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Procast Guss in Nortorf bei Rendsburg: Tarifflucht verhindert

© Jens Steffen

Procast Guss in Nortorf bei Rendsburg: Tarifflucht verhindert

Beschäftigte erkämpfen sich Tarifbindung zurück

02.02.2017 Ι Mit Einigkeit und Geschlossenheit haben die Metaller bei der Gießerei Procast Guss in Nortorf bei Rendsburg ihr Ziel erreicht: Die Rückkehr des Arbeitgebers in den Flächentarifvertrag sowie eine verbindliche Zusage, in Arbeitsplätze und Standort zu investieren.

"Das war nur möglich, weil die Belegschaft zusammensteht und als Team zusammenarbeitet", sagt Martin Bitter, Geschäftsführer der IG Metall Rendsburg. Der Einsatz und Zusammenhalt der Belegschaft sei das Erfolgsrezept für die Rückkehr in die Tarifbindung gewesen. "Jeder konnte sich jederzeit einbringen. Das ermöglichte ein geschlossenes und zielgerichtetes Handeln", sagt Bitter.

Im Frühjahr 2016 war die Gießerei Procast Guss aus dem Arbeitgeberverband Nordmetall ausgetreten und wollte damit die Löhne absenken. Die wirtschaftliche Situation war nicht optimal, Kurzarbeit war angesagt. Die versuchte Tarifflucht des Arbeitgebers riefen prompt Belegschaft und IG Metall auf den Plan. In der Gießerei arbeiten 71 Beschäftigte, etwa 90 Prozent von ihnen sind IG Metall-Mitglied, in der Produktion sind es 100 Prozent. Entsprechend ausgeprägt ist der Kampfgeist der Belegschaft. Es folgten zwei Warnstreiks und vier Verhandlungen, um den Arbeitgeber wieder zur Rückkehr in die Tarifbindung zu bewegen. Dabei gelang es den Metallern, Begehrlichkeiten der Geschäftsleitung abzuwehren. "Procast Guss wollte nicht nur die Entgelte absenken, sondern auch Zuschläge streichen und die Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden verlängern", sagt Gewerkschafter Bitter.
 

Procast Guss: Beschäftigte erkämpften sich Tarifvertrag zurück. Foto: IG Metall

 

Tarifflucht verhindert, Jobs und Standort gesichert

Am Ende stand ein Kompromiss, den IG Metall und Belegschaft als Erfolg verbuchen können: Im Oktober 2016 unterzeichnete Procast Guss, dem Verband Nordmetall wieder beizutreten und damit den Flächentarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie anzuerkennen. Die versuchte Tarifflucht war damit Geschichte.

Ergänzend vereinbarten IG Metall und Geschäftsleitung, dass die Mitarbeiter innerhalb eines Jahres wieder das Lohnniveau der Fläche erhalten. Das bedeutet konkret: Von November 2016 bis September diesen Jahres bekommen die Beschäftigten die erste Stufe der Tariferhöhung von 2,8 Prozent in Form einer Zeitgutschrift von etwa einer Stunde in der Woche. Ab Oktober 2016 werden die 2,8 Prozent tabellenwirksam ausgezahlt. Das zweite Plus von zwei Prozent aus dem Metall-Tarifabschluss 2016 erhalten die Metaller bei Procast Guss ab 1. Juli 2017. Damit erreichen die Entgelte ab Oktober wieder das Niveau des Flächentarifvertrages.

Das Regelwerk enthält zudem eine Beschäftigungsgarantie sowie wichtige Investitionszusagen, um Arbeitsplätze und Standort in Nortorf zu sichern. Im Gegenzug verzichtet die Belegschaft für zwei Jahre weitestgehend auf Weihnachts- und Urlaubsgeld. "Wir haben immer gesagt, wir können uns vorstellen, einen Beitrag zu leisten, aber nicht, dauerhaft von der Fläche abzuweichen", sagt Jens Steffen, Betriebsratsvorsitzender bei Procast Guss.

 

Bonus für Mitglieder

Allerdings bekommen die IG Metall-Mitglieder - und das sind fast alle - einen Teil ihres Verzichts als "Mitgliederbonus" wieder zurück. Das sind für jedes Mitglied jeweils 100 Euro für Februar und August 2017. Plus zweimal 200 Euro für 2018, ebenfalls fällig im Februar und im August.

"Der Bonus ist für uns selbstverständlich", sagt Jens Steffen. Für ihn ist er auch ein Signal, dass die IG Metall für ihre Leute "etwas tut und mehr herausholt". "Denn schließlich haben sie auch maßgeblich zum Erfolg beigetragen", ist Steffen überzeugt. "Die Mitglieder waren jederzeit an dem ganzen Prozess beteiligt. Nach jeder Verhandlung gab es eine Versammlung, bei der wir mit den Mitgliedern den Zwischenstand diskutiert und abgestimmt haben." Mit dem Resultat, dass dem Arbeitgeber eine Einheit von IG Metall, Betriebsrat und Mitgliedern gegenüberstand oder saß. Jens Steffen: "Unserem Chef war klar, dass hinter jedem Verhandlungsschritt, den wir machten, die ganze Belegschaft voll und ganz steht. Das stärkt die Durchsetzungsfähigkeit."

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Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

Mit Tarifvertrag geht's gerechter zu:

beim Entgelt, beim Urlaub, bei der Arbeitszeit - und es gibt Rechtsschutz. Aber: Nur Mitglieder haben einen Anspruch darauf.

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