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Ökologische Probleme der Aluminium-Produktion. Foto: Tamarang/Fotolia.de

Ökologische Probleme bei der Aluminium-Produktion

Stromverbrauch und giftiger "Rotschlamm"-Abfall

25.01.2011 Ι Aluminium und Ökologie - wie geht das zusammen? Nicht öko sind der Stromverbrauch bei der Herstellung und der giftige Abfall, der bei der Erstproduktion entsteht. Recycling-Alu ist jedoch ökologisch veträglicher. Ein Blick nach Brasilien offenbart Lösungsansätze bei der Energiegewinnung.

Die Auslösung des Aluminiums aus Bauxit-Erz erfolgt über ein sehr stromintensives elektrolytisches Verfahren. Das im Erz enthaltene Aluminiumoxid-Gemisch wird dabei mit Natronlauge aufgeschlossen. Allerdings enthält das Erz nur zur Hälfte Aluminium. Der Rest ist Abfall, der als sogenannter "Rotschlamm" auf Deponien abgeladen wird.

Giftiger Abfall
Rotschlamm hat zwei Komponenten, die giftig sein können: die äußerst ätzende Natronlauge und die im Erz enthaltenen Schwermetalle, etwa Quecksilber, Cadmium, hochgiftiges Arsen sowie radioaktives Uran und Thorium. In der Erde sind die Schwermetalle gebunden und ungefährlich. Wenn Bauxit jedoch mit Natronlauge versetzt wird, werden die Schwermetalle im Rotschlamm hoch flüchtig und damit zu einem Gesundheitsrisiko für Menschen und Tiere. Löst man die Natronlauge aus dem Rotschlamm wieder heraus, werden die Schwermetalle gebunden und sind dann ungefährlicher. Derzeit arbeiten Wissenschaft und Forschung an praktikablen Lösungen.

Deutlich besser ist die Ökobilanz beim Recycling von Aluminium. Die Wiederverwertung verbraucht nur etwa fünf Prozent Energie der Primärgewinnung. Wegen des hohen Energiebedarfs der Primärgewinnung enstehen Aluminiumhütten vorrangig in unmittelbarer Nähe zu Kraftwerken und billigem Strom. Besonders attraktive Standorte sind Schwellenländer, die sowohl Bauxit als auch preiswerten Strom bieten, wie beispielsweise Brasilien.

Wasserkraft als Lösung?
Nach Willen der brasilianischen Regierung unter der frisch gewählten Präsidentin Dilma Rousseff, die unter Amtsvorgänger Lula da Silva Energieministerin war, soll die Wasserkraft zur Triebfeder von Brasiliens Wirtschaftsboom werden. 70 zusätzliche Wasserkraftwerke sind in Amazonien derzeit geplant. Hauptargument ist der steigende Energiebedarf der wachsenden Bevölkerung und expandierenden Wirtschaft. Die Regierung Roussef erklärt, dass sie dabei auf eine nachhaltige, umweltschonende Entwicklungspolitik setzt.

Gegner jedoch kritisieren die ökologischen und sozialen Schäden, die das sogenannte PAC-Kraftwerksprogramm verursacht, etwa durch Rodung des Urwalds und die Zwangsumsiedlung von Ureinwohnern. Die Fließgeschwindigkeit des Amazonas und seiner Nebenflüsse sei zudem so gering, dass hohe Kraftwerksleistungen nur durch sehr große Stauseeflächen zu erreichen seien. Außerdem komme ein Großteil der neuen Energie nicht der Bevölkerung, sondern der expandierenden und sehr stromintensiven Aluminiumindustrie zugute, die weitere Umweltschäden verursacht. Alternativkonzepte sehen kleinere, dezentrale Kraftwerke und eine Modernisierung der verlustreichen Stromleitungen vor.

Bedenken gegen Großprojekt
Das derzeit größte Wasserkraftprojekt Belo Monte am Fluss Xingu, einem Seitenfluss des Amazonas, ist seit Jahren umstritten. Ureinwohner, die für das Projekt zwangsumgesiedelt werden sollen, als auch Umweltaktivisten, Kirchen und Gewerkschaften kämpfen seit Jahren dagegen. Der Bau soll trotzdem im April beginnen. Zwar hat die brasilianische Umweltamt Bedenken angemeldet, doch nachdem ihr Präsident Mitte Januar zurückgetreten ist - Insider vermuten auf Druck von Regierung und Wirtschaft - scheint der Weg für Belo Monte nun frei. Über drei Talsperren soll der Fluss zu zwei Stauseen mit einer Fläche von zusammen etwa 500 km² aufgestaut werden, entsprechend in etwa der Größe des Bodensees. Das Wasserkraftwerk soll nach seiner Fertigstellung mit einer Leistung von mehr als elf Gigawatt das leistungsmäßig drittgrößte Kraftwerk der Welt werden. Dafür müssen voraussichtlich etwa 20 000 Menschen umgesiedelt werden.

Weitere aktuelle Großprojekte sind die derzeit im Bau befindlichen Kraftwerke Santo Antonio und Jirau am Amazonas-Nebenfluss Rio Madeira. Für beide Kraftwerke sind Investitionen von etwa 15 Millionen US-Dollar nötig. Für den Bau sind vor Ort riesige Zulieferfabriken für Bauteile und Material entstanden. Allein der Bau von Santo Antonio verschlingt 36 mal mehr Beton als der Bau des weltgrößten Fußballstadion Maracá in Rio de Janeiro und 16 mal mehr Stahl als der Eiffelturm. Das Kraftwerks-Programm wird von staatlichen und privaten Firmen getragen und über Pensinsfonds sowie nationale und internationale öffentliche Banken finanziert.

Insider erwarten, dass der Konflikt um die Kraftwerksbauten, insbesondere um Belo Monte in den nächsten Wochen eskaliert. In die Weltöffentlichkeit gelangte der Protest zuletzt beim Weltsozialforum 2009 in Belém / Brasilien, zu dem der Frankfurter Filmemacher Martin Kessler den Dokumentarfilm "Eine andere Welt ist möglich. Kampf um Amazonien" gedreht hat. Derzeit arbeitet Kessler gerade an einer Fortsetzung. Den Film und ein ausführliches Exposé gibt es hier.

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Foto: Peter Frischmuth/argus Fotoarchiv GmbH
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Arbeitsplätze und Umwelt - für Peter Camin ist das kein Gegensatz. Arbeit muss gesund sein. Und Beschäftigte wollen, dass ihr Produkt sinnvoll ist, menschlich und ökologisch. Camin setzt sich seit 35 Jahren dafür ein, als Betriebsrat bei Hydro Aluminium, von der Elbe bis zum Amazonas.
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