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Berendsen_Frauentag

Konflikt bei der Großwäscherei Berendsen eskaliert

Wäscherinnen kämpfen gegen Lohnkürzung und Kündigung

11.03.2013 Ι Der Konflikt bei der Großwäscherei Berendsen in Neustadt/Orla eskaliert: Die Geschäftsführung will nun rund 70 der 200 Beschäftigten kündigen, weil sie sich weigern neue schlechtere Arbeitsverträge zu unterschreiben. Doch die Kolleginnen geben nicht klein bei. Die IG Metall unterstützt sie dabei, etwa mit Aktionen und Rechtsberatung vor dem Werkstor.

Zum Frauentag gab es von der IG Metall rote Nelken. Und eine öffentliche Rechtsberatung vor dem Werkstor. 50 Wäscherinnen waren zum Schichtwechsel am Infostand der IG Metall. IG Metall-Aktive aus Betrieben der Region unterstützten sie.
Die Geschäftsführung der Großwäscherei Berendsen im thüringischen Neustadt/Orla will rund 70 der 200 Beschäftigten kündigen, falls sie sich weiter weigern, neue schlechtere Arbeitsverträge zu unterschreiben (igmetall.de berichtete).

Rund 70 Frauen wollen keine schlechteren Verträge unterschreiben

Unter anderem sehen die neuen Verträge Stundenlöhne von 8 bis 8,50 Euro vor, deutlich weniger als die bisherigen 9,22 Euro nach dem Tarif mit der IG Metall. Ein Teil der Beschäftigten - rund 70 Wäscherinnen - bestehen jedoch auf ihrem Tarifvertrag. Rein rechtlich gilt weiterhin eine sogenannte "Nachwirkung": Sie besagt, dass der Arbeitgeber auch nach der Kündigung des Tarifvertrags weiterhin Tariflohn zahlen muss, bis der Tarifvertrag durch eine neue Abmachung, etwa einen neuen Arbeitsvertrag ersetzt wird.

Seit Wochen schüchtert die Geschäftsführung die Beschäftigten in Aushängen und Einzelgesprächen ein. Standort und Jobs stünden auf dem Spiel. Sie schiebt nun den 70 verbliebenen Beschäftigten den schwarzen Peter zu und verkündete Anfang März Änderungskündigungen. Mit der IG Metall will Berendsen nicht verhandeln und lehnt einen Interessenausgleich ab.

"Die Kolleginnen werden weiter durchstehen"

Doch die rund 70 Frauen sind entschlossen, sich nicht erpressen zu lassen. In der letzten Woche gab es bereits mehrere IG Metall-Versammlungen. Unter den Unterstützern am Frauentag-Infostand waren auch IG Metall-Aktive von Docter Optics gleich nebenan, die über einen ähnlichen Kampf in ihrem Betrieb erzählten. Auch ihr Arbeitgeber war aus dem Tarif ausgestiegen. Doch nach vier Jahren Kampf haben sie schließlich einen neuen Tarifvertrag durchgesetzt. "Das hat den Berendsen-Kolleginnen noch einmal Mut gemacht", meint Michael Ebenau von der IG Metall Jena-Saalfeld. "Die Frauen haben jetzt schon so viel durchgestanden. Sie werden auch weiter durchstehen. Sie werden nicht unterschreiben, sondern kämpfen."

 

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Die IG Metall in der Wäschereibranche

Im Arbeitgeberverband für Textile Dienste Intex sind nach Austritten wie zuletzt der des britischen Branchenriesen Berendsen noch 11 Unternehmen mit insgesamt 36 Prozent der Beschäftigten in der Branche organisiert.
Die IG Metall handelt mit Intex Tarif-verträge für die Branche aus. Für 2013 haben beide 2,5 Prozent Lohnerhöhung vereinbart. Zudem einigten sie sich auf die Erhöhung des Mindestlohns für die Branche von derzeit acht Euro im Westen und sieben Euro im Osten auf bundesweit 8,50 Euro ab 2014.

Zudem will die IG Metall wieder mehr Betriebe an Tarifverträge binden. Entweder über Intex oder über eigene Haustarife. Ein positives Beispiel hierfür ist der Textildienstleister Widi in Lüdenscheid (Nordrhein-Westfalen). Widi ist zwar aus Intex ausgetreten. IG Metall und Betriebsrat haben jedoch einen Firmentarif-vertrag durchgesetzt. Bei anderen Unternehmen wie Larosé, Kampschulte und Steritex laufen derzeit Verhandlungen.

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