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Foto: Siemens AG

Interview mit Professor Dr. Siegfried Russwurm, Siemens

Unternehmen müssen ressourceneffizienter wirtschaften

14.12.2012 Ι Globalisierung, Klimawandel, steigender Energiebedarf und die Ressourcenknappheit stellen Siemens vor neue Herausforderungen. Wie der Elektronikkonzern diese Anforderungen angeht, darüber sprachen wir mit Prof. Dr. Siegfried Russwurm, Leiter des Industriesektors bei Siemens.

Herr Russwurm, Sie stellen im Forum "Industrie auf grü­nen Wegen" auf dem Kongress "Kurswechsel für ein Gutes Leben" das Konzept von Siemens vor. Wie sieht der "grüne Weg" für Siemens aus

Prof. Dr. Siegfried Russwurm: Weltweit ste­hen wir vor Herausforderungen wie Globalisierung, Klimawandel, stei­gen­den Energiebedarf, zuneh­mende Ressourcenknappheit und damit stei­gende Preise für Energie und Ressourcen. Für Industrieunternehmen bedeu­tet das, dass sie heute nicht nur immer fle­xi­bler auf Kundenwünsche ein­ge­hen, ihre Produktivität  erhö­hen und Markteinführungszeiten ver­kür­zen müs­sen. Sondern es bedeu­tet auch,  dass sie nicht zuletzt auf­grund die­ser Kostenentwicklung energie- und res­sour­cen­ef­fi­zi­en­ter - also letzt­lich nach­hal­ti­ger - als jemals zuvor wirt­schaf­ten müssen.
 
Es lohnt sich dabei durch­aus, über mehr Effizienz in unse­ren Fabriken nach­zu­den­ken. Denn im Schnitt ver­braucht in einem ent­wi­ckel­ten Land wie Deutschland allein die Industrie nahezu 30 Prozent der Endenergie. Ressourceneffizienz ist damit einer­seits ein ganz ent­schei­den­der Wettbewerbsfaktor für die pro­du­zie­rende Industrie, und ande­rer­seits gleich­zei­tig ein wesent­li­cher Umweltfaktor für Länder und Regionen. Deshalb kann das Ziel - auf einen Nenner gebracht - nur lau­ten: mit weni­ger Aufwand mehr Ergebnis erzielen!
 
Ich gebe Ihnen ein Beispiel, wie unsere Produkte unse­ren Kunden hel­fen, effi­zi­ent und nach­hal­tig zu wirt­schaf­ten. Nehmen wir ein Unternehmen aus dem Industriebereich, das eine neue Produktionsanlage bauen will. Wie stellt es sicher, dass bereits bei Fertigungsbeginn alle Maschinen per­fekt har­mo­ni­siert und alle Prozesse ideal aus­ge­steu­ert sind, und zwar hin­sicht­lich Produktivität und Ressourceneffizienz? Durch Industriesoftware von Siemens. Mit die­ser las­sen sich ganze Fabriken oder ein­zelne Maschinen am Bildschirm ent­wi­ckeln und vorab die Produktion kom­plett simu­lie­ren. Und das, bevor die reale Fertigung beginnt. Das spart Zeit, Material sowie Nachbesserungen im lau­fen­den Betrieb - und damit auch Ressourcen und Energiekosten.
 
Anwendungen wie diese gehö­ren zu unse­rem Siemens-Umweltportfolio, mit dem wir im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von knapp 33 Mrd. Euro erzielt haben. Im Jahr 2011 haben wir mit den Produkten unse­res Umweltportfolios unse­ren Kunden gehol­fen, knapp 320 Millionen Tonnen CO2 einzusparen.
 
Welche Rolle spielt Ihr "Industrie-Sektor" im Konzern?
Im Sektor Industry arbei­ten mehr als 100 000 Beschäftigte und damit weit über ein  Viertel aller Siemens-Mitarbeiter. Mit unse­rem welt­weit ein­ma­li­gen Angebot an Automatisierungstechnik, indus­tri­el­ler Schalt- und Antriebstechnik sowie Industriesoftware stat­ten wir die gesamte Wertschöpfungskette von Unternehmen best­mög­lich aus - von Produktdesign und -ent­wick­lung über Produktion und Vertrieb bis hin zum Service. Unsere Industriekunden pro­fi­tie­ren dabei von unse­rem umfas­sen­den, auf ihre Branche und Bedürfnisse abge­stimm­ten Serviceangebot.
 
Wie wich­tig ist Siemens der Standort Deutschland? Wie, oder mit  wel­chen Maßnahmen sorgt Siemens dafür, dass die Kompetenzen der  Beschäftigten am Standort genutzt, erhal­ten und aus­ge­baut werden?
Sicher ist Siemens mitt­ler­weile in über 190 Ländern aktiv und damit ein gro­ßes inter­na­tio­na­les Unternehmen. Doch die Wurzeln lie­gen ganz klar in Deutschland. Fast ein Drittel unse­rer Mitarbeiter arbei­tet in Deutschland: Mit rund 119 000 Mitarbeitern und ins­ge­samt rund 10 000 Auszubildenden ist Siemens einer der größ­ten deut­schen pri­va­ten Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe.
 
An die­ser hohen Ausbildungsquote sehen Sie schon, dass wir die Weiterentwicklung unse­rer Beschäftigten sehr ernst neh­men. Das gilt nicht nur für Auszubildende: Chancen zur Weiterentwicklung von per­sön­li­chen und fach­li­chen Kompetenzen bie­ten wir in jedem Karriereschritt an - sei es durch zahl­rei­che berufs­be­glei­tende Programme oder kon­krete Weiterbildungsmaßnahmen. Qualifizierten Fach- und Führungskräften bie­ten wir zusätz­lich die Möglichkeit, berufs­be­glei­tend Studienabschlüsse zu erwer­ben, zum Beispiel den Bachelor in Engineering oder den Master of Business Administration in Growth Management.
 
Individuelle Entwicklungsmaßnahmen bespricht jeder Mitarbeiter bei Siemens in einem jähr­li­chen Zielvereinbarungsgepräch mit sei­ner Führungskraft. Siemens bie­tet eine Vielzahl von anspruchs­vol­len Kursen in der eige­nen Weiterbildungsorganisation "Learning Campus" an. Mit die­sen klar fokus­sier­ten Fort- und Weiterbildungsprogrammen sind wir sicher, dass wir die Fähigkeiten und Kompetenzen unse­rer Mitarbeiter bestän­dig ausbauen.
 
Was macht Siemens für sei­nen Fachkräftebedarf - spe­zi­ell im Bereich der Nachwuchsförderung?
Um dem Fachkräftemangel vor­zu­beu­gen, ist es wich­tig, bereits eine attrak­tive  Ausbildung zu bie­ten. Derzeit durch­lau­fen mehr als 7000 eigene Azubis an rund 40 Standorten in Deutschland eine Ausbildung bei Siemens - nicht nur an Berufsschulen, son­dern auch in eigens dafür ein­ge­rich­te­ten inter­nen Ausbildungszentren. Um den gestie­ge­nen Qualifikationsanforderungen Rechnung zu tra­gen, hat im Herbst bereits jeder Dritte der neuen Auszubildenden in den tech­ni­schen Ausbildungsgängen ein dua­les Studium auf­ge­nom­men. Etwa wei­tere 3000 junge Menschen bil­den wir für andere Firmen aus. In die Ausbildung der Jugendlichen inves­tie­ren wir pro Jahr rund 180 Millionen Euro allein in Deutschland.
 
Wir möch­ten den Jugendlichen einen gelun­ge­nen Start in ihr Berufsleben ermög­li­chen. Moderne Lehr- und Lernformen, qua­li­fi­zierte und erfah­rene Ausbilder sowie die Möglichkeit, durch  Auslandsaufenthalte inter­na­tio­nale Erfahrung zu erlan­gen, sind nur einige Beispiele, wie Schulabsolventen von unse­rer lang­jäh­ri­gen Ausbildungstradition pro­fi­tie­ren kön­nen. Die Qualität der Siemens-Ausbildung hat sich auch über die Konzerngrenzen hin­aus her­um­ge­spro­chen: Seit Jahren las­sen viele kleine und mit­tel­stän­di­sche, aber auch große Unternehmen im Rahmen von Kooperationen bei uns ausbilden.
 
Wo sehen Sie Siemens in 20 Jahren?
Über 165 Jahre Firmengeschichte lie­gen jetzt bereits hin­ter uns: Siemens hat sich von der klei­nen Berliner Hinterhofwerkstatt zum Weltunternehmen ent­wi­ckelt. Diesen erfolg­rei­chen Kurs wer­den wir wei­ter­ver­fol­gen, denn Siemens soll auch in 20 und 50 Jahren ein pro­fi­ta­bles Unternehmen der Spitzenklasse sein.

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Informationen zur Person

Prof. Dr. Siegfried Russwurm ist Chef des Industriesektors von Siemens mit rund 100 000 Mitarbeitern und fast 20 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2011.

Das Interview wurde im Vorfeld des Internationalen Kongresses der IG Metall geführt.

Kurswechsel für ein gutes Leben

Alle Informationen, Bilder und Videos vom inter­na­tio­nalen Kongress der IG Metall in Berlin.

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