Mindestlohn: Deutschland schneidet im europäischen Vergleich ...
Mindestlöhne stabilisieren Wirtschaft
20 von 27 EU-Ländern haben den gesetzlichen Mindestlohn. Deutschland nicht. Sollte es aber. Denn Mindestlöhne wirken als Deflationsbremse. Und das hilft gegen die Krise.
Mindestlöhne haben Vorteile. Für Arbeitnehmer und Wirtschaft gleichermaßen. Laut einer aktuellen Studie des Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) und der Hans-Böckler-Stiftung stabilisieren sie die Wirtschaft.
Mindestlohn-Vergleich in Europa In Westeuropa liegt die für alle Arbeitnehmer verbindliche Lohnuntergrenze meist über 8,40 Euro. In Luxemburg liegt der Mindestlohn sogar knapp unter zehn (genau 9,73) Euro, in Frankreich knapp unter neun (8,82) Euro. Eine Ausnahme bildet nur Großbritannien, wo der Mindestlohn von 5,73 Pfund umgerechnet 6,41 Euro beträgt – eine Folge des niedrigen Wechselkurses.
Quelle: Hans-Böckler-Stiftung
Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall zur Situation in Deutschland: „Niedriglöhne von durchschnittlich 6,88 € – davon kann keiner Leben! Als absolute Untergrenze und als Schutz vor Lohndumping hilft ein gesetzlicher Mindestlohn. Das ist auch und gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise richtig. Um aus der Krise herauszukommen brauchen wir eine offensive Umverteilung von Arbeits- und Sozialeinkommen, Vermögen und sozialen Lebenschancen. Ein gesetzlicher Mindestlohns kann hierzu einen Beitrag leisten.
Niedriglöhne gefährden Altersvorsorge Lohndumping wird außerdem auch ein Problem für die Rente. Urban dazu: “Wer sein Leben lang arm war, wird auch keine auskömmliche Rente haben. Die beste Rentenpolitik wird aus Armuts-Biografien im Erwerbsleben keine Wohlstands-Biografien im Alter machen können. Deshalb hat die IG Metall nicht nur Vorschläge für den Neuaufbau einer solidarischen Alterssicherung gemacht, sondern wir sagen auch: Guter Lohn für gute Rente – zu den Maßnahmen gegen Altersarmut gehört auch ein gesetzlicher Mindestlohn.„
Deflation “In der Krise leisten die Mindestlöhne einen wichtigen Beitrag zur Stabilität von Lohneinkommen und wirken zugleich als Deflationsbremse„, erklärt Arbeitsforscher Dr. Thorsten Schulten vom WSI. Mindestlöhne zu senken hätte damit auch fatale Folgen und würde die Krise zusätzlich verschärfen.Fallen die Verbraucherpreise stark und anhaltend, sprechen Ökonomen von einer Deflation. Die Gefahr in der Krise könnte dann folgende sein: die Verbraucher halten sich mit Käufen weiter zurück, weil sie auf noch niedrigere Preise hoffen und schwächen so die Binnenkonjunktur. Das wäre in der jetztigen Situation, wo doch gerade die Konsumenten der Grund für die leichte Erholung der Konjuntkur sind, verheerend.
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