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Offensive Handwerk: das Beispiel Autohäuser

Offensive Handwerk: das Beispiel Autohäuser

Strukturwandel Handwerk: Aus Klein mach Groß

14.02.2013 Ι Aus drei Handwerksfirmen mach eine große Einheit mit einem Betriebsrat, der die Interessen aller Beschäftigten betriebsübergreifend vertritt. Wie das geht, zeigt das Beispiel von drei Kfz-Betrieben in Wolfsburg und Gifhorn. Das Betriebsverfassungsgesetz liefert hierfür die Steilvorlage. Den Arbeitnehmern bringt es auf alle Fälle jede Menge Vorteile.
Rund 5,2 Millionen Menschen arbeiten im Handwerk. Hierzu zählen knapp zwei Millionen Beschäftigte im Organisationsbereich der IG Metall, wie zum Beispiel in Kfz-Werkstätten, Tischlereien, Elektro-, Heizungs- und Sanitärbetrieben sowie im Stahl- und Metallbau.

Im Handwerk hat ein Strukturwandel eingesetzt. Neben vielen kleinen Firmen, wo der Chef jeden einzelnen kennt und Arbeitnehmervertreter und Tarifverträge eher selten sind, entstehen immer mehr Mittel- und Großbetriebe - auch mit eigenen Betriebsräten.

Zersplitterte Tarifstruktur

Nur noch wenige Handwerksbetriebe sind tarifgebunden. Die Firmen verlassen die Innungen, die sie als Tarifparteien vertreten. Die betroffenen Beschäftigten haben das Nachsehen. Denn damit gelten für sie auch keine Tarifverträge, die Löhne, Urlaub und Arbeitsbedingungen regeln. Gleichzeitig fehlt der IG Metall mit einer schwindsüchtigen Innung eine starke Verhandlungspartnerin, mit der sie Flächentarifverträge vereinbaren kann.

Was also tun? Wie können trotz zersplitterter Tarifstruktur und den vielen kleinen und großen Handwerksbetrieben die Interessen von Arbeitnehmern am besten gewahrt und vertreten werden? Und wie kommen die Beschäftigten in den Genuss von tariflichen Leistungen?

Der Strukturwandel könnte hier neue Chancen eröffnen, wie das Beispiel der beiden Autohäuser Wolfsburg und Kühl sowie der AUTO Service Wolfsburg GmbH zeigt. Dort vertritt ein 13-köpfiger Betriebsrat die Interessen der insgesamt 1300 Kfz-Beschäftigten. Betriebsübergreifend agiert er als eine Art Regionalvertretung in allen betriebs- und tarifpolitischen Angelegenheiten.

Gemeinsam stark

Für den Zusammenschluss nutzte die IG Metall den Paragraf 3 im Betriebsverfassungsgesetz. Danach ist es möglich, durch einen Tarifvertrag Betriebe zusammenzufassen und einen einheitlichen Betriebsrat zu gründen, wenn das die "Bildung von Betriebsräten erleichtert oder einer sachgerechten Wahrnehmung der Interessen der Arbeitnehmer dient".

Zum Autohaus Wolfsburg zählen zehn Filialen. Dem Autohaus Kühl in Gifhorn gehören sechs Werkstätten. Die AUTO Service Wolfsburg GmbH geht aus dem Autohaus Wolfsburg hervor und entstand vor etwa zehn Jahren. Die 200 Mitarbeiter dort sind zuständig für Bau- und Reparaturarbeiten, für Logistik und Fahrdienste, Kantine und Reinigung.

Alle Beschäftigten der drei Kfz-Betriebe haben durch die große Einheit jede Menge Vorteile. Zwei der wichtigsten: Sie werden vertreten durch einen schlagkräftigen Betriebsrat mit drei freigestellten Mitgliedern und in allen drei Firmen gelten Tarifverträge. In den beiden Autohäusern konnten die IG Metall und der Betriebsrat Haustarifverträge abschließen. Und bei der AUTO Service Wolfsburg GmbH ist der IG Metall ebenfalls die Tarifbindung gelungen. Sie konnte den Servicedienstleister davon überzeugen, dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) beizutreten.

Der Tarifflucht etwas entgegensetzen

In Niedersachsen sind nur rund 450 von 3800 Autohäusern tarifgebunden. "Die Situation im Kfz-Handwerk ist sehr uneinheitlich", erklärt Betriebsratsvorsitzender Helge Fahr. "Mit unserem Haustarifvertrag haben wir eine Menge positives für unsere Kolleginnen und Kollegen erreicht." Denn durch diesen profitieren die Beschäftigten auch von tariflichen Entgelterhöhungen, wie zum Beispiel im Juni 2012. Der Tarifabschluss im Kfz-Handwerk in Niedersachsen und Bremen brachte den Mitarbeitern der beiden Autohäuser Wolfsburg und Kühl vier Prozent mehr Geld.

Für die IG Metall ein Grund mehr, größere Einheiten anzustreben. Mit ihrer "Offensive Handwerk" will sie hierfür stärker die Möglichkeiten des Betriebsverfassungsgesetzes nutzen. Wichtigstes Ziel dabei: gemeinsame Betriebsräte bilden, sie gewerkschaftlich stärken und Tarifverträge abschließen.

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