, die einer besonderen Förderung bedürfen. Das Unternehmen erhöht die Teilzeit- und Job-Sharing-Angebote und verbessert damit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wir werden auch dafür sorgen, dass Leistungsgeminderte im Unternehmen eine berufliche Perspektive behalten.

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