Vosla in Plauen: Tarifbindung, Qualitätsarbeit und Gewinn
Ein Leuchtturm im Vogtland
Der Lampenhersteller vosla GmbH in Plauen ist eine der wenigen tarifgebundenen Firmen in einer Region, deren Industrie einen empfindlichen Aderlass erlebte.
Das Vogtland hat Tausende Arbeitsplätze verloren. Neue entstanden, aber häufig zu schlechteren Bedingungen als zuvor. Vosla ist geblieben. Rund 360 Männer und Frauen stellen hier zu Tariflöhnen Qualitätslampen her. „Für gutes Geld gibt’s gute Arbeit“, bringt es der Betriebsratsvorsitzende Andreas Rother auf den Punkt.
Geschäftsführer Gerhard Liebscher findet es nicht so gut, mit seinen Tariflöhnen fast allein dazustehen. „Wären mehr Betriebe tarifgebunden, würde die Lebensqualität in unserer Region steigen.“ Das würde mehr qualifizierte Mitarbeiter für komplexe Aufgaben anziehen, die hier dringend gesucht werden ― nicht nur bei vosla. Er weiß, Bewerberinnen und Bewerber entscheiden so: Wer gut zahlt, macht das Rennen. Liebscher ist geblieben. 2005 kam er aus Tübingen als Werkleiter ins damalige Philips-Werk nach Plauen, erhöhte die Profitabilität und merkte schnell: Das interessierte die Bosse in der Zentrale nicht. 130 von 550 Leuten mussten gehen. „Das tat weh“, sagt er. Dann sollte das Werk, in dem seit 1948 Lampen für Autos, große Säle und Wohnräume gebaut wurden, geschlossen werden. „Nein“, sagte Liebscher. Mit seinen Erfahrungen aus einem langen Managerleben wagte er den Sprung ins Unternehmerlager. „Wir überzeugten Philips, dass Verkaufen besser war als Schließen, und suchten zügig neue Investoren.“
Besser mit Betriebsrat
Zum „Wir“ gehörten für ihn auch der Betriebsrat und die IG Metall Zwickau. Mitbestimmung und gemeinsames Marschieren führten zum Erfolg: Aus einem Konzernableger wurde 2012 eine eigenständige Firma mit Sitz in Plauen ― mit eigener Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Diese Entscheidung, die so viele Neustarter anders getroffen hatten, wurde belohnt: 2014 bekam vosla den weltweit begehrten RedDotDesign Award ― eine Auszeichnung für neue Industrieprodukte, bei denen einfach alles stimmt in Form und Funktion. Vosla hatte als eine der ersten Firmen eine LED-Glühbirne auf den Markt gebracht, die aussah und warmstrahlte wie die alten Glühlampen. Im gleichen Jahr erhielt vosla auch den Bundespreis Eco-Design. 2015 und 2016 folgten der A’Design Award und der German Design Award. „Das tat uns gut“, sagen Liebscher und Betriebsrat Rother.
Tarifbindung, Qualitätsarbeit und Gewinnerzielung gehen bei vosla Hand in Hand. „Philips ist heute unser größter Kunde“, berichtet Liebscher. Er hat mit seiner Firma das Geld für alle Tariferhöhungen verdient und dazu zehn Millionen Euro aus eigenen Erträgen investiert.
Dass es nun wieder um Tarifforderungen der IG Metall geht, rote Fahnen an seinem Werktor wehen und Warnstreiks Aufmerksamkeit erregen, findet Liebscher immer noch nicht so gut. Aber er hält es aus.
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