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Interview mit Hans-Jürgen Urban zur Rentenanpassung 2013. Foto: IG Metall

© Frank Rumpenhorst

Interview mit Hans-Jürgen Urban zur Rentenanpassung 2013

Die IG Metall fordert Renten, von denen man leben kann

16.04.2013 Ι Zum 1. Juli sollen in den alten Bundesländern die Renten um 0,25 Prozent und in den neuen um 3,29 Prozent steigen. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, erläutert im Interview, wie es zu diesem Unterschied kommt.

Die diesjährige Rentenanpassung erhitzt die Gemüter vieler Ruheständler. Wie bewertest Du diese Rentensteigerung?

Hans-Jürgen Urban:
Die Rentenanpassung im Westen bleibt deutlich hinter den prognostizierten Steigerungen der Lebenshaltungskosten zurück. Den Rentnerinnen und Rentnern droht ein weiterer, sozial nicht zu vertretender Kaufkraftverlust.


Aber im Osten läuft es besser?

Die unterschiedliche Rentenanpassung in West- und Ostdeutschland ist vor allem auf Sondereffekte zurückzuführen. Eine Angleichung der Ostrenten findet nur sehr langsam statt. Sie stellt sich langfristig betrachtet sogar als "Angleichung nach unten" dar. Denn: In der Rentenpolitik sind die Weichen insgesamt falsch gestellt. Die in diesem Jahr bessere Entwicklung der Rente im Osten kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Renten in Ost und West hinter der Lohnentwicklung zurückbleiben.


Woher kommt das?

Das ist kein Zufall. Jetzt greift das, was die Politik immer gewollt hat. Die Dämpfungsfaktoren ("Nachhaltigkeitsfaktor" und "Riesterfaktor" - mehr dazu siehe Kasten) in der Rentenformel verrichten ihre Arbeit und koppeln die Entwicklung der Renten von den Löhnen ab. Das Rentenniveau sinkt.


Was muss sich in der Rentenpolitik ändern?
Wir brauchen ein gesetzliches Rentenniveau, das den Lebensstandard sichert und eine Wiederankopplung der Renten an die Lohnentwicklung. Notwendig sind Veränderungen in der Rentenformel und wirksame Maßnahmen zur Armutsvermeidung im Alter durch die Aufwertung niedriger Beiträge und bessere Leistungen für Arbeitslose.


Was tut die IG Metall?

Die IG Metall hat die Initiative ergriffen und Vorschläge für einen solidarischen Neuaufbau der Alterssicherung entwickelt. Mit der Kampagne "Gute Arbeit - gut in Rente" macht die IG Metall den Mangel an altersgerechten Arbeitsplätzen zum Thema und fordert mehr flexible Ausstiegsmöglichkeiten aus dem Arbeitsleben statt der Rente mit 67. Und sie wirbt und mobilisiert auch für ihre rentenpolitischen Vorstellungen im Rahmen des Bundestagswahlkampfes. Denn: Die Menschen brauchen Wahlmöglichkeiten beim Altersübergang und Renten, von denen sie leben können.

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Rentenanpassung

Grundlage der Rentenanpassung ist die Entwicklung der rentenrelevanten Ein-kommen. Die für die Rentenanpassung relevante Lohnsteigerung beträgt in den alten Ländern 1,5 Prozent und in den neuen 4,32 Prozent.


Der "Riesterfaktor" mindert die Renten-anpassung um gestiegene Beiträge für die Beschäftigten und planmäßig höhere Altersvorsorgeaufwendungen. In diesem Jahr reduziert er die Rentenanpassung um rund 0,26 Prozentpunkte.


Der "Nachhaltigkeitsfaktor" spiegelt Veränderungen im Verhältnis Beitrags-zahler zu Rentenbeziehern wieder. Steigt die Gruppe der Rentner und wachsen die Beitragszahler nicht in gleichem Maße mit, mindert der Faktor die Renten-anpassung. 2013 reduziert er die Rentenanpassung um rund 0,72 Prozent. Bringt man beide Faktoren in diesem Jahr zum Abzug ergibt das rechnerisch eine Rentenanpassung von 0,5 Prozent in den alten Ländern und  3,29 Prozent in den neuen Ländern.


Im Westen kommt zudem der Aus-gleichsfaktor zur Wirkung. Er holt die in der Krise unterbliebene Rentenkürz-ungen nach, die angesichts von massenhafter Kurzarbeit und erheb-lichen Lohneinbußen vor allem im Westen möglich gewesen wäre. Als Spätfolge der Wirtschafts- und Finanz-krise wird die rein rechnerisch mögliche positive Rentenanpassung halbiert. Die Rentenanpassung West beträgt daher 0,25 Prozent.

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