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Statements anläßlich der Berliner Aktion "Gute Arbeit - gut in Rente"

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Statements anlässlich der Berliner Aktion "Gute Arbeit - gut in Rente"

Beim Gedanken an meine Rente wird mir jetzt schon mulmig

18.04.2013 Ι Das sagte uns Volker Jebok. Er ist Ingenieur. Doch unabhängig davon, ob Schlossermeister, Sozialpädagogin, Krankenschwester oder Ingenieur - die Menschen können es sich nicht vorstellen, bis zum 67. Lebensjahr zu arbeiten. Deshalb fordert die IG Metall eine Kurskorrektur in der Rentenpolitik.

"Mein Sohn ist so etwas wie meine Altersversorgung", sagt Alexandra Engel und blickt auf ihren Vierjährigen. "Ich gebe mein Bestes, dass es ihm gut geht, dass er eine gute Ausbildung erhält und einen Job findet, mit dem er klarkommt", erzählt die 43-Jährige weiter. Denn dann "kann er mich im Alter, wenn es bei mir mit dem Geld knapp wird, vielleicht auch unterstützen, mir mal ein Brötchen oder einen Kaffee kaufen." Dass die Diplom-Sozialpädagogin aus Berlin ohne finanzielle Sorgen in Rente geht, glaubt sie nicht. Und dass sie als Straßensozialarbeiterin bei einem freien Träger bis 67 arbeitet, kann sie sich auch nur sehr schwer vorstellen. Schließlich, so sagt sie, ist die Arbeit im sozialen Bereich auch schon in jüngeren Jahren sehr anstrengend und zerrt gewaltig an den eigenen Kräften und Nerven.

"Wie soll ich das im Alter bewältigen, wo es schon jetzt an nötiger Grundausstattung fehlt", fragt sie sich. In England, wo sie vorher gearbeitet hat, war das anders, erzählt Alexandra Engel. "Da hatte ich ein Auto zur Verfügung, ein Telefon und habe auch deutlich besser verdient", erinnert sie sich. Dort hat sie sich auch besser abgesichert gefühlt und müsste später weniger auf die Unterstützung durch ihre jetzt noch so kleine vierjährige Rentenversicherung hoffen.

Alexandra Engel, 43, Diplom-Sozialpädagogin, aus Berlin, hat einen vierjährigen Sohn.

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"Beim Gedanken an meine Rente, wird es mir jetzt schon mulmig", sagt Volker Jebok aus Sandling in Niedersachsen. "Im Alter, wenn ich endlich mal Zeit habe und nicht mehr permanent fremd gesteuert bin, will ich schließlich nicht schlechter leben als jetzt." Aber dafür sehe er eher schwarz. "Der Sozialstaat wird immer weiter abgebaut wird." Das zu verhindern, sei eine ganz wichtige Aufgabe der Politik. "Da müssen endlich auch alle Teile der Gesellschaft, Beamte ebenso wie Selbstständige, gleichmäßig ins Sozial- und Rentensystem eingebunden werden", meint Volker Jebok. Der 49-jährige Familienvater arbeitet als Ingenieur bei einem Automobilhersteller. Er arbeitet gerne, aber er ist schon jetzt ordentlich damit beschäftigt, ständig auf dem neuesten Stand der Technik zu sein.

"Die schreitet unglaublich schnell voran, dazu kommen ständige Optimierungsprozesse, die mich immer wieder fordern", erzählt er. "Ob ich das tatsächlich bis 67 schaffe? Ich kann es mir nur schwer vorstellen." Um möglichst lange im Job zu bleiben, so Volker Jebok, wäre es schön, wenn die Arbeitszeiten flexibler wären, er nicht zwangsläufig fünf Tage pro Woche voll arbeiten müsse und er sich eventuell auch mit anderen Aufgabenfeldern auseinandersetzen dürfe.

Volker Jebok, 49, Ingenieur, aus Sandling, hat zwei Kinder

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"Ich fühl mich sehr wohl an meinen Arbeitsplatz", erzählt Remy Durheimer. Der 49-Jährige lebt in seiner französischen Heimat, arbeitet aber schon seit 29 Jahren als Schlossermeister in Karlsruhe. Für seinen Job fährt er täglich von Niederschaeffelsheim, mehr als 50 Kilometer eine Strecke. Sein Beruf macht ihm Spaß, er ist gut integriert, aber "dennoch ist die Arbeit sehr stressig", sagt er. Und auch die langen Anfahrtswege belasten ihn. "Leider gehöre ich zum ersten Jahrgang, der tatsächlich bis 67 arbeiten soll", sagt der Familienvater. Zwar engagiert sich sein Arbeitgeber auch sehr für ältere Mitarbeiter, die dann in Bereiche wechseln dürfen, wo sie sich ein bisschen mehr schonen können. Dennoch: Bis 67 möchte der Schlossermeister aus Frankreich nicht arbeiten.

Durheimers größte Sorge ist die zunehmende Belastung im Alter: "Ich kann mir gut vorstellen, dass ich früher in Rente gehe, um mir diesen Stress nicht mehr täglich antun zu müssen." Der Franzose möchte gesund in Rente gehen, diesen Lebensabschnitt bewusst genießen und vor allem auch mehr Zeit mit Frau und Kindern verbringen. Und noch einen Wusch an die Politik hat er: "Arbeit für alle, dann ist es auch um die Rente besser bestellt."

Remy Durheimer, 49, Schlossermeister, stammt aus Niederschaeffolsheim in Frankreich und arbeitet in Karlsruhe

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"Ich möchte in 35 Jahren nicht beim Sozialamt betteln müssen", sagt Anna Fehmel. Sie ist erst 32 Jahre alt. Und wenn sie an ihre Rente in noch ferner Zukunft denkt, beschleicht sie heute manchmal schon ein bisschen die Angst vorm Rentenalter. "Der Gedanke daran ist schon irgendwie gruselig", erzählt sie. "Ich frag' mich immer wieder mal: Krieg ich wohl noch eine Rente? Wahrscheinlich eher nicht, lautet dann meine Antwort, oder aber zumindest keine wirklich gute, die mir ein sorgenfreies Leben ermöglicht." Schön wäre es, so erzählt sie, wenn sie später im Ruhestand ihren jetzigen Lebensstandard halten könnte und nicht jeden Euro dreimal umdrehen müsste. "Und auch ein Kurzurlaub sollte zwischendurch mal drin sein", hofft sie. "Eine garantierte Mindestrente für wirklich alle Menschen in unserer Gesellschaft, die ein solides und sorgenfreies Leben ermöglicht, sollte deshalb Ziel der Politik sein." Um das zu finanzieren, müssten beispielsweise auch Beamte in die Rentenkasse einzahlen. Und: "Wenn heute vernünftige Löhne gezahlt werden, ist es auch in Zukunft um die Rentenkassen ein bisschen besser bestellt."

Anna Fehmel arbeitet als Projektbearbeiterin in einem Umweltverband, steht oft unter Termindruck, muss Veranstaltungen organisieren, Texte schreiben, die Projekte immer wieder abstimmen. "Das schlägt schon manchmal auf den Magen, auch jetzt schon mit 32", sagt sie, bewundert dabei auch ihre älteren Kollegen und fragt sich: "Ob ich in dem Alter wohl auch noch so kreativ sein kann wie heute?"

Anna Fehmel, 32, angestellte Projektbearbeiterin aus Berlin
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"Ich bin erst 44, der Rücken schmerzt und manchmal tun auch meine Beine weh", sagt Janine Carignan. Die in Berlin lebende Amerikanerin arbeitet als Krankenschwester. "Der Job macht mir Spaß, ich hab' ihn mir ja ausgesucht, aber die tägliche Arbeit mit den Patienten ist schon körperlich anstrengend. Bis 67 halte ich das sicher nicht durch", meint sie und schickt gleich hinterher: "Aber eigentlich kann ich es mir gar nicht erlauben, Rentner zu sein, weder hier noch in den USA. Dafür reicht das Geld zum Leben einfach nicht. Selbst mit Zusatzrente über die Firma, um die ich mich gekümmert habe, habe ich wenig Hoffnung, auf ein sorgenfreies Rentnerdasein." Gerne würde sie wie ihre Eltern mit 62 in Rente gehen, das Leben ohne zeitliche Zwänge genießen und auch mal Urlaub machen "wenn mir danach ist". Aber, so glaubt sie, "so einen unbeschwerten Ruhestand wird es für mich wohl eher nicht geben, leider."

Dabei denkt Janine Carignan nicht nur an sich, sondern auch an ihr Kind, das dann, wenn sie ins Rentenalter kommt, möglicherweise auch noch finanzielle Unterstützung bei seiner Ausbildung benötigt. Wie das gehen soll? "Keine Ahnung", sagt sie. "Da bin ich momentan noch ratlos."

Janine Carignan, 44, Krankenschwester, aus Berlin

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"Alles wird immer teurer, ich komme jetzt schon kaum mit meinem Geld klar, das ich habe", erzählt Bruno Radü. Viel bekommt er nicht, sagt er, "das bewegt sich auf Hartz IV- Niveau." Denn der 22-jährige Berliner ist seit September in einer Maßnahme der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) im Bereich Metall. "Das ist eine berufsvorbereitende Maßnahme", erklärt Bruno Radü, "weil ich bislang leider ohne Schulabschluss bin." Den will er aber nachholen und dann auch eine Ausbildung machen. An eine Rente in 45 Jahren glaubt er nicht. "Ich habe zu hundert Prozent das Gefühl, dass ich da nichts bekomme, dass es dann wohl keine Rente mehr geben wird." Das sei eine richtige Herausforderung für die Politik, das Rentenproblem zu lösen.

"Vielleicht gelingt das ja, wenn mehr in die Rentenkasse einzahlen müssen, zum Beispiel auch die Beamten", sagt er .Brundo Radüs Vorschlag "Vielleicht wäre es auch ganz gut, wenn die Politiker selbst uns mal vorleben, wie wir mit weniger Geld auskommen. Vielleicht kommen die dann ja auf andere Ideen."

Bruno Radü, 22 macht derzeit eine BAB-Maßnahme im Bereich Metall und kommt aus Berlin

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