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Weltarbeitsbericht der ILO beschreibt angespannte Lage

Sparpolitik belastet Arbeitsmärkte weltweit

03.05.2012 Ι Die Internationale Arbeitsorganisation ILO kritisiert in ihrem Weltarbeitsbericht 2012 die Sparpakete der Regierungen und die Reformen an den Arbeitsmärkten. Diese hätten zum Abbau von Arbeitsplätzen geführt und seien für den Anstieg von Arbeitslosigkeit, Armut und Ungleichheit in der Welt verantwortlich.

Als problematisch wird die Lage auf dem europäischen Arbeitsmarkt gesehen. Die Sparpolitik der Regierungen hätte hier "zerstörerische Auswirkungen" gezeigt. In zwei von drei EU-Ländern ist die Arbeitslosigkeit seit 2010 gestiegen. Die Beschäftigungsrate in Europa werde frühestens 2016 wieder Vorkrisenniveau erreichen. Raymond Torres, Direktor des ILO Forschungsinstituts und Autor des Berichts, befürchtet, dass sich die Beschäftigungssituation in Europa noch verschlechtern und in vielen anderen Ländern der Welt nicht mehr verbessern wird. Bis Ende 2012 könnten weltweit 202 Millionen Menschen arbeitslos sein, das wären um sechs Millionen mehr als ein Jahr zuvor.

Mehr Armut und Ungleichheit
Der ILO-Bericht "World of Work Report 2012 - Better jobs for a better economy" stellt zudem fest, dass die Krise in der Hälfte aller Industrieländer und in einem Drittel der Entwicklungs- und Schwellenländer zu mehr Armut und Ungleichheit geführt hat. In 57 von 106 untersuchten Ländern stieg das Risiko für soziale Unruhen, am höchsten ist es in Afrika und im Nahen Osten. In einigen lateinamerikanischen und asiatischen Ländern hingegen, wo die Beschäftigung und teilweise auch die Qualität der Arbeit gesteigert werden konnte, ging dieses Risiko zurück.

Besonders Jugendliche sehen sich in den meisten Ländern vor besonderen Schwierigkeiten, wenn sie Arbeit suchen. Fast überall ist die Langzeitarbeitslosigkeit stark angestiegen. In den Ländern, wo Arbeitsplätze neu geschaffen wurden, sind diese oft nur befristet oder auf Basis von Teilzeit.

Europa droht eine neue Rezession
"Die einseitige Betonung von Sparmaßnahmen zumal in den Euroländern vertieft die Beschäftigungskrise und könnte Europa erneut in die Rezession bringen", kritisiert Raymond Torres. "Länder, die sich für eine beschäftigungsorientierte Wirtschaftspolitik entschieden haben, haben sowohl wirtschaftlich als auch sozial bessere Ergebnisse erzielt."

25 Prozent hierzulande in atypischer Beschäftigung
Für Deutschland hat die ILO einen eigenen Kurzbericht erstellt. Darin heißt es, dass dank starker Exporte vor allem außerhalb der Eurozone sowohl das Wirtschafts- als auch das Beschäftigungswachstum stark blieben. Problematisch ist hierzulande aber der hohe Anteil von Niedriglöhnern und atypisch Beschäftigten. 25 Prozent arbeiten in Kurzzeitverträgen, Teilzeitarbeit, in Mini-Jobs oder in Zeitarbeit. Die Stundenlöhne in diesen Beschäftigungsverträgen sind im Schnitt um ein Drittel geringer als die Löhne in normalen Beschäftigungsverhältnissen.

ILO fordert Stärkung der Binnennachfrage
In Deutschland lägen die Investitionen gemessen am Bruttoinlandsprodukt noch immer unter ihrem Vor-Krisen-Niveau. Aufgrund der Eurokrise und des geringeren Wachstums in Ländern außerhalb der Eurozone erwartet die Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen einen Wachstumsrückgang. Aufgrund der ungewissen Aussichten könnten Investitionen weiter verzögert und damit auch das Beschäftigungswachstum gebremst werde. Der Bericht bestätigt die Forderungen der Gewerkschaften und empfiehlt Deutschland, die Binnennachfrage als Wachstumsmotor zu stärken. Dadurch könnte die Abhängigkeit des Beschäftigungswachstums von der Exportentwicklung reduziert werden. Darüber hinaus würde eine starke Binnennachfrage die Bereitschaft für Investitionen stärken, das Außenhandelsungleichgewicht verringern und die Gleichgewichte innerhalb der EU befördern.

Die wichtigsten politischen Herausforderungen für Deutschland sind einerseits eine Verbesserung der Qualität atypischer Beschäftigungsverhältnisse und andererseits die Anpassung der Reallöhne an die Produktivitätsentwicklung. Davon müssten allerdings auch Arbeitnehmer in den unteren Lohngruppen und in den Branchen profitieren, die nicht durch Mindestlöhne oder Tarifverträge abgedeckt sind.

Für eine starke wirtschaftliche, politische und soziale Union
Die Daten aus dem Arbeitsmarktbericht untermauern auch die Forderung nach einer stabileren wirtschaftlichen, politischen und sozialen Union: Wenn in Europa jeder für sich spart und darauf setzt, dass die anderen Wachstum generieren, bricht der Handel innerhalb des Euro-Raumes ein.

Die Berechnungen der ILO legen den Regierungen nahe, ihre Einnahmenseite zu erhöhen: Die UN-Arbeitsorganisation schätzt, dass bei einer Fortsetzung der derzeitigen Sparpolitik bis zum zweiten Halbjahr des nächsten Jahres weltweit nur 0,8 Millionen Jobs neu entstehen werden. Besser könnte die Bilanz aussehen, wenn öffentliche Investitionen und Sozialleistungen erhöht würden. Würde das durch weniger teure Schulden und indirekte Steuern finanziert, könnten 1,8 Millionen Jobs neu entstehen, würde das nur durch mehr indirekte Steuern finanziert, erwartet die ILO 2,1 Millionen zusätzliche Jobs bis zum zweiten Halbjahr 2013.

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