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Verkehrskonzepte

Neue Wege gehen

27.04.2011 Ι Verstopfte Straßen, die Belastung der Umwelt durch den Klimakiller CO2, knapper werdendes Öl - alle reden davon, wie wichtig eine neue Verkehrspolitik ist. Zurzeit konzentriert sich die Diskussion auf Elektroautos. Das ist ein guter Anfang, reicht aber nicht. IG Metall- Verkehrsexpertin Astrid Ziegler beschreibt, warum. Die Zukunft liegt nicht allein auf der Straße: Menschen, Umwelt und Wirtschaft brauchen neue Verkehrskonzepte.
Weil Öl knapp und wahrscheinlich auf lange Sicht teuer wird und weil die Abgase die Umwelt belasten, ist zurzeit wieder viel von neuen Verkehrskonzepten die Rede. Für die IG Metall ist dasThema keineswegs neu. Anfang der 1990er-Jahre hatte sie schon neue Wege aus der Verkehrskrise entwickelt und mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Forderungen an Politik und Wirtschaft formuliert. Sie reichen von schadstofffreier Produktion über weniger Rohstoffverbrauch durch mehr Recycling, emissionsärmeren Fahrzeugen, Ausbau des öffentlichen Verkehrs bis zu einer besseren Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger.

Für die IG Metall spielt die Verkehrsindustrie eine wichtige Rolle: In den Branchen, deren Beschäftigte sie vertritt, sind mehr als 820 000 Menschen direkt mit der Herstellung von Fahrzeugen, Fahrzeugteilen und dazugehöriger Infrastruktur befasst. Die Verkehrsindustrie ist eine Schlüsselbranche mit hohen Innovationen und trägt überdurchschnittlich zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Grundbedürfnis Mobilität
Mobil zu sein ist ein Grundbedürfnis der Menschen. Immer mehr Erwerbstätige sind aber auch beruflich gezwungen, viel zu fahren. In einer Wirtschaft mit zunehmender (weltweiter) Arbeitsteilung ist Mobilität eine Grundlage für Arbeit und Wohlstand. In Zukunft wird der Verkehr weiter wachsen. Bisher rollt er überwiegend über die Straßen. Folgen: zunehmende Überlastung, Flächenverbrauch, Lärm und Umweltprobleme. Umsteuern wird immer dringlicher. Doch ein umfassendes Mobilitätskonzept der Politik ist nicht in Sicht.

Das Interesse konzentriert sich zurzeit auf die Elektrifizierung des Autos. Das reicht aber nicht aus. Schwere Lkws können nicht mit Elektroantrieb gefahren werden. Hier geht es bei Neuerungen zum Beispiel um sparsameren Energieverbrauch, weniger Schadstoffausstoß und um Lärmminderung. Bei der Bahn drehen sich die technologischen Herausforderungen um Themen wie bessere Signaltechnik und auch weniger Lärm. In der Luft- und Raumfahrt geht es unter anderem um die Verwendung kohlefaser-verstärkter Kunststoffe. Im Schiffbau wird erprobt, Öl teilweise durch Windenergie zu ersetzen, Materialien zu verwenden, die Schiffe leichter machen oder das Rumpfdesign zu verändern - alles mit dem Ziel, weniger Treibstoff zu brauchen.

Märkte
Der wichtigste Wachstumsmarkt für die exportabhängige deutsche Verkehrsindustrie sind die bevölkerungsreichen Schwellenländer, vor allem die Megastädte in Asien und Südamerika. In ihnen wird sich der Autoverkehr stärker mit öffentlichen Verkehrsträgern vernetzen müssen. In Deutschland muss sich die Verkehrsindustrie auf die alternde Gesellschaft einstellen, etwa auf das Bedürfnis älterer Menschen nach hoher Sicherheit undKomfort. Beim Güterverkehr sind mehr und gute Verladestationen notwendig, um Transporte von der Straße auf die Schiene oder dasWasser zu bringen.

Zukunftskonzepte
Die Zukunft liegt in integrierten Systemen: Pkws, Lkws, Bahnen und andere Verkehrsmittel müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass sie die Umwelt schonen, Rohstoff sparen, ohne Verluste an Zeit und Lebensqualität optimal genutzt werden können - und bezahlbar bleiben. Hersteller dürfen nicht mehr nur Autos oder Züge verkaufen, sondern müssen Mobilität aus einem Guss anbieten.

Ein Schritt dorthin sind zum Beispiel Car-Sharing-Modelle, wie "Car2go" von Daimler. In Ulm stellt der Konzern Smarts zum Ausleihen bereit. Sie können auf jedem öffentlichen Platz abgestellt werden. GPS und elektronische Datenverarbeitung zeigen, wo sie sich befinden und welche verfügbar sind. Künftig sollen sie über eine Webseite vermittelt und per Smartphone bezahlt werden können. Ein lohnender Schritt: Das Konzept wird mittlerweile nach Amsterdam exportiert.

Innovative Mobilitätskonzepte sind elementar für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Verkehrswirtschaft. Es reicht jedoch nicht aus, in Deutschland nur zu forschen. Hier müssen die neuen Konzepte und -techniken entwickelt und die Verkehrsmittel und Antriebe produziert werden. Zukunft der Verkehrsindustrie muss auch heißen: Zukunft für die hunderttausenden Beschäftigten. Seit die IG Metall Anfang der 90er-Jahre ein Umsteuern angemahnt hat, ist nicht viel passiert, um die Systeme besser zu vernetzen.

Politik ist gefordert
Staatliche Programme für eine bessere Verkehrsinfrastruktur wurden zurückgefahren. Die Privatisierungspläne bei der Bahn führten dazu, dass sie zuwenig in Strecken, moderne Güterzüge und Verteilzentren investiert hat. Die IG Metall fordert von der Politik, die Finanzierung von Verkehrsinfrastruktur nicht weiter auf private Unternehmen zu verlagern. Die Regierung hat die Verantwortung, für bezahlbare Mobilität zu sorgen - denn diese gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Übrigens auch im vernachlässigten ländlichen Raum. Es ist an der Zeit, dass die Bundesregierung und die Europäische Kommission ein zukunftsorientiertes Mobilitätskonzept entwickeln. Die aktuelle "Roadmap" der EU-Kommission ist keine Antwort; sie führt die bisherige Verkehrspolitik eher fort.

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Die Autorin
Astrid Ziegler
Astrid Ziegler, 50, ist promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin und arbeitet in der Grundsatzabteilung beim IG Metall-Vorstand. Schwerpunkte: Industriepolitik, Mobilität, Verkehr.
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