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IT-Gipfel in Saarbrücken: Was sagen die Betriebsräte

"Es geht nur gemeinsam"

18.11.2016 Ι Digitalisierung ist erstmal nichts weiter als ein vager Begriff - fassbare Realität wird er vor Ort, im Betrieb, am einzelnen Arbeitsplatz, an dem sich Tätigkeiten und Anforderungen ändern. In den Diskussionen auf dem Nationalen IT-Gipfel in Saarbrücken wurde klar: Der digitale Wandel kann nur dann erfolgreich gestaltet werden, wenn Betriebsräte und Arbeitgeber zusammen arbeiten und Beschäftigte von Anfang an beteiligt werden.

Was sich genau ändert durch die Digitalisierung in den kommenden Jahren? Nein, das kann Michael Brecht auch nicht sagen. "Das weiß niemand", sagt der Daimler-Gesamtbetriebsratsvorsitzende auf dem Podium der Congresshalle in Saarbrücken, wo er zusammen mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über Bildung für die digitale Gesellschaft diskutiert. Produktion und Fertigungsverfahren änderten sich laufend, wohin die Digitalisierung führe, könne derzeit keiner exakt bestimmen, nur eines, das sei völlig klar: "Das Allerwichtigste ist, dass die Beschäftigten verstehen, wie wichtig die Bereitschaft und Fähigkeit ist, sich zu verändern und ihnen die Angst vor dem Wandel genommen wird." Nur, wenn die Beschäftigten von Anfang an beteiligt werden, könne der digitale Wandel erfolgreich gestaltet werden. Davon ist Michael Brecht überzeugt.


Davon ist auch Klaus Ahlborn überzeugt. "Die Veränderungsbereitschaft ist definitiv da, aber die Beschäftigten brauchen eine Vision", sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Airbus Operations GmbH, "Industrie 4.0 muss übersetzt werden und jedem einzelnen Beschäftigten muss klar werden, was das für ihn persönlich bedeutet."
 Strategische Personalplanung werde deshalb immer wichtiger, die Frage, wohin das Unternehmen wolle, welches Ziel es habe. "Auf dieser Basis sollte dann eine Personalplanung und individuelle Förderung und Qualifizierung ausgerichtet sein."


Bei Daimler am Standort Gaggenau haben sie so etwas gerade umgesetzt. 400 Beschäftigte, die bislang im Bereich der schweren Getriebe gearbeitet hatten, mussten neu qualifiziert werden. "Wir haben einen individuellen Qualifizierungsplan für jeden einzelnen Kollegen, für jede einzelne Kollegin erarbeitet", sagt Michael Brecht. Statt Getriebe für Lkw`s zu produzieren, arbeiten die 400 Beschäftigten jetzt im Fahrzeug-Rohbau. Alle konnten in dem Veränderungsprozess mitgenommen werden, alle konnten für ihre neuen Aufgaben qualifiziert werden. "Wir müssen aufpassen, dass wir Weiterbildung nicht nur einzelnen Gruppen von Beschäftigten ermöglichen", sagt Michael Brecht. "Die Herausforderung im digitalen Wandel wird sein, die gesamte Belegschaft mitzunehmen und zu qualifizieren".

 

Das sieht auch Mathias Möreke so. "Die Ausbildungsanforderungen steigen durch fortschreitende Digitalisierung", sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des VW-Werkes in Braunschweig. Neue Anforderungen aber könnten auch Sorgen auslösen und zu Fragen führen. Beispielsweise, ob Tätigkeiten in Zukunft abgewertet würden und was das dann für das eigene Entgelt bedeute. "Unsere Produkte und Prozesse ändern sich, es ist deshalb dringend nötig, dass wir eine Art Kataster anlegen und ganz genau schauen, welche Bedarfe wir in Zukunft haben und welche Qualifikationen wir zukünftig brauchen." Arbeit müsse lernförderlich gestaltet werden, Weiterbildung allen Beschäftigten ermöglicht werden. "Vor allem aber braucht es einen Grundkonsens, dass Gute Arbeit auch in der Industrie 4.0 möglich ist. Und das ist nur möglich, wenn Betriebsräte und Belegschaften von Anfang an beteiligt werden."


Für Constanze Kurz führt an konsequenter Beteiligung der Beschäftigten kein Weg vorbei. "Eine lernförderliche Arbeitskultur ist elementar wichtig in der digitalen Arbeitswelt", sagt die Leiterin der Arbeitsgruppe "Arbeit, Aus- und Weiterbildung" der Plattform Industrie 4.0, "und diese lernförderliche Arbeitskultur lässt sich nur mittels Beteiligung erreichen." Beschäftigte und Betriebsräte müssten deshalb "unter realen Bedingungen" von Anfang an in Entwicklungsprozesse einbezogen werden, ihre Expertise müsse aufgenommen werden.

"Am Ende wird es nur gemeinsam gehen", sagt Michael Brecht, "und nur dann, wenn alle Kolleginnen und Kollegen auf dem Weg mitgenommen werden."

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